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Leseprobe CONNEXI Diabetes Adipositas Ausgabe 9-2019

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DIABETESTHERAPIE ZU

DIABETESTHERAPIE ZU HAUSE Risikofaktor Patient Symposiumsbericht ©Shutterstock / Proxima Studio Eine chronische Krankheit wie Diabetes erfordert eine besonders enge Zusammenarbeit im Arzt-Patienten- Verhältnis. Der Therapieerfolg hängt davon ab, wie gut die Patienten die Krankheit in ihr Leben integrieren und Behandlungsempfehlungen umsetzen, ohne sich komplett vom Diabetes beherrschen zu lassen. Gefragt sind seitens der Patienten eine Akzeptanz der Krankheit – die nach heutigem Wissensstand immer noch unheilbar ist und sie ihr Leben lang begleiten wird – und genügend Interesse, um physiologische Abläufe zu verstehen. Behandelnde Ärzte müssen sich Zeit nehmen, um therapeutische Empfehlungen immer wieder zu überprüfen und anzupassen. EDUCATION Privatdozent Dr. Matthias Frank, Chefarzt im Diakonie Klinikum Neunkirchen, sprach über das Thema „Was will der Patient?“. Eigentlich ganz einfach: Der Patient will so viel Normalität wie möglich und im optimalen Fall leben wie Menschen ohne Diabetes. Aber genau das ist leider nicht möglich, denn bisher kennt die Medizin kein Mittel, um eine gesunde Funktion der Bauchspeicheldrüse wiederherzustellen. Für die Patienten kommt es also darauf an, sich mit ihrer Krankheit zu arrangieren, sie in ihr Leben zu integrieren und so viel wie möglich darüber zu wissen. Schulungen sind für Diabetiker zwar vorgesehen, aber nicht alle erhalten tatsächlich eine. Man muss sich natürlich auch fragen, ob eine einzige Schulung nach der Diagnose wirklich ausreicht. Aufgabe der Ärzte ist es, die Patienten zu entlasten und nicht zusätzlich zu belasten. Gefragt sind keine Vorwürfe (z. B. bei mangelhafter Therapietreue), sondern Lösungsvorschläge. Gelingt es, den Patienten zum Behandlungspartner zu machen, der die Verantwortung nicht vollkommen auf den Arzt abschiebt, dann bessert sich auch die Chance auf Therapietreue. Ein Onlineportal wie TheraKey® Diabetes bietet ihm die Möglichkeit, wissenschaftlich abgesicherte und immer aktuelle Informationen rund um das Thema Diabetes zu erhalten. Erfahrungen aus der Praxis Dr. Andreas Lueg, niedergelassener Diabetologe aus Hameln, berichtete über seine Erfahrungen aus der Praxis. Wie lässt sich die Therapietreue verbessern? Durch Kommunikation, so die wichtigste Botschaft. Dazu gehören auch gezielte Fragen. Leider sind viele Patienten nicht gut informiert. So antworten manche auf die Arztfrage „Haben Sie hohen Blutdruck?“ mit „Nein“ – obwohl sie zum Beispiel drei Antihypertensiva nehmen, die ihren Blutdruck normalisieren. Aus dem Blickwinkel der Patienten bedeutet das: Ihr Blutdruck ist jetzt normal, also haben sie keinen Hochdruck (mehr). Gesprächsbedarf Das Vertrauensverhältnis Arzt/Patient wird gestärkt, wenn die Patienten sich gut informiert fühlen. Luegs Beispiel ist ein Arzneimittel mit Durchfall als häufiger Nebenwirkung. Wenn der 40

