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Leseprobe CONNEXI Schmerz Palliativmedizin Ausgabe 8-2019

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medizinisches Fachmagazin über Schmerz und Palliativmedizin, für Ärzte, mit retrospektiven Berichten vom Fachkongressen: Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2019

ICH BILDE MIR DEN

ICH BILDE MIR DEN SCHMERZ DOCH NICHT EIN Fazit CONFERENCES Gefühle Vergangenheit/Kindheit Unfälle/Krankheit Nahtoderlebnis Familiäre Probleme Wille Gedanken Tun Starker Wille 1.000 Gedanken 250 % sein Abbildung 2: Die biopsychosoziale Muskelspannung. Die Investition in eine gute Gesprächsführung lohnt nicht nur für den Schmerzpatienten. So zeigt eine Studie [24], dass für Ärzte mit einer hohen Gesprächskompetenz: •• die subjektive Belastung durch die Krankheit ihrer Patienten geringer ist, •• die Stressbelastung durch den Beruf als niedriger empfunden wird, •• die berufliche Zufriedenheit wächst und •• die Neigung zu Depressionen, Ängsten und Suizidalität (bei Ärzten überdurchschnittlich hoch) abnimmt. Schriftliches Material kann den Informationsauftrag des Arztes unterstützen [25–27]. Eine nicht unerhebliche Zahl von Veröffentlichungen ist allerdings hinsichtlich ihres Informationsgehaltes kritisch zu bewerten [28]. Über 20 % der chronisch Schmerzkranken nutzen inzwischen das Internet als Informationsquelle [1, 29]. Laiengerechte, neutrale und auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand aufgearbeitete Informationen zu Schmerz sind im Internet die Ausnahme. Hier hat die von der Deutschen Schmerzgesellschaft unterhaltene „Patienteninformation“ eine Vorbildfunktion (www.dgss.org/Patienteninformationen). Schmerzpatienten wünschen sich von ihrem Arzt neben menschlicher Anteilnahme auch klare, nachvollziehbare Informationen. Diese sind eine wichtige Ressource im Behandlungsprozess, denn erst sie öffnen dem Patienten die ganzheitliche Sicht des Phänomens „Schmerz“ und fördern damit die Nutzung aller ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Selbsthilfe, darüber hinaus reduzieren sie Missverständnisse, falsche Erwartungen und vorzeitige Therapieabbrüche. Dabei steht und fällt der therapeutische Erfolg unseres Tuns mit der Aufgabe, dem Patienten zu vermitteln, dass sich ein mündiger Patient nicht nur dadurch auszeichnet, dass er gelernt hat seine Rechte im Medizinsystem einzufordern, sondern auch die Bereitschaft zeigt, den aktiven Part im Gesundwerden zu übernehmen. Referenzen 1. Schaeffer D et al. Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland: Ergebnisbericht, Bielefeld: Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften. 2016. Verfügbar unter http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/ downloads/Ergebnisbericht_HLS-GER.pdf [Letzter Zugriff 8. Juli 2019]. 2. Dierks M L et al. Patientensouveränität – Der autonome Patient im Mittelpunkt. Arbeitsbericht Nr. 195 der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg. Stuttgart, 2001. 3. Bundesministerium für Gesundheit. Patientenrechtegesetz. Verfügbar unter http://www.bmg.bund.de./ glossarbegriffe/p-q/patientenrechtegesetz.html. [Letzter Zugriff 23. November 2015]. 4. Deveugele M, Derese A, van den Brink-Muinen A et al. Consultation length in general practice: cross sectional study in six European countries. BMJ 2002; 325(7362): 472. 5. Glier B. Chronischen Schmerz bewältigen, Leben lernen 153, Klett-Cotta, 2002. 6. Engers A, Jellema P, Wensing M et al. Individual patient education for low back pain. Cochrane Database Syst Rev 2008; (1): CD004057. 7. Moseley GL, Nicholas MK, Hodges PW. A randomized controlled trial of intensive neurophysiology education in chronic low back pain. Clin J Pain 2004; 20(5): 324–30. 34

