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Leseprobe CONNEXI Nephrologie Dialyse Transplantation Ausgabe 1-2020

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PULSWELLENANALYSE

PULSWELLENANALYSE CONFERENCES [4]. Die Diskrepanz dieser Ergebnisse ist nicht klar, vermutlich beruht sie auf Unterschieden in den untersuchten Patientenpopulationen. Der Anstieg der Pulswellengeschwindigkeit bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ist neben dem Alter insbesondere auch vom Blutdruck abhängig [5]. Assoziation von Gefäßsteifigkeit und Progression einer chronischen Nierenerkrankung Eine Diskrepanz zeigt sich auch bei der Untersuchung des Effekts einer erhöhten Pulswellengeschwindigkeit auf die Inzidenz bzw. Progression einer chronischen Nierenerkrankung. Während ein solcher beispielsweise von Weber et al. [4] beobachtet wurde, ließ er sich in anderen Untersuchungen nicht zeigen [6, 7]. In den beiden letztgenannten Studien war dagegen der Pulsdruck mit einer Progression der Nierenerkrankung assoziiert. Des Weiteren wurde ein Zusammenhang zwischen Pulswellengeschwindigkeit und Ausmaß einer Protein urie gesehen [8]. Assoziation der Gefäßsteifigkeit mit anderen klinischen Phänomenen bei chronischer Niereninsuffizienz In einer Untersuchung der kognitiven Funktion anhand des MoCA-Tests (Montreal Cognitive Assessment) an ca. 200 Dialysepatienten wurde auch nach Korrektur für Alter, Bildungsstand, Diabetes mellitus und Hypercholesterinämie (jedoch nicht Hypertonus) bei Patienten mit kognitiven Einschränkungen eine signifikant höhere Pulswellengeschwindigkeit gemessen [9]. Gefäßsteifigkeit als Prädiktor der Mortalität bei CKD? Eine Reihe von Studien zeigt bei Dialysepatienten eine Assoziation von Pulswellengeschwindigkeit und Gesamtmortalität bzw. kardiovaskulärer Sterblichkeit [8]. In einigen Untersuchungen wurde nicht für den Blutdruck korrigiert [10], in anderen zeigte sich dieser Effekt auch unabhängig vom Blutdruck [11], während in weiteren Studien nach Adjustierung für relevante Risikofaktoren kein unabhängiger Effekt der Pulswellengeschwindigkeit auf diese Parameter gesehen wurde [12, 13]. Lässt sich die Gefäßsteifigkeit bei CKD-Patienten verbessern? In einer relativ kleinen Gruppe von Dialysepatienten konnte gezeigt werden, dass sich durch ein Reha-Training von 2 x eine Stunde pro Woche innerhalb von drei Monaten die Gefäßsteifigkeit signifikant verbessern lässt, dass diese allerdings nach Pausieren des Trainings bereits innerhalb eines Monats wieder auf das Ausgangsniveau zurückgeht [14]. Des Weiteren konnte für eine Reihe von Medikamenten, insbesondere Antihypertensiva wie ACE-Hemmer und Sartane, selektive Betablocker (nicht jedoch nichtselektive Betablocker) und Kalziumantagonisten eine Abnahme von Pulswellen-Geschwindigkeit und Augmentations- Index gezeigt werden [15]. Kernaussagen • Die Pulswellengeschwindigkeit, ein wesentlicher Parameter einer Pulswellenanalyse, ist bei CKD-Patienten im Vergleich zu Nierengesunden erhöht, eine erhöhte Pulswellengeschwindigkeit ist unter anderem mit der Progression einer Nierenerkrankung und einer erhöhten Mortalitätsrate assoziiert. • Multivariate Analysen in einer Reihe von Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein erhöhter Blutdruck, speziell auch Pulsdruck, einen 54

PULSWELLENANALYSE Priv.-Doz. Dr. med. Clemens Grupp cgrupp@gwdg.de bedeutsamen Effekt auf die vorgenannten Parameter hat. • Eine erhöhte Pulswellengeschwindigkeit scheint sich zum Beispiel durch körperliches Training sowie medikamentöse Maßnahmen, insbesondere eine antihypertensive Therapie speziell unter Einbeziehung einer RAS-Blockade, bessern zu lassen. Referenzen 1. Foley RN, Parfrey PS, Sarnak MJ. Clinical epidemiology of cardiovascular disease in chronic renal disease. Am J Kidney Dis 1998; 32(5 Suppl 3): S112–9. 2. Shinohara K, Shoji T, Tsujimoto Y et al. Arterial stiffness in predialysis patients with uremia. Kidney Int 2004; 65(3): 936–43. 3. London GM. Arterial stiffness in chronic kidney disease and end-stage renal disease. Blood Purif 2018; 45(1–3): 154–8. 4. Weber T, Ammer M, Gunduz D et al. Association of increased arterial wave reflections with decline in renal function in chronic kidney disease stages 3 and 4. Am J Hypertens 2011; 24(7): 762–9. 5. McIntyre NJ, Shardlow A, Fluck RJ et al. Determinants of change in arterial stiffness over 5 years in early chronic kidney disease. Nephrol Dial Transplant 2019 [Epub ahead of print]. 6. Kim CS, Kim HY, Kang YU et al. Association of pulse wave velocity and pulse pressure with decline in kidney function. J Clin Hypertens (Greenwich) 2014; 16(5): 372–7. 7. Sedaghat S, Mattace-Raso FU, Hoorn EJ et al. Arterial stiffness and decline in kidney function. Clin J Am Soc Nephrol 2015; 10(12): 2190–7. 8. Townsend RR. Arterial stiffness in CKD: A review. Am J Kidney Dis 2019; 73(2): 240–7. 9. Angermann S, Baumann M, Wassertheurer S et al. Pulse wave velocity is associated with cognitive impairment in hemodialysis patients Clin Sci (Lond) 2017; 131(13): 1483–93. 10. Verbeke F, Van Biesen W, Honkanen E et al. Prognostic value of aortic stiffness and calcification for cardiovascular events and mortality in dialysis patients: outcome of the calcification outcome in renal disease (CORD) study. Clin J Am Soc Nephrol 2011; 6(1): 153–9. 11. Pannier B, Guerin AP, Marchais SJ et al. Stiffness of capacitive and conduit arteries: prognostic significance for endstage renal disease patients. Hypertension 2005; 45(4): 592–6. 12. Otsuka K, Nakanishi K, Shimada K et al. Ankle-brachial index, arterial stiffness, and biomarkers in the prediction of mortality and outcomes in patients with end-stage kidney disease. Clin Cardiol 2019; 42(7): 656–62. 13. Tripepi G, Agharazii M, Pannier B et al. Pulse wave velocity and prognosis in end-stage kidney disease. Hypertension 2018; 71(6): 1126–32. 14. Mustata S, Chan C, Lai V et al. Impact of an exercise program on arterial stiffness and insulin resistance in hemodialysis patients. J Am Soc Nephrol 2004; 15(10): 2713–8. 15. Liu M, Li GL, Li Y et al. Effects of various antihypertensive drugs on arterial stiffness and wave reflections. Pulse (Basel) 2013; 1(2): 97–107. Priv.-Doz. Dr. med. Clemens Grupp Medizinische Klinik III Zentrum Innere Medizin Klinikum Bamberg Bugerstraße 80, 96049 Bamberg CONFERENCES 55

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