Aufrufe
vor 2 Jahren

Leseprobe CONNEXI Diabetes und Adipositas Ausgabe 4-2019

  • Text
  • Connexi
  • Menschen
  • Deutschland
  • Kinder
  • Behandlung
  • Insulin
  • Therapie
  • Adipositas
  • Conferences
  • Patienten
  • Diabetes

NEUE AUFMERKSAMKEIT FÜR

NEUE AUFMERKSAMKEIT FÜR DIE NIERE CONFERENCES Die Hemmung des SGLT2 auf -Zellen des Pankreas fördert Glukagon-Hypersekretion, welche eine grundlegende Komponente der Ketoazidose ist. Durch vermehrtes Erscheinen von Natrium im distalen Tubulus (z. B. bei Therapie mit SGLT2-I) kann es über den tubulären Natrium-Monocarboxylat- Transporter-1 zur vermehrten Keton-Reabsorption aus dem Urin kommen. Die Kombination einer incretinbasierten Therapie mit SGLT2-I könnte zu einer Besserung des Glukosestoffwechsels und der Nierenfunktion führen, die über die Vorteile der einzelnen Medikamentengruppen hinaus reichen: GLP1-RA könnten eine vermehrte Nahrungsaufnahme infolge langdauernder Therapie mit SGLT2-I unterdrücken und so Folgen für renale Hämodynamik, Natriurese, Blutdruck und LDL-Cholesterin aufweisen. Referenzen: 1. Gabriëls G. Diabetestherapie bei chronischer Niereninsuffizienz. Nieren- und Hochdruckkrankheiten 2018;47: 589–607. 2. Reno C, Litvin M, Clark A, Fisher S. Defective counterregulation and hypoglycemia unawareness in diabetes: Mechanisms and emerging treatments. Endocrinol Metab Clin North Am 2013;42:15–38. 3. Ly J, Marticorena R, Donnelly S. Red blood cell survival in chronic renal failure. Am J Kidney Dis 2004;44:715–719. 4. Nauck M, Meier J, Cavender M, et al. Cardiovascular Actions and Clinical Outcomes With Glucagon-Like Peptide-1 Receptor Agonists and Dipeptidyl Peptidase-4 Inhibitors. Supplemental Material. Circulation 2017;136:849–870. 5. Girardi A, Degray B, Nagy T, et al. Association of Na + -H + Exchanger Isoform NHE3 and Dipeptidyl Peptidase IV in the Renal Proximal Tubule. J Biol Chem 2001;276:46671– 46677. 6. Skov J. Effects of GLP-1 in the Kidney. Rev Endocr Metab Disord 2014;15:197–207. 7. Muskiet M, Tonneijck L, Smits M, et al. GLP-1 and the kidney: from physiology to pharmacology and outcomes in diabetes. Nat Rev Nephrol 2017;13:605–628. 8. Inzucchi S, Bergenstal R, Buse J, et al. Management of hyperglycaemia in type 2 diabetes, 2015: a patient-centred approach. Update to a position statement of the American Diabetes Association and the European Association for the Study of diabetes. Diabetologia 2015;58:429–442. 9. Holman R, Bethel M, Mentz R, et al. EXSCEL Study Group. Effects of Once-Weekly Exenatide on Cardiovascular Outcomes in Type 2 Diabetes. NEJM 2017;377:1228–1239. 10. Marso S, Daniels G, Brown-Frandsen K, et al.; LEADER Steering Committee; LEADER Trial Investigators. Liraglutide and Cardiovascular Outcomes in Type 2 Diabetes. NEJM 2016;375:311–322. 11. Jacobsen L, Hindsberger C, Robson R, Zdravkovic M. Effect of renal impairment on the pharmacokinetics of the GLP-1 analogue liraglutide. Br J Clin Pharmacol 2009;68:898– 905. 12. Copley K, McCowen K, Hiles R, et al. Investigation of exenatide elimination and its in vivo and in vitro degradation. Curr Drug Metab 2006;367–374. 13. Hahr A, Molitch M. Management of diabetes mellitus in patients with chronic kidney disease. Clin Diabetes Endocrinol 2015;2. 14. Heerspink H, Perkins B, Fitchett D, et al. Sodium Glucose Cotransporter 2 Inhibitors in the Treatment of Diabetes Mellitus. Circulation 2016;134:752–772. 15. Cherney D, Perkins B, Soleymanlou N, et al. Renal hemodynamic effect of sodium-glucose cotransporter 2 inhibition in patients with type 1 diabetes mellitus. Circulation 2014;129:587–597. 16. Zinman B, Wanner C, Lachin JM, et al.; EMPA-REG OUTCOME Investigators. Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes. NEJM 2015;373:2117–2128. 17. Neal B, Perkovic V, Mahaffey KW, et al.; CANVAS Program Collaborative Group. NEJM 2017; 377: 644–657. 18. Wanner C, Inzucchi SE, Lachin JM, Fitchett D, et al.; EMPA-REG OUTCOME Investigators. Empagliflozin and Progression of Kidney Disease in Type 2 Diabetes. NEJM 2016;375:323–334. Prof. Dr. med. Gert Gabriëls Universitätsklinikum Münster Medizinische Klinik D, Nephrologie und Rheumatologie Albert-Schweitzer-Straße 33, 48149 Münster 26

