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Leseprobe CONNEXI AIDS Hepatitis Ausgabe 6-2019

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medizinisches Magazin über AIDS und Hepatitis für Fachärzte, Retrospektive vom Deutsch-Österreichischen AIDS Kongress DOEAK 2019 und der Münchner AIDS und Hepatitis Werkstatt 2019

SHE – STRONG, HIV

SHE – STRONG, HIV POSITIVE, EMPOWERED WOMEN Ergebnisse des Selbsthilfe-Projekts für Frauen mit HIV Jelena Gillich, Ulla Clement-Wachter, Harriet Langanke, Annette Piecha, Ulrike Sonnenberg-Schwan, Köln Von den rund 86.000 Menschen mit HIV/AIDS in Deutschland waren nach Angaben des Robert Koch- Instituts Ende 2017 etwa 17.000 Frauen, was einen Anteil von 19,7 % ausmacht [1]. Ihnen bietet das SHE-Programm Möglichkeiten zur Vernetzung, Stärkung und Zusammenarbeit. CONFERENCES Frauen mit HIV leben oftmals isoliert, haben nicht immer Kontakt zu anderen Betroffenen und tragen dazu noch oft die Verantwortung für Kinder und die Familie. Nicht für alle sind die Angebote der meist vorrangig an Männern ausgerichteten Aidshilfen nutzbar. Dabei haben Frauen, die mit HIV leben, einen besonderen Bedarf an Vernetzung und Stärkung. SHE ist ein europaweites Programm für Frauen mit HIV. Der Name ist ein Akronym und steht für „Strong, HIV positive, Empowered Women“. 2012 startete das Programm in Deutschland und wird seit 2016 von der GSSG – Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit getragen. Das SHE-Konzept Das Programm nutzt hierzulande den in der Selbsthilfe bewährten Peer-to-Peer-Ansatz: Frauen mit HIV vermitteln anderen Frauen mit HIV ihr Wissen und bieten gegenseitige Unterstützung an − in kostenlosen und niedrigschwelligen Workshops, die in geschützten Räumen stattfinden, in denen die Frauen unter sich bleiben. Die Workshops werden bundesweit und stets in Kooperation mit HIV- Schwerpunktpraxen und -ambulanzen, Aidshilfen, Beratungsstellen oder Netzwerken für betroffene Frauen angeboten. Die Themen der Workshops orientieren sich am Bedarf der Teilnehmerinnen und betreffen Fragen, die die Frauen beschäftigen. Das reicht von der Therapie-Treue im Alltag über den Umgang mit Stigmatisierung im Gesundheitswesen bis zur Frage „Wie sag ich’s meinen Kindern?“. Zwölf Frauen, die offen mit HIV leben, wurden als SHE-Trainerinnen ausgebildet; aktive Trainerinnen werden fortlaufend qualifiziert und begleitet. Dazu nehmen sie mindestens einmal im Jahr an einer Train-the-Trainer-Fortbildung mit qualifizierten Referentinnen, unter ihnen auch HIV-Spezialistinnen, teil. Fachlich und beratend begleitet wird das Programm von der SHE-Faculty, die aus vier Frauen besteht. 42

Die Workshops werden mit Flyern, durch persönliche Ansprache und in den sozialen Medien beworben. Deutschlands einziges Fachmagazin für Frauen und Sexualität, die DHIVA, berichtet regelmäßig über die Entwicklung von SHE. Das Projekt selbst wie auch seine wissenschaftliche Begleitung präsentieren sich bei (inter-)nationalen Fach-Veranstaltungen und -Kongressen. Mithilfe eines Fragebogens, den die Teilnehmerinnen am Ende des Workshops ausfüllen, werden die Workshops evaluiert. Für 2016, 2017 und das erste Halbjahr 2018 hat eine Sozialwissenschaftlerin das Programm ausgewertet: Zwölf SHE-Trainerinnen haben seit 2016 bundesweit insgesamt 63 SHE-Workshops geleitet und so über 300 Teilnehmerinnen (Stand: Januar 2019) erreicht. Damit nahmen durchschnittlich fünf Frauen pro Workshop teil, mal zwei, mal zehn. Positives Feedback Der Evaluationsbericht 2017 bestätigt den positiven Einfluss von SHE auf die Teilnehmerinnen: Die große Mehrheit der Frauen gab an, sich durch die Teilnahme am Workshop in ihrem Umgang mit HIV gestärkt zu fühlen (97 % „ja“ und „eher ja“). Fast alle Teilnehmerinnen (94 %) sind zu den Workshops gekommen, weil sie sich dort mit anderen Frauen, die auch mit HIV leben, unter sich fühlen, sich in der vertrauensvollen Atmosphäre leichter öffnen können und über Themen sprechen konnten, über die sie sonst in ihrem Umfeld nicht sprechen können (90 %). Die SHE-Trainerinnen wirkten für die Teilnehmerinnen, in Bezug auf Themen zu HIV, erfahren und kompetent (97 % „ja“ und „eher ja“) und sorgten dafür, dass sich die Teilnehmerinnen während des SHE-Workshops wohl gefühlt haben (94 % „ja“ und „eher ja“). Die Ergebnisse zeigen, dass sich sowohl die Teilnehmerinnen als auch die Trainerinnen „em powert“, Für den guten Zweck Nach einer Initialförderung des pharmazeutischen Unternehmens Bristol-Myers Squibb von 2013 bis 2017 erhält das Projekt inzwischen Unterstützung von ViiV, Gilead und anderen Förderern. Spenden sind erwünscht und notwendig. also gestärkt und selbstsicherer im Umgang mit HIV fühlten. SHE-Workshops sind eine Besonderheit unter den derzeitigen Angeboten für Frauen mit HIV in Deutschland. Drei Faktoren zeigen, was das SHE-Programm besonders und unterstützenswert macht: 1. Peer-to-Peer: Hilfe zur Selbsthilfe für Frauen wirkt. 2. Lokale KooperationspartnerInnen: Frauen werden auch außerhalb traditioneller Settings erreicht. 3. Laufende Begleitung und Train-the-Trainer- Schulungen: Die Kompetenz des SHE-Teams ist gesichert. Quelle: 1. Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 47/2018 SHE-Programm c/o GSSG – Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit Jelena Gillich, Odenwaldstr. 72, 51105 Köln www.stiftung-gssg.org E-Mail: jelena.gillich@stiftung-gssg.org CONFERENCES 43

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