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Leseprobe CONNEXI Schmerz Palliativmedizin Ausgabe 8-2019

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medizinisches Fachmagazin über Schmerz und Palliativmedizin, für Ärzte, mit retrospektiven Berichten vom Fachkongressen: Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2019

PERIOPERATIVE

PERIOPERATIVE SCHMERZTHERAPIE Alle Hausaufgaben gemacht? Uwe Junker, Remscheid © Shutterstock/Medicine R Mehr als 80 % der Patienten erfahren nach einer Operation akute postoperative Schmerzen. Diese werden von der Intensität zwischen moderat über schwer bis extrem bewertet. Durch eine inadäquate Schmerzkontrolle kommt es zu Einbußen der Lebensqualität und auch zu einer Risikoerhöhung postoperativer Komplikationen. Auf diese Zustände verweist die American Pain Society im Februar 2016 [1]. Meißner et al. stellten in einer Analyse des weltweit größten Schmerzregisters (QUIPS) aus den Jahren 2011–2014 ebenfalls fest, dass es auf dem Gebiet der postoperativen Schmerztherapie einen erheblichen Optimierungsbedarf gibt, um die Versorgungssituation der Patienten zu verbessern [2]. CONFERENCES Eine praktikable Lösung zur Verbesserung dieser Situation ist die konsequente Implementierung eines standardisierten, pragmatischen perioperativen Schmerzmanagements in den klinischen Alltag einer jeden operativen Fachdisziplin [3]. Dieses sollte evidenzbasiert und leitliniengerecht sein. Mindeststandards eines solchen Konzepts sind: •• Schmerzmessung mindestens einmal pro Schicht, •• Dokumentation der Schmerzmessung und -intensität in der Tageskurve, •• Evaluierung des Erfolgs oder Misserfolgs der durchgeführten Schmerztherapie und der daraus gegebenenfalls abgeleiteten geänderten Therapiestrategie, •• Multimodalität der Schmerztherapie und interprofessionelle Zusammenarbeit, Diese sollten jeweils in SOPs geregelt sein. Besondere Patientengruppen und/oder operative Situationen bedürfen darüber hinaus separater Standards. Schmerzmessung Grundlage jeder Schmerztherapie ist die Schmerzmessung, und zwar vor und nach der Intervention. Sie kann mit verschiedenen Werkzeugen erfasst werden. Numerische Rating-Skala Am geläufigsten ist die Erfassung der Schmerzintensität mit der numerischen Rating-Skala (NRS). Hiermit beurteilt der Patient seine Schmerzen als Werte zwischen 0 und 10, von keinen Schmerzen bis stärkste vorstellbare Schmerzen (Abbildung 1). Kindern unter zehn Jahren und alten Menschen fällt allerdings die Zuordnung ihrer empfundenen Schmerzstärke zu einer konkreten Zahl schwer. Daher empfiehlt sich für diese Patientengruppen die Verwendung einer kombinierten Skala mit Smileys auf der Vorder- und diesen direkt zugeordneten Zahlenwerten auf der Rückseite. Durch die breite Verwendung solcher „Emoticons“ in 12

PERIOPERATIVE SCHMERZTHERAPIE weiterer Merkmale nach Punkten bewertet. Je Gruppe werden drei Intensitäten mit 0 bis 2 Punkten bewertet. Die Summe aller Gruppenpunkte ergibt die maximale Punktzahl von 10. Bei einer Summe von 4 Punkten oder höher ist eine analgetische Intervention angebracht. © Phanie/Your Photo Today Abbildung 1: Mit der Schmerzskala (numerische Rating-Skala; NRS) beurteilt der Patient seine Schmerzen als Werte zwischen 0 und 10 von keinen Schmerzen bis stärkste vorstellbare Schmerzen. Behavioral Pain Scale Die Behavioral Pain Scale (BPS; verhaltensbezogene Schmerzskala) ist ein Instrument, mit dessen Hilfe Schmerzen bei nicht kommunikationsfähigen, beatmeten Patienten eingeschätzt werden. Die Einschätzung erfolgt auf Grundlage der Beobachtung von drei Parametern (Gesichtsausdruck, obere Ex tremität, Adaption an das Beatmungsgerät), die mit je einem Punktwert von 1 bis 4 bewertet werden (Tabelle 1). Für die Gesamtbeurteilung werden die Punktwerte der drei einzelnen Kategorien addiert. Der minimale Punktwert von 3 entspricht keinen Schmerzen, und der maximale Wert von 12 demnach stärksten Schmerzen. Die Werte von 4–5 leichten, 6–8 mittelstarken und 9–12 starken Schmerzen. Die Schmerzmessung muss angemessen häufig stattfinden, nämlich Messenger-Diensten wie WhatsApp sind Akzeptanz und Validität dieser Kombinationsskala in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Kindliche Unbehagens- und Schmerz-Skala Die kindliche Unbehagen- und Schmerzskala nach Büttner (KUSS) dient der postoperativen Schmerzmessung bei Kindern vom Neugeborenenalter bis zur Vollendung des vierten Lebensjahrs. Sie ist auch geeignet für mehrfachbehinderte Patienten und solche mit Sprach- und Verständnisschwierigkeiten. In der KUS-Skala werden die fünf Merkmale Weinen, Gesichtsausdruck, Rumpfhaltung, Beinhaltung, mo torische Unruhe gruppenweise beobachtet und ihre Intensität aufgrund Tabelle 1: Parameter, die in der BP-Skala bewertet werden. Gesichtsausdruck 1. entspannt 2. teilweise angespannt (heruntergezogene Augenbraue) 3. stark angespannt (geschlossene Augenlider) 4. Grimassieren Obere Extremität 1. keine Bewegung 2. leichtes Beugen 3. komplexes Beugen mit Flexion der Finger 4. angezogene Extremitäten, wehrt sich gegen therapeutische und pflegerische Maßnahmen Adaption an Beatmungsgerät 1. toleriert Beatmung 2. toleriert Beatmung die meiste Zeit, hustet aber 3. Beatmung nur teilweise möglich, Adaption an das Beatmungsgerät gelingt nur mangelhaft. (Patient „kämpft“ gegen das Beatmungsgerät). 4. kontrollierte Beatmung ist nicht möglich CONFERENCES 13

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