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Leseprobe CONNEXI Diabetes und Adipositas Ausgabe 4-2019

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SELTENE DIABETESFORMEN

SELTENE DIABETESFORMEN KIR6.2 SUR1 Sulfonylharnstoffe GLUT2 Glukose- Transporter Glukose K ATP Kanal Glukose-6- Phosphat Glukokinase Ca 2+ Membrandepolarisation K + ATP-Erhöhung Mg-ADP-Verminderung Erhöhung des intrazellulären Ca 2+ Spannungsabhängiger Ca 2+ -Kanal (L-Typ) Insulin Metabolismus Betazelle Abbildung 2: Darstellung der ATP-sensitiven K + -Kanälen bei der Insulin-Sekretion in der Betazelle [3]. CONFERENCES aktivierenden Mutationen in den ATP-sensitiven K + -Kanälen von Insulin auf Sulfonylharnstoffe (SU) umgestellt werden können [4]. Durch die SU-Gabe können die veränderten, mutierten und dadurch funktionslosen ATP-sensitiven K + -Kanäle wieder geschlossen werden. Dies führt zu einer Membrandepolarisation und Calcium-Einstrom in die Betazelle, welche dann entsprechend dem aktuellen Glukosewert wieder Insulin sezernieren kann. Die Arbeitsgruppe stellte fest, dass der Transfer von Insulin zu SU die Stoffwechseleinstellung ohne erhöhtes Risiko von Hypoglykämien verbessert. Gleichzeitig können SU die Blut-Hirn- Schranke passieren und die neurologische Symptomatik der betroffenen Kinder verbessern. Diese hochdosierte SU-Therapie wird sehr gut von den Kindern vertragen, sie ist sicher und im Langzeitverlauf sehr effektiv: Nach zehn Jahren sind von den untersuchten Patienten in einer internationalen Kohortenstudie 93 % insulinfrei [5]. In unserer Klinik behandeln wir die Kinder mit neonatalem Diabetes unter stationären Bedingungen direkt mit SU in rasch ansteigender Dosis, um möglichst eine Insulintherapie zu vermeiden. Dies 12

SELTENE DIABETESFORMEN wird dadurch ermöglicht, dass wir in der Regel innerhalb von zwei Wochen das Ergebnis des genetischen Befundes erhalten. Wichtig ist, dass die Kinder unter SU-Therapie keine Ketoazidose entwickeln, ausreichend trinken und kein Gewicht abnehmen. Sind die Kinder klinisch unter hochdosierter SU- Therapie nicht stabil und sprechen trotz nachgewiesener Mutation in einem ATP-sensitiven K + -Kanal auf die SU-Gaben nicht an, müssen sie mit Insulin behandelt werden, in der Regel mit einer Insulinpumpentherapie. Außerdem hat sich gezeigt, dass eine SU-Therapie von Manifestation an die neurologische und psychomotorische Funktion dieser Kinder deutlich verbessern kann [6]. SU-Rezeptoren sind im Gehirn und im Muskel weit verteilt. Untersuchungen 12–18 Monate nach Umstellung auf eine SU- Therapie haben gezeigt, dass es durch die Gaben von SU zu einer Verbesserung der motorischen Koordination, besonders bei jungen Kindern kommen kann. Außerdem sind Effekte auf die Funktionen spezifischer Hirnareale wie Kleinhirn und Thalamus, z. B. Klang, Gebärden, räumliche Integration, Lateralisation und visuelle Konstruktion nachzuweisen [6]. Fazit Tritt bei Kindern im Alter unter sechs Monate ein Diabetes auf, ist ein monogener Diabetes als Ursache sehr wahrscheinlich. Eine frühe Diagnosestellung verbessert die Therapie und hilft, das weitere Vorgehen besser zu planen. Ca. 50 % der Kinder mit einem neonatalen Diabetes haben einen transienten Verlauf. Die Diabetesrezidivrate dieser Kinder liegt bei ca. 50–60 %. Zirka 40 % der Kinder mit einem neonatalen Diabetes haben aktivierende Mutationen in den ATP-abhängigen K + -Kanälen, die zu einem permanenten Diabetes führen. Eine frühzeitige Therapie dieser Kinder mit Sulfonylharnstoffen kann die Stoffwechseleinstellung und das neurologische Outcome verbessern. Referenzen: 1. Forst T. Diabetes-Rundumblick: Epidemiologie, MODY- Diabetes und Interpretation von CGM-/FGM-Daten. Diabetes-Congress-Report 3/2018;12–18 2. Murphy R, Ellard S, Hattersley AT. Clinical implications of a molecular genetic classification of monogenic -cell diabetes. Nature Clinical Practice Endocrinology Metabolism 2008;200–213 3. Gloyn AL, Pearson ER, Antcliff JF et al. Activating mutations in the gene encoding the ATP-sensitive potassium channel subunit Kir6.2 and permanent neonatal Diabetes. NEJM 2004;350:1838–1849 4. Pearson ER, Flechtner I, Njolstad PR et al. Switching from Insulin to oral Sulfonylureas in patients with diabetes due to Kir6.2 mutations. NEJM 2006;355:467 –477 5. Bowman P, Sulen A, Barbetti F et al. Effectiveness and safety of long-term treatment with sulfonylureas in patients with neonatal diabetes due to KCNJ11 mutations: an international cohort study. Lancet Diabetes Endocrinol 2018;637–46 6. Beltrand J, Elie C, Busiah K et al. Sulfoylurea therapy benefits neurological and psychomotor functions in patients with neonatal diabetes owing potassium channel mutations. Diabetes Care 2015;2033–2041 Dr. Martin Holder Klinikum Stuttgart, Olgahospital Kriegsbergstr. 62, 70174 Stuttgart Dr. Martin Holder M.Holder@klinikum-stuttgart.de CONFERENCES 13

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