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Leseprobe CONNEXI Schmerz Palliativmedizin Ausgabe 8-2019

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medizinisches Fachmagazin über Schmerz und Palliativmedizin, für Ärzte, mit retrospektiven Berichten vom Fachkongressen: Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2019

WAS MACHT WO SINN? und

WAS MACHT WO SINN? und Erfahrungen in der Palliativversorgung verfügen. So müssen die leitenden Ärzte und Pflegekräfte nicht nur die Zusatzausbildung Palliativmedizin/-pflege, sondern auch eine sechsmonatige Erfahrung in der speziellen Palliativversorgung vorweisen können. •• Das Team muss über gute Netzwerkstrukturen zu den umliegenden Anbietern palliativer Versorgungsangebote (Hospiz, SAPV, Palliativstation etc.) verfügen. •• Das Team muss besonders ausgeprägtes Wissen und Haltung gegenüber Angehörigen haben und bezüglich Unterstützungsangeboten in der Region vernetzt sein. •• Im Team müssen koordinative Fähigkeiten des palliativen Case Managements vorhanden sein. •• Das Team muss über Kenntnisse im Advance Care Planning verfügen um gut der Aufgabe der vorausschauenden Behandlungsplanung gewachsen zu sein und den Patientenwillen stets zu ergründen und Gehör zu verschaffen. Fazit Zusammenfassend ist die palliative Mitversorgung durch einen Palliativdienst im Akutkrankenhaus aufgrund der unterschiedlichen Grundhaltungen herausfordernd. Oft ist es erforderlich, dass diese teilweise gegensätzlichen Ansätze gleichzeitig und parallel zueinander angewandt werden, was erfordert, dass sie gut miteinander im Alltag integriert werden. Palliativdienste können sowohl in Krankenhäusern mit als auch ohne Palliativstation sinnvoll eingesetzt werden. Kleinere Krankenhäuser können externe Palliativdienste beauftragen. Referenz 1. Gerhard Christoph. Palliativdienst – Handbuch zur Integration palliativer Kultur und Praxis im Krankenhaus. Ho grefe, Bern, 2017. Dr. med. Christoph Gerhard Abteilung für Palliativmedizin Katholisches Klinikum Oberhausen GmbH Wilhelmstraße 34, 46145 Oberhausen CONFERENCES 52

THERAPEUTISCHE OPTIONEN Übertherapie am Lebensende Matthias Thöns, Witten © Shutterstock/Soda_O Übertherapie ist definiert als eine medizinische Behandlung, die voraussehbar den Patienten mehr schädigt als nützt. Sie nimmt weltweit zu. Die Häufigkeit der Übertherapie wird in den USA mit 29 % angegeben, teilweise werden international auch 89 % erreicht [1]. Der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen bezeichnet Übertherapie als … „das zentrale medizinische und ökonomische Problem.“ Vergleichbares ist von der AWMF, dem Vorsitzenden des Gemeinsamer Bundesausschusses (GBA) Prof. Hecken wie auch einigen Ärztekammerpräsidenten zu vernehmen. Vielfach ist etwa eine zu aggressive Krebsbehandlung am Lebensende dokumentiert, bei jungen Patienten in den letzten 30 Lebenstagen zu ca. 75 %. Aber auch andere Verfahren werden kritisiert, wie die therapieziellose PEG-Anlage, Chemotherapie, die das Leben verkürzt, Bestrahlungsbehandlung kurz vor dem Tod, nutzlose Medikation und ineffektive Intensivtherapie am Lebensende. Als Ursachen gelten: ökonomische Fehlanreize, Wissenslücken, Fehlglauben von Patienten und Angehörigen, das Ungleichgewicht der Arzt-Patienten-Rolle, Angst vor Rechtsfolgen bei Unterlassen aller denkbaren Therapieoptionen. Viele Ärzte führen zu vielen Arztbesuchen, viele Intensivstationen führen zu vielen Intensivbehandlungen. Wenn Klinikkonzerne die Behandlungsausrichtung selbst bestimmen, gibt es ein Überangebot hochpreisiger Behandlungsverfahren (Katheterlabor, OP) und eine Unterversorgung an Palliativversorgung. Dies hat die Bertelsmann Stiftung etwa für Deutschland belegt. Die Auswertung einer großen deutschen Universitätsklinik zeigt [2|, dass Krebsbetroffene noch in den letzten Lebenstagen zuhauf Übertherapie erhalten. Chemotherapie, Dialyse, Operationen, Intensivbehandlung, ja sogar Wiederbelebungen fanden bei den sterbenden Krebskranken häufig statt. Die Chance letzterer das Krankenhaus überhaupt lebend zu verlassen, liegt deutlich unter 10 %, zum Großteil dann auch noch mit schwerem Hirnschaden. Etwa jeder dritte Krebspatient starb auf der Intensivstation. Krebsbetroffene haben grundsätzlich viele belastende Beschwerden, Ängste und Nöte, nicht erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien. Daher gilt zur Palliativversorgung das Konzept der early integration – eine frühzeitige Mitversorgung durch Palliativteams. Echte Palliativversorgung fand in der oben zitierten Studie bei weniger als 2 % der sterbenden Krebsbetroffenen statt – es müssten 100 % sein. Beatmungsmedizin ob in Klinik oder zuhause wird extrem hochpreisig vergütet. Die Versorgungskosten belaufen sich für Deutschland für häuslich versorgte Intensivpatienten auf ca. 4 Mrd. Euro. Die extreme Zunahme der Fälle in den letzten 10 Jahren um den Faktor 80 (!) ist ganz überwiegend auf Patienten mit Versagen der Beatmungsentwöhnung nach Akut-Intensivtherapie zurückzuführen (85 %!). Siebzig Prozent der so leidenden Patienten könnten erfolgreich zurück in ein eigenständiges Leben geführt werden [3]. Dann aber erlischt der Anspruch auf die ca. 20.000 Euro Intensivpflege CONFERENCES 53

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