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Leseprobe CONNEXI Diabetes und Adipositas Ausgabe 4-2019

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TYP-1-DIABETES

TYP-1-DIABETES Medikamentöse Add-on-Behandlung zusätzlich zu Insulin Thomas Danne, Hannover empagliflozin canagliflozin dapagliflozin Typ-1-Diabetes zeichnet sich durch einen absoluten Insulinmangel aus, der durch Autoimmunzerstörung von -Zellen verursacht wird [1]. Seit 1922 ist Insulin die einzige zugelassene Therapie bei der Behandlung von Typ-1-Diabetes. Im Laufe der Jahre haben Verbesserungen des Insulins (z. B. rekombinante Formulierungen gegenüber Schweine- oder Rinderinsulin) in Verbindung mit Blutzuckerselbstkontrolle, Diabetesschulung und einer intensivierten Insulintherapie zu einer Verringerung der mikrovaskulären Langzeitkomplikationen mit verbesserter Prognose geführt [2, 3]. Das Risiko für frühzeitige Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist jedoch weiterhin erheblich erhöht [4]. Dabei erreichen auch in Deutschland immer noch über die Hälfte besonders der jüngeren Patienten nicht die Therapieziele und sind zudem durch Nebenwirkungen der Insulintherapie wie Hypoglykämien und Entwicklung von Übergewicht bedroht [3]. Es besteht also trotz aller Fortschritte weiterhin ein großer Bedarf an Therapieverbesserung beim Typ-1-Diabetes. CONFERENCES Wirkung der SGLT-Hemmer auch bei Typ-1-Diabetes Bislang war die Substanzgruppe der sogenannten SGLT2-Hemmer (z. B. Canagliflozin (Invokana®, Dapagliflozin (Forxiga®) oder Empagliflozin (Jardiance ®) zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes zugelassen. Dies sind blutzuckersenkende Wirkstoffe, die zu einer verstärkten Ausscheidung der Glukose über den Harn führen. Ihre Wirkungen sind im Unterschied zu anderen Antidiabetika von Insulin unabhängig. Die Effekte beruhen auf der Hemmung des Natrium-Glukose-Cotransporters 2 (SGLT2) an der Niere, welcher für die Wiederaufnahme der 14

TYP-1-DIABETES Niere Lumen des proximalen Tubulus Glukose Intestinales Lumen Dünndarm SGLT2 SGLT1 Blut Blut SGLT2-Hemmung reduziert Glukose-Reabsorption und senkt damit Blutglukose SGLT1-Hemmung verzögert Glukose-Absorption und reduziert postprandiale Glukose (PPG) Exkursionen Abbildung 1: Effekte einer SGLT-Hemmung bei Diabetes Glukose aus dem Harn in den Blutkreislauf verantwortlich ist. Schon seit Längerem wurde darüber nachgedacht, SGLT2-Hemmer auch bei Menschen mit Typ-1-Diabetes einzusetzen. Während SGLT2 wie bei den für Typ-2-Dia betes zugelassenen Me dikamenten für die Glukosereabsorption durch die Niere zuständig ist, hemmt Sotagliflozin lokal auch SGLT1, welches dort für die Glukoseabsorption im Magen-Darm-Trakt verantwortlich ist. Da beim Typ-1-Diabetes besonders auch die Blutzuckeranstiege nach dem Essen schwierig zu behandeln sind, könnte sich ein dualer SGLT1- und SGLT2- Hemmer bei dieser Patientengruppe besonders eignen. Schließlich ist SGLT1 ein wichtiger Transporter für die Absorption von Glukose und Galactose im Magendarmtrakt, und eine langsamere Zuckeraufnahme im Darm könnte einen besseren Blutzuckerverlauf bewirken (Abbildung 1) [5, 6]. Eine Tablette zusätzlich zum Insulin beim Typ-1-Diabetes ? Bereits 2017 hatten die ersten Forschungsergebnisse bei Erwachsenen für Aufsehen gesorgt. Inzwischen liegen vergleichbare Studienergebnisse für drei Substanzen vor (Tabelle) [7–12]. Mitte Februar 2019 titelte die europäische Zulassungsbehörde EMA in ihrer Presseerklärung: „Erste orale Zusatzbehandlung mit Insulin zur Behandlung bestimmter Patienten mit Typ-1-Diabetes“ [13]. Dabei ging es um den SGLT2-Hemmer Dapagliflozin. Dieser wurde inzwischen unter dem Markennamen Forxiga® 2019 in der EU für Typ-1-Diabetes zugelassen. Ende Februar 2019 wurde eine vergleichbare Empfehlung für Sotagliflozin (Zynquista®) ausgesprochen [14], und auch diese Substanz hat inzwischen die Zulassung für Diabetes Typ 1 CONFERENCES 15

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