DIABETESTHERAPIE ZU HAUSE Arzt das gleich bei der Verordnung erwähnt, wird der Patient beim Auftreten solcher Durchfälle nicht überrascht sein und die Behandlung fortführen. Bei einer lebenslangen Erkrankung wie Diabetes, so Lueg, können sich Verordnungen immer wieder ändern. Denn zum einen kommen neue Arzneimittel auf den Markt und neue Erkenntnisse zu älteren Arzneimitteln erweitern oder verändern die Indikationen. Zum anderen wird der Patient älter und/oder Komorbiditäten machen neue Therapiekonzepte notwendig. Bei solchen Therapieänderungen aber sind wieder Fragen nötig. So berichtete Lueg von einem Patienten, der nach Verordnung eines SGLT2-Hemmers eine schwere Pilzdermatitis im Genitalbereich entwickelte. Das ist zwar eine bekannte Nebenwirkung, die sich aus der Glukosurie erklärt. Aber in diesem besonderen Fall hatte der Patient nicht erwähnt, dass er unter einer Harninkontinenz litt und ständig Vorlagen tragen musste. Unter diesen Umständen hätte man das Medikament nicht verordnet. „Seitdem frage ich bei allen Patienten ganz gezielt nach, ob sie eine Harninkontinenz haben“, meinte Lueg. Bessere Adhärenz durch Fixkombinationen Die Medikamentenadhärenz kann gesteigert werden, wenn man die Zahl der einzunehmenden Medikamente verringert. Dabei sind fixe Kombinationen hilfreich. Am Anfang der Diabetestherapie stehen meist Lebensstilanpassung und frühzeitig Metformin. Aber oft warten Ärzte zu lange mit der Gabe eines zusätzlichen Medikaments, wenn diese Behandlung den HbA1c-Zielwert nicht erreicht. Bei der Wahl des zusätzlichen Arzneimittels gibt es verschiedene Optionen, die je nach den individuellen Patientenbedürfnissen ausgewählt werden. Im Falle von Sitagliptin besteht hier die Option, statt des Metformins plus Sitagliptin eine fixe Kombination aus Sitagliptin plus Metformin zu verordnen. Der Patient nimmt dann keine zusätzlichen Tabletten, sondern nur andere. Insulintherapie: Bessere Verfügbarkeit durch doppelte Konzentration Dr. Winfried Keuthage, Diabetologe aus Münster, erläuterte am Beispiel von hochkonzentriertem Mahlzeiteninsulin den Einfluss der optimierten Applikationsform auf die Medikamentenwirkung. In einer offenen, randomisierten Vergleichsstudie im Crossover-Design wurde Insulin lispro 100 E/ml direkt verglichen mit Insulin lispro 200 E/ml. Beide Insuline wurden mit dem passenden Pen subkutan injiziert. Unter der Therapie mit dem höher konzentrierten Präparat verbesserte sich der HbA1c-Wert signifikant und die Patienten erlebten weniger Hypoglykämien. Es stellte sich heraus, dass die erleichterte Injektion durch den besonders leichtgängigen Pen und das kleinere Injektionsvolumen den Unterschied machten. Viele Patienten berichteten, sie hätten es mit diesem System erstmals geschafft, tatsächlich die volle Dosis zu injizieren. Dies traf besonders auf ältere Menschen zu, die wenig Kraft in den Händen hatten. Die Injektion eines kleineren Volumens hat noch weitere Vorteile: Da sich Insulin unter der Haut flächig ausbreitet, bedeutet eine kleinere Injektionsmenge auch weniger Überlappung der Injektionsbereiche. Die Rotation der Einstichstellen fällt so leichter, und es entwickeln sich weniger Lipohypertrophien. Nicht zuletzt reicht eine Pen-Füllung doppelt so lange; das bedeutet weniger Zuzahlung für die Patienten. Die Umstellung auf das hochkonzentrierte Insulin fällt leicht: Die Patienten stellen am Pen die Insulineinheiten ein und nicht das Volumen. Berichterstattung: Dr. med. Friederike Günther Quelle: Symposium „Diabetestherapie Zuhause – Risikofaktor Patient“ am 30.05.2019 in Berlin anlässlich des Deutschen Diabeteskongresses (Veranstalter: BERLIN-CHEMIE AG) EDUCATION 41

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