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Leseprobe CONNEXI AIDS Hepatitis Ausgabe 9-2018

ANALKARZINOM BEI

ANALKARZINOM BEI HIV-INFIZIERTEM MSM Follow-up in zwölf Monaten Zytologie Normal Abnormal ASCUS LSIL HSIL High risk- HPV HRA + Biopsie Normal AIN I Eventuell Therapie, Kontrolle in 3–6 Monaten Inadäquat Karzinom AIN II/III Karzinom Therapie, Kontrolle in 3–6 Monaten Abstrich wiederholen Chirurgie oder RTX/CTX ASCUS: Atypical squamous cells of undetermined significance LSIL: Low-grade squamous intraepithelial lesion HSIL: High-grade squamous intraepithelial lesion AIN: Anale intraepitheliale Neoplasie Abbildung 3: Vereinfachtes Screening-Schema bei HIV-positiven MSM. CONFERENCES vorgenommen. AIN-Läsionen können mit hoher Sensitivität (90 %), geringer Spezifität (19,2 %) und einem positiven Vorhersagewert von 41,6 % durch eine HRA diagnostiziert werden [2]. Neben der optischen Detektion von AIN-Läsionen können durch die HRA auch gezielt Biopsien genommen werden und gegebenenfalls in gleicher oder einer erneuten Sitzung thermisch ablative Therapien vorgenommen werden. Erste Erfahrungen mit einem Videoanoskop mit erweitertem Arbeitszugang, das wir bei bisher 40 Patienten angewendet haben, sind positiv und erweitern neben einer hohen Anwenderfreundlichkeit insbesondere das therapeutische Spektrum (Abbildungen 1−2). Nachteile der HRA sind der relativ hohe Zeitaufwand, die lange Lernkurve des Untersuchers und der hohe apparative Aufwand. Fazit und Ausblick Ein Präventionsprogramm zur Frühentdeckung des Analkarzinoms und/oder dessen Vorstufen ist aufgrund des gehäuften Vorkommens bei HIV-positiven MSM unbedingt notwendig. Bisher wurde im Sinne eines Stufenschemas (Abbildung 3) zunächst die zytologische Untersuchung durchgeführt und weiterführende Untersuchungen bei Nachweis eines pathologischen Zellmusters anberaumt. Neuerdings scheint auch der Nachweis eines high risk 22

ANALKARZINOM BEI HIV-INFIZIERTEM MSM HPV, insbesondere 16 und/oder 18 eine mögliche initiale Screeningmethode darzustellen, da diese Infektion wiederum mit einem hohen Prozentsatz mit dem Auftreten einer AIN in den Risikogruppen assoziiert ist [4, 5]. Eine Schlüsselposition in der erweiterten Diagnostik ist die hochauflösende Anoskopie (HRA), da hierdurch eine Läsionsdiagnostik mit bioptischer Bestätigung und gegebenenfalls eine Ablation bei HSIL durchgeführt werden. Unklar ist bisher, ob durch die thermische Zerstörung von HSIL die Entstehung des Analkarzinoms effektiv verhindert werden kann. Hierzu wird aktuell eine große Studie mit über 5.000 Patienten (Anchor-Studie) durchgeführt, die eine HSIL-Beobachtungsgruppe ohne Therapie mit einer HSIL-Beobachtungsgruppe mit Therapie in einem Fünf-Jahres-Follow-up vergleicht. Der Erfolg der Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung des Analkarzinoms und seiner Vorstufen ist, wie auch bei anderen Tumorentitäten, primär von der Teilnahmequote der Risikogruppe abhängig. Hierüber liegen in Deutschland keine Zahlen vor. In jedem Fall ist hier Aufklärungsarbeit durch die HIV-Behandler und Zentrumsbildungen mit der Vorhaltung von spezialisierten Untersuchern z. B. für die Zytologie und hochauflösender Anoskopie erforderlich. PD Dr. med. Hartmut Schäfer nc-schaefha39@netcologne.de Literatur: 1. Berry JM, Jay N, Cranston RD et al. (2014) Int J Cancer 134:1147−1155. 2. Gimenez F, Costa-E-Silva IT, Daumas A et al. (2011) Arq Gastroenterol 48:136−145. 3. Morency EG, Harbert T, Fatima N et al. (2018) Arch Pathol Lab Med 4. Pernot S, Boucheron P, Pere H et al. (2018) Br J Cancer 119:381−386. 5. Sambursky JA, Terlizzi JP, Goldstone SE (2018) Dis Colon Rectum 6. Scholefield JH, Castle MT, Watson NF (2005) Br J Surg 92:1133−1136. 7. Watson AJ, Smith BB, Whitehead MR et al. (2006) ANZ J Surg 76:715−717. Carlo Vivaldi carlo_vivaldi@hotmail.com PD Dr. med. Hartmut Schäfer 1 Carlo Vivaldi 1,2 1 Praxis für Enddarmerkrankungen und Endoskopie, Pan Klinik, Zeppelinstr. 1, 50667 Köln/Neumarkt- Galerie 2 KH der Augustinerinnen, Jakobstraße 27–31, 50678 Köln CONFERENCES 23

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