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Leseprobe CONNEXI-2021-02 AIDS COVID-19 Infektiologie

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Magazin über Gesundheit, Medizin, Therapien

Bei der

Bei der Impfstoffentwicklung gab es in der Tat einen enormen Sprung, weil im Rahmen der SARS-CoV-2-Viruserforschung eine so unglaubliche Beschleunigung stattgefunden hat; nicht nur in dem Sinne, dass man jetzt verschiedene Impfstoffe zur Verfügung hat, sondern auch ganz neue © SV Veranstaltungen entwickeln will, die eine funktionelle Heilung bei HIV-Positiven bewirkt. Ich verspreche mir einiges davon. Aber: Davon haben wir natürlich nicht jetzt sofort in diesem Jahr einen Impfstoff, der Prozess wird lediglich beschleunigt. Denn die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das HI-Virus hat noch einmal andere Herausforderungen als gegen SARS- CoV-2. HIV hat einige spezielle Eigenschaften, die es außerordentlich schwierig machen, eine ausreichend wirksame Substanz zu entwickeln, allein schon, weil die Oberfläche von HIV sehr viele Zucker enthält, die weniger immunogen sind. Die aktuellen Erfahrungen sind nicht 1:1 zu übersetzen. Ich glaube aber, dass sie uns sehr dabei helfen werden, auch bei der HIV-Impfstoffentwicklung mit neuen Ansätzen weiterzukommen. CONFERENCES Der 10. Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress (DÖAK) 2021 unter dem Motto „40 Jahre HIV/AIDS – Pandemien gestern und heute“, hatte als erster DÖAK in virtueller Form eine großartige Resonanz. Vom 25.–27.03.2021 wurden mehr als 900 Teilnehmer aus zahlreichen medizinischen Berufsgruppen und der Community registriert. Verfahren getestet wurden wie z. B. die Messenger-RNA-Nanotechnologie, die jetzt bei modernen Impfstoffen gegen das SARS-CoV-2-Virus schon eingesetzt wird. Das ist sicherlich auch vielversprechend für die präventive oder therapeutische Impfung bezüglich der HIV-Infektion. Zumal ja z. B. die RNA-Messengerimpfstoffe auch schon in der Onkologie zur Behandlung bestimmter Tumore eingesetzt wurden und einige dieser grundsätzlichen Prinzipien, die dort eine Rolle spielen, auch bei HIV-Infektion relevant sind. Es handelt sich bei HIV auch um ein Virus, was in das Genom des Menschen integriert wird. Das ist die große Herausforderung, wenn man z. B. eine Impfung Was ist, auch vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse zu den aktuell zugelassenen Impfstoffen, bei der COVID-Impfung für HIV-Patienten zu beachten? HIV-Patienten sollten so schnell wie möglich gegen SARS-CoV-2 geimpft werden. Wenn ein Patient, der schon lange unter der Nachweisgrenze liegt, effektiv behandelt ist und schon wieder ein sehr kräftiges Immunsystem hat, muss man bei der Impfung nichts Besonderes zu beachten. Man sollte aber diese Menschen bevorzugt impfen. Dafür haben wir uns bei der Priorisierung eingesetzt. Letztlich besteht der Unterschied darin, in welcher Phase sich der HIV-Patient gerade befindet, ob er gerade neu diagnostiziert wurde, oder ob es ein Patient ist mit einem noch immer sehr schwachen Immunsystem – trotz der erfolgreichen Behandlung haben wir ja noch immer Patienten, bei denen sich das Immunsystem relativ langsam erholt – dann wäre die Impfung sicherlich besonders dringlich. Und man muss auch darauf achten, dass ein entsprechendes Ansprechen auf die Impfung zu verzeichnen ist. 10

