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Leseprobe CONNEXI 2020-3 Infektiologie

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fachmagazin infektiologie, hiv, aids, hepatitis, corona, covid-19

SCHWANGERSCHAFT

SCHWANGERSCHAFT HIV-Therapie: Dolutegravir-haltige Regime wirksamer und sicherer als die bisherige Standard-Kombi CURRENT REPORT Im Rahmen der virtuell veranstalteten Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI) 2020, haben Forscher des IMPAACT-Netzwerks (International Maternal Pediatric Adolescent AIDS Clinical Trials) aktuelle Daten aus IMPAACT 2010 (VESTED-Studie) präsentiert. Die Ergebnisse dieser multinationalen Phase-III-Studie mit HIV-positiven Schwangeren zeigen, dass eine kombinierte ART unter Einbeziehung von Dolutegravir die HIV-Infektion besser kontrollieren kann als das bisher empfohlene Behandlungsregime und dass die Kombination aus Dolutegravir mit Emtricitabine/ Tenofoviralafenamid (DTG+FTC/TAF) zusätzlich die Outcomes der Schwangerschaft verbessern kann. Die VESTED-Studie (Virologic Efficacy and Safety of Antiretroviral Therapy Combinations with TAF/ TDF, EFV and DTG) wurde ab Januar 2018 unter der Federführung des US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Afrika, Amerika und Asien durchgeführt. 643 Frauen mit HIV (14.–28. Schwangerschaftswoche) erhielten randomisiert eine von drei Wirkstoffkombinationen zur Behandlung der HIV- Infektion: Die seit 2013 von der WHO empfohlene Standard-Kombination EFV/FTC/TDF (Efavirenz, Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil als Kombi- Tablette) oder Dolutegravir kombiniert mit FTC/ TAF bzw. mit FTC/TDF, jeweils als zwei Tabletten. Viruskontrolle Mit der bisherigen Standard-Kombination EFV/ FTC/TDF konnte bei 91 % der behandelten Frauen zum Zeitpunkt der Entbindung eine vollständige Unterdrückung des Virus erreicht werden. Unter den beiden Kombinationen mit Dolutegravir war das bei 98 % der Frauen der Fall. Bei zwei Neugeborenen (je einem aus den beiden Gruppen mit Dolutegravir-Kombination) wurde 14 Tage nach der Geburt eine HIV-Infektion nachgewiesen. Schwangerschafts-Outcomes In den Gruppen mit EFV/FTC/TDF und DTG + FTC/ TDF wurde bei einem Drittel der Frauen (33 %) eine Komplikation der Schwangerschaft beobachtet (nach der Definition dieser Studie Frühgeburten mit einem für die Schwangerschaftswoche zu niedrigem Geburtsgewicht oder Totgeburten). Unter der Kombination DTG + FTC/TAF traten nur bei einem Viertel der Frauen (24 %) solche Komplikationen auf. Neuralrohrdefekte wurden in der Studie nicht beobachtet. Alle drei Medikamentenkombinationen haben sich als sicher und effektiv erwiesen; unter der Kombination DTG + FTC/TAF wurden zusätzlich bessere Outcomes der Schwangerschaft beobachtet. WHO-Empfehlung aktualisiert Angesichts der Ergebnisse der VESTED-Studie hat die WHO im Juli 2019 ihre Empfehlungen zur ART in der Schwangerschaft aktualisiert und Dolutegravir in die Empfehlung aufgenommen. Die WHO empfiehlt Kombinationsbehandlungen mit Dolutegravir ausdrücklich als First-line-Therapie für alle HIV-positiven Menschen, auch im reproduktiven Alter sowie für Schwangere. Quellen: - Pressemeldung des NIAID vom 11.03.2020 https://www.niaid.nih.gov/news-events/newer-antihiv-drugs-safest-most-effective-during-pregnancy - Wissenschaftliche Publikation: L Chinula et al. CROI. March 11, 2020. http://www.natap.org/2020/CROI/ croi_224.htm - WHO-Empfehlung: https://www.who.int/hiv/pub/arv/ arv-update-2019-policy/en/ 34

CROI 2020 Nebenwirkungen unter ART Pavel Khaykin, Frankfurt am Main © Science Photo Library/Steve Gschmeissner, istockphoto/Shidlovski Trotz großer Fortschritte hinsichtlich der Verträglichkeit antiretroviraler Medikamente darf man potenzielle Nebenwirkungen einer ART nicht aus den Augen verlieren. Das Management von unerwünschten Wirkungen, u. a. in Bezug auf das Körpergewicht und verschiedene Organsysteme bleiben eine Herausforderung in der klinischen Praxis. Auf der CROI 2020, die im März als virtueller Kongress stattfand, wurden aktuelle Daten zu Studien, die das Thema Nebenwirkungen unter ART fokussierten, vorgestellt. Einige sind im Folgenden kurz zusammengefasst. Erkrankungsrisiken durch Gewichtsund Lipidanstiege Über tausend therapienaive Patienten aus Südafrika (davon 59 % weiblich) wurden in eine Phase-III-Studie (ADVANCE) randomisiert und über 96 Wochen mit TAF/FTC+DTG vs. TDF/FTC+DTG vs. TDF/FTC/EFV behandelt. Körpergewicht, Lipide, Glukose und Blutdruck wurden zu Beginn und zur Woche 48 zur Berechnung der kardiovaskulären Risiken und Typ-2-Diabetes-Risiken erhoben (Framingham Score, QRISK- und QDIABETES). Die Behandlung mit TAF/FTC+DTG führte zu größeren Gewichts- und Lipidanstiegen als TDF/ FTC+DTG. Das Risiko, an Diabetes zu erkranken war in der Gruppe von TAF/FTC+DTG höher im Vergleich zu TDF/FTC+DTG, allerdings nicht das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen [1]. CONFERENCES 35

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