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Leseprobe CONNEXI-2021-02 AIDS COVID-19 Infektiologie

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Magazin über Gesundheit, Medizin, Therapien

THE STORY BEHIND® Das

THE STORY BEHIND® Das Mysterium der Spanischen Grippe Michael Kaplan, Edinburgh Die größte Pandemie der Menschheitsgeschichte begann kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges im März 1918 in den USA mit der Expansion einer ungewöhnlich schweren Grippe. „Camp Funston“ in Kansas war das geografische Zentrum der nationalen Kriegsanstrengungen – ein riesiger militärischer Komplex, in dem junge Männer aus dem ganzen Land zu Soldaten ausgebildet wurden, um dann nach Europa in den Krieg zu ziehen. Im Durchschnitt hielten sich an jedem beliebigen Tag mehr als 56.000 Mann im Lager auf, und die Infektion breitete sich rasend schnell aus. Nur drei Wochen nach dem allerersten Fall lagen tausende von Erkrankten im Lazarett und den Krankenhäusern der Umgebung. Amerika schickte im Ersten Weltkrieg anderthalb Millionen Soldaten an die Front. Sie waren ausgebildet, um zu töten – und doch brauchten sie dazu noch nicht einmal einen Schuss abzufeuern. Die Grippe, die sie aus ihrer Heimat mitbrachten, tauchte im Juni 1918 erstmals in einigen Durchgangslagern auf. Im Juli erkrankten die ersten britischen und französischen Soldaten, und im August erreichte die Grippe auch die Deutschen. Jede Bewegung von Menschenmassen im Krieg, und auch später aufgrund der Vereinbarungen des Friedensvertrags, eröffnete der Verbreitung des Virus neue Möglichkeiten. Während der zweiten Welle, zwischen September und Dezember 1918, forderte die Grippe-Pandemie in vielen Ländern gleichzeitig ihre Todesopfer – ob in Frankreich oder China, Südafrika oder Peru. Den irreführenden Namen „Spanische Grippe“ erhielt die Pandemie nur deswegen, weil es in Spanien keine Pressezensur gab. So waren die spanischen Zeitungen die einzigen, die über die Grippe und ihre tödlichen Auswirkungen offen berichten konnten. Die Opferzahlen waren unfassbar hoch: Letztlich tötete die Pandemie 50 Millionen Menschen, das waren 3 % der damaligen Weltbevölkerung. An der Grippe starben bis 1919 siebenmal mehr Menschen als im gesamten vorangegangenen Weltkrieg. Die Pandemie tötete mehr Menschen als die Schwarze Pest, mehr als Hitler, mehr als Stalin. In Europa starben an dieser Krankheit mehr Menschen als in allen Kriegen des 20. Jahrhunderts zusammen – und das in gerade einmal sechzehn Wochen. Warum haben wir das alles fast vergessen? Warum gibt es eigentlich keinen internationalen Gedenktag für diese weltweite Katastrophe? Ein Grund dafür könnte sein, dass die Todesopfer überwiegend junge Menschen waren – und junge Menschen wollen sich nicht mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Die Überlebenden waren entschlossen, den Horror der Vergangenheit möglichst schnell hinter sich zu lassen. Sie stürzten sich ins Vergnügen, wo es ging – die „Wilden Zwanziger“ waren eine Reaktion auf den Krieg und die Pandemie. EDUCATION Aber woran lag es, dass die Pandemie die üblichen Opfer von Infektionskrankheiten weitgehend verschonte, also die Alten und Schwachen? Es waren ja vor allem die jungen und gesunden Menschen, die an der Spanischen Grippe starben. Lag es an: 1. Erfahrungen aus der Vergangenheit? 2. Unterschiedlicher Exposition? oder 3. Medizinischer Intervention? Weitere spannende Storys über Medizingeschichte finden Sie auf unserer Website Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir ein connexi-Abonnement 2021 46

DAGNÄ-SYMPOSIUM Fallstrick Fixdosis-Festbetrag – wie Menschen mit HIV und deren Ärzte alleingelassen werden Matthias Stoll, Hannover © Adobe Stock/YK Die Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel werden in Deutschland nach der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) gebildet und reguliert. Für Patienten, deren Behandlerinnen und Behandler ist das Prozedere schwer nachzuvollziehen; oft werden sie, kommt es u. U. wegen Zuzahlungspflichten zu Notlagen, mit dem Problem alleingelassen. Wie z. B. Menschen mit HIV (Persons Living With HIV (PLWHIV)) bei der Zuzahlungspflicht für Tenofovir-Alafenamid/Emtricitabin. Bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde mit dem Gesundheitsreformgesetz Ende 1999 die Festbetragsregelung eingeführt. Diese sieht einen Höchstbetrag für bestimmte Arzneimittel vor, bis zu welchem von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) die Kosten übernommen werden (§ 35, SGB V). Dessen Festlegung erfolgt in einem dreistufigen Verfahren: 1. Der G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) definiert die Festbetragsgruppen und legt die Vergleichsgrößen fest. 2. Der GKV-Spitzenverband kalkuliert dafür die Festbeträge. 3. Das DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) veröffentlicht die Festbeträge. CONFERENCES 47

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