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Leseprobe CONNEXI AIDS Hepatitis Ausgabe 6-2019

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medizinisches Magazin über AIDS und Hepatitis für Fachärzte, Retrospektive vom Deutsch-Österreichischen AIDS Kongress DOEAK 2019 und der Münchner AIDS und Hepatitis Werkstatt 2019

INTERVIEW DAGNÄ AKTUELL

INTERVIEW DAGNÄ AKTUELL CONFERENCES nostizieren. Wir brauchen also eine Art „atmendes System“, um den regional unterschiedlichen Gegebenheiten vor Ort gerecht zu werden. Das TSVG sieht eine Evaluation der PrEP-Einführung vor. Das ist absolut positiv. Wird die dagnä in diesen Evaluationsprozess eingebunden sein? Wie können Sie sich da einbringen? R. Rüsenberg: Das Bundesgesundheitsministerium hat die gesetzlich vorgeschriebene PrEP- Evaluation im Mai öffentlich ausgeschrieben. Ziel ist, die Einführung der PrEP zu begleiten und die Wirkungen auf das Infektionsgeschehen wissenschaftlich zu erheben. Wir begrüßen diese Evaluation – und ja, wir haben, zusammen mit Partnern wie dem Robert Koch-Institut, unseren Hut in den Ring geworfen. Wir verfügen ja über einige Erfahrung in der HIV-Versorgungsforschung. Noch ist aber keine finale Entscheidung des Ministeriums erfolgt. Thema des Symposiums, das die dagnä beim DÖAK in Hamburg unterstützte, war „Versorgungsforschung und Gesundheitspolitik“. Welche Daten sind aktuell nutzbar, um politische Signale an Entscheidungsträger zu senden? R. Rüsenberg: Versorgungsforschung bringt optimalerweise nicht nur wissenschaftliche, sondern auch politikberatende Erkenntnisse: Auf dem DÖAK haben wir zu zwei dagnä-Forschungsprojekten berichtet: Zum einen zur kürzlich abgeschlossenen PROPHET-Studie, die repräsentativ für Deutschland Therapieerfolg und Krankheitskosten verschiedener Primärtherapiestrategien abbildet. Sie zeigt den Erfolg der ambulanten HIV- Schwerpunkt versorgung: Verbessertes medizinisches Outcome und gleichzeitig wirtschaftlicher Mitteleinsatz. Zum anderen läuft gegenwärtig die FindHIV-Studie, die bis 2021 das Phänomen Late Presenter eingehend untersuchen und Lösungsoptionen erarbeiten wird. Aber wir sind noch ganz am Anfang, die strategische Phase, in der es auch um Handlungsempfehlungen geht, kommt erst zu einem späteren Zeitpunkt. Das Forschungsprojekt wird durch den GKV-Innovationsfonds gefördert. Es handelt sich dabei um eine erneute Kooperation unter anderem mit dem Lehrstuhl für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen. Was gab und gibt es sonst noch Neues von der dagnä in Berlin zu berichten? R. Rüsenberg: Aktuell haben wir natürlich zunächst den traditionellen dagnä-Workshop „vor der Brust“ – zum mittlerweile 29. Mal, wie immer in Köln. Auch dort wird die PrEP eine Rolle spielen, aber nicht nur: Wie gewohnt, greift der dagnä-Workshop aktuelle Entwicklungen auf – an dieser Stelle seien nur einige Themen genannt: Was gibt es Neues bei HIV in Verbindung mit onkologischen Erkrankungen? Welche HIV-Strategien sind zukunftsträchtig? Was brachte die IAS 2019 in Mexiko? Was muss zum weiteren Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung geleistet werden? Die Arbeit der dagnä für eine Versorgung auf Höhe der Zeit ist facettenreich. Es gibt medizinische wie versorgungspolitische Herausforderungen, die uns beschäftigen: Wichtig wird sein, die qualitativ sehr gute Versorgung für HIV-Patienten in Deutschland zu sichern und weiterzuentwickeln. Vielen Dank für dieses Gespräch. Die Fragen stellte Elke Klug 26

HIV-SELBSTTESTS IN DEUTSCHLAND Vorbehalte ausgeräumt Michael Tappe, Berlin Seit fast einem Jahr sind HIV-Selbsttests nun auch in Deutschland legal erhältlich. Die Bedenken gegen die Freigabe waren vorher in Deutschland größer als in anderen Ländern. Deshalb gehörte Deutschland im Oktober 2018 zu den „Nachzüglern“, obwohl seit Jahren wissenschaftliche Belege für den Nutzen und auch für das Ausbleiben negativer Effekte vorlagen. Bereits 2012 wurde ein erster HIV-Selbsttest in den USA zugelassen, der noch mit Mundschleimhaut-Flüssigkeit (kein Speichel!) durchgeführt wurde. Obwohl dieser Test etwas kompliziert in der Anwendung und die Sensitivität nicht optimal ist, fand er schnell große Verbreitung z. B. in afrikanischen Ländern. Dort wurden auch einige Studien durchgeführt zur Anwendungssicherheit, Zuverlässigkeit und auch zu möglichen negativen sozialen oder psychischen Folgen. (siehe dazu http://www. hivst.org/) Allgemeines Fazit: Der HIV-Selbsttest motiviert Menschen, sich zu testen, er funktioniert, führt zu einem früheren Beginn der HIV-Therapie und es kommt kaum zu Krisen, Partnerkonflikten oder ähnlichem. „Lange Leitung“ In Europa fand dieser Selbsttest keine Verbreitung. Hier begann erst 2015 ein Umdenken, seit sehr gute HIV-Selbsttests auf Blutbasis (Kapillarblut aus der Fingerbeere) zur Verfügung stehen. Großbritannien und Frankreich waren die ersten, die HIV-Selbsttests nicht nur legalisierten, sondern auch massiv dafür warben. 2016 veröffentlichte die WHO „Guidelines on HIV self-testing and partner notification“ und bezeichnete HIV-Selbsttest als wichtiges Tool, um die globalen 90-90-90-Ziele zu erreichen. Im Oktober 2018 war es dann nach vielen Debatten auch in Deutschland endlich soweit. Das Gesundheitsministerium ging dann sogar einen konsequenten Schritt weiter als andere europäische Länder, gab den Verkauf von HIV-Selbsttests allgemein frei und beschränkte ihn nicht auf Apotheken. Es hat sich gelohnt Nun, fast ein Jahr danach kann eine erfreuliche Bilanz gezogen werden. • Der HIV-Selbsttest wird genutzt! In Deutschland sind drei HIV Selbsttests zugelassen. Mindestens 30.000 verkaufte HIV-Selbsttests CONFERENCES 27

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