INTERVIEW Noch fehlen aussagekräftige Daten zu möglichen medikamentösen Therapien oder Impfstoffen gegen SAR-Cov-2 bei HIV-Patienten. Gibt es laufende Studien zur Therapie- und Impfstoff- Forschung, in die HIV-Patienten gezielt eingeschlossen sind? Ja, es gibt weltweit Untersuchungen an HIVpositiven Menschen. Erfreulicherweise haben sich auch einige Forscher hier in Deutschland speziell dem HIV-Kollektiv gewidmet. Wir versuchen, zwar erst einmal noch deskriptiv, gemeinsam belastbare Daten zu sammeln. Georg Härter und Christian Hoffmann beschäftigen sich z. B. mit der Impfantwort. Es gibt zudem an verschiedenen größeren Einrichtungen die Möglichkeit, HIV-positive Menschen zu registrieren. Es werden u. a. Daten zentral gesammelt bzgl. der Verläufe. Auch in Essen dokumentieren wir alle Daten für diese vielen verschiedenen Studien, die zum Glück in großer Geschwindigkeit mit Ethikvotum entwickelt worden sind. Gab es auf dem DÖAK Neuigkeiten in punkto Heilung? Wenn ja, welche neuen Erkenntnisse gibt es? Hier wird nach wie vor viel geforscht. Die Impfstoffforschung hatte ich schon angesprochen, dabei geht es nicht nur um die Prävention zur Vermeidung einer HIV-Infektion, sondern es wird auch die Impfung erforscht, die möglicherweise eine Krankheitskontrolle ermöglicht. „Heilung“ ist immer ein großes Wort. Aber wenn HIV-positive Menschen viele Jahre ohne Tabletteneinnahme ihr Virus kontrollieren könnten und dann HIV so etwas wäre wie maximal eine Herpesinfektion, das wäre schon ein riesiger Schritt. Deswegen sollte man auch das als Ergebnis der Heilungsforschung betrachten, obwohl es im eigentlichen Sinne keine Heilung ist. Ich glaube aber, eine solche funktionelle Heilung wird eher erreichbar sein als eine vollständige Elimination. Daneben gibt es natürlich immer noch die Fälle wie den Berlin-, London- oder Düsseldorf-Patienten, Menschen, die gleichzeitig auch eine hämatoonkologische Erkrankung haben und durch eine spezielle Behandlung einschließlich Knochenmarktransplantation die HIV-Erkrankung geheilt werden konnte. Hierfür gibt es inzwischen ein europaweites Register, wo all diese Fälle gesammelt werden, mit einem gemeinsamen Protokoll, um zu lernen. Das finde ich ganz hervorragend. Aber das ist keine Heilungsforschung, die für jeden HIV-Patienten sinnvoll ist, weil bei der Behandlung der hämatoonkologischen Grunderkrankung völlig andere Begleitumstände eine Rolle spielen und schwere, mitunter tödliche Nebenwirkungen auftreten können. Es ist also forschungsmäßig interessant, aber keine Methode, die für HIV-Pa tienten als generelle Therapie geeignet wäre. Wichtig ist nur zu zeigen, das es geht und Erfahrungen zu sammeln. Wenn Sie nach dem „großen Durchbruch“ fragen, kann ich nur sagen, schaut man sich die Paper der letzten Jahre zu diesem Thema genau an, ist es erstaunlich, was man inzwischen alles weiß, wie eine Heilung aussehen könnte. Da ist eine ganze Menge passiert. Richtig ist, wir haben die Heilung noch nicht, und ich würde mich sogar festlegen, wir werden sie auch in nächster Zeit noch nicht haben. Aber es gibt enorme Wissenssprünge, die nahelegen, dass wir uns den Antworten in Bezug auf viele verschiedene Fragestellungen sehr stark genähert haben. Ein großer Fortschritt ist z. B. dass wir zumindest schon einmal verstanden haben, warum es nicht geht und was wir brauchen, um eine solche funktionale Heilung, wie ich sie eben beschrieben habe, zu erreichen. Es gibt sensationelle Studien beispielsweise zu breit neutralisierenden Antikörpern. Wenn ich einen solchen finde, der lange eine Kontrolle gewährleistet, wäre die Frage, kann ich den nicht auch durch eine bestimmte Impfstrategie erzeugen. Das wäre ein weiteres Beispiel, wie wir CONFERENCES 11

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