ICH BILDE MIR DEN SCHMERZ DOCH NICHT EIN Dipl.-Psych. Hans-Günter Nobis gnobis@gmx.de 8. Moseley GL. Evidence for a direct relationship between cognitive and physical change during an education intervention in people with chronic low back pain. Eur J Pain 2004; 8(1): 39–45. 9. Schmidt CO, Chenot JF, Pfingsten M et al. Assessing a risk tailored intervention to prevent disabling low back pain – protocol of a cluster randomized controlled trial. BMC Musculoskelet Disord 2010; 11: 5. 10. Bennett MI, Bagnall AM, José Closs S. How effective are patient-based educational interventions in the management of cancer pain? Systematic review and meta-analysis. Pain 2009; 143(3): 192–9. 11. Gräwe JS, Mirow L, Bouchard R et al. Einfluss präoperativer Patienteninformationen auf postoperative Schmerzen unter Berücksichtigung individueller Stressverarbeitung. Schmerz 2010; 24: 575–86. 12. AWMF (2010) Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz. Verfügbar unter http://www.kreuzschmerz.org/uploads/ tx_szleitlinien/nvl-007I_S3_Kreuzschmerz_2013-08.pdf. [Letzter Zugriff 24. Juli 2015]. 13. Gross DP, Ferrari R, Russell AS et al. A population-based survey of back pain beliefs in Canada. Spine (Phila Pa 1976) 2006; 31(18): 2142–5. 14. Briggs AM, Jordan JE, Buchbinder R et al. Health literacy and beliefs among a community cohort with and without chronic low back pain. Pain 2010; 150(2): 275–83. 15. Basler HD, Kröner-Herwig B. Psychologische Schmerztherapie bei Kopf- und Rückenschmerzen. Ein Schmerzbewältigungsprogramm zur Gruppen- und Einzeltherapie. 2. Aufl., Quintessenz, München, 1998. 16. Basler HD, Beisenherz-Hahn B. Chronische Kopf- und Rückenschmerzen. Psychologisches Trainingsprogramm – Trainerhandbuch. V&R-Verlag, Göttingen, 2001. 17. Egle UT, Zentgraf B. Mechanismenbezogene statt schulenspezifische psychosomatische Schmerztherapie. Psychiatrie & Neurologie 2009; 3: 18–23. 18. Flor H. Verhaltenstherapie bei chronischen Schmerzen. PiD 2005; 1 (6): 11–8. 19. Hildebrandt J, Pfingsten M, Franz C, Saur P, Seeger D. Göttinger Rücken-Intensiv-Programm (GRIP) – Das Manual. congress compact verlag, Berlin, 2003. 20. Goedhuys J, Rethans JJ. On the relationship between the efficiency and the quality of the consultation. A validity study. Fam Pract 2001; 18(6): 592–6. 21. Nobis HG. „Ich bilde mir den Schmerz doch nicht ein“ – Woran Edukationskonzepte scheitern können. In: Arbeitskreis Klinische Psychologie in der Rehabilitation BDP (Hrsg.) (Selbst-)Konzepte bei veränderten Lebensbedingungen. Dpv 2013: 19–37. 22. Dibbelt S et al. Patient-Arzt-Interaktion in der Rehabilitation: Gibt es einen Zusammenhang zwischen wahrgenommener Interaktionsqualität und langfristigen Behandlungsergebnissen? Rehabilitation 2010; 49 (5): 315–25. 23. Nobis HG, Pielsticker A. Information und Edukation des Patienten. In: Casser HR, Hasenbring M, Becker A, Baron R (Hrsg.): Rückenschmerzen und Nackenschmerzen. Springer, 2016. 24. Maguire P, Pitceathly C. Key communication skills and how to acquire them. BMJ 2002; 325: 697–700. 25. Burton AK, Waddell G, Tillotson KM, Summerton N. Information and advice to patients with back pain can have a positive effect. A randomized controlled trial of a novel educational booklet in primary care. Spine (Phila Pa 1976) 1999; 24(23): 2484–91. 26. Sawamura K, Ito H, Koyama A et al. The effect of an educational leaflet on depressive patients‘ attitudes toward treatment. Psychiatry Res 2010; 177(1–2): 184–7. 27. Nobis HG, Rolke R, Graf-Baumann T (Hrsg.) Schmerz – eine Herausforderung. Informationen für Betroffene und Angehörige. SpringerMedizin, 2016. 28. Butzlaff M et al. Informationsmaterial und -medien zur Prävention von Rückenschmerzen, Abschlussbericht der Bertelsmann-Stiftung. Verfügbar unter www.bertelsmannstiftung.de. 2003 29. Corcoran TB, Haigh F, Seabrook A, Schug SA. A survey of patients‘ use of the internet for chronic pain-related information. Pain Med 2010; 11(4): 512–7. Hans-Günter Nobis, Dipl.-Psych. Praxis für Psychotherapie Timmendorfer Straße 3, 33729 Bielefeld CONFERENCES 35

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