ABSCHIED VOM „GLYKOZENTRISCHEN WELTBILD“ Paradigmenwechsel in der Therapie des Typ-2-Diabetes Der Typ-2-Diabetes verdoppelt (bis vervierfacht) das Risiko für Herz-/Kreislauf-Erkrankungen – oder anders ausgedrückt, etwa 45 % der Typ-2-Diabetiker haben zusätzlich bereits eine manifeste koronare Herzerkrankung oder eine Herzinsuffizienz; dies ist seit Jahrzehnten bekannt. Der Diabetes allein vermindert die durchschnittliche Lebenserwartung des Patienten um etwa sechs Jahre – bei gleichzeitiger koronarer Herzkrankheit ist die Lebenserwartung sogar um zwölf Jahre geringer als bei Stoffwechselgesunden. Die Inzidenz des Diabetes Typ 2 nimmt dramatisch zu: Derzeit haben 415 Millionen Menschen weltweit diese Erkrankung, und die International Diabetes Federation rechnet in den nächsten 20 Jahren mit einem weiteren Anstieg um etwa 50 %, auf 640 Millionen. In Deutschland leben derzeit etwa 6,5 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, etwa drei Millionen dieser Patienten haben zusätzlich eine diabetesassoziierte Gefäßerkrankung. In der Therapie des Typ-2-Diabetes zeichnet sich in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel ab, eingeleitet interessanterweise von den Zulassungsbehörden. Bis vor wenigen Jahren konnten Antidiabetika dann eine Zulassung bekommen, wenn sie den Blutzucker und das HbA1c signifikant senkten. Heute verlangen die Arzneimittelbehörden zusätzlich den Nachweis, dass die kardiovaskulären Outcomes ebenfalls positiv beeinflusst werden. Letztlich geht es nicht nur um einen niedrigeren Blutzuckerspiegel, sondern eine verbesserte Lebenserwartung und Lebensqualität der Patienten und eine Senkung der Krankenhausaufenthalte. Outcome-Effekte der SGLT2- Hemmung Professor Helmut Schühlen, Kardiologe am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin, berichtete auf einer Pressekonferenz der Unternehmen Boehringer Ingelheim und Lilly über die Ergebnisse der EMPA-REG OUTCOME-Studie. In dieser Studie wurden die Patienten zusätzlich zur Standardtherapie des Typ-2-Diabetes – Lebensstilinterventionen wie Gewichtsabnahme und mehr Bewegung, bei Bedarf zusätzlich Metformin – entweder mit Empagliflozin (Jardiance®) oder mit Plazebo behandelt. Neue Auswertungen der Studie zeigen: Empagliflozin konnte sowohl die kardiovaskulären Todesfälle als auch die Gesamtmortalität im Vergleich zu Plazebo um etwa ein Drittel vermindern. Umgerechnet auf die Lebenserwartung ergibt sich damit je nach Alter der Patienten eine Verlängerung der Lebenszeit um bis zu 4,5 Jahre. Eine weitere positive Wirkung: Die Patienten mussten signifikant seltener wegen Herzinsuffizienz hospitalisiert werden. Empagliflozin gehört zur Gruppe der SGLT2- Hemmstoffe, es fördert die Glukoseausscheidung über die Nieren. Dadurch ergibt sich einerseits eine Diurese, was außer dem Blutzucker auch den Blutdruck senkt, andererseits verlieren die Patienten auch Kalorien über den Urin. Das kommt dem Körpergewicht bzw. dessen Reduktion zugute – etwa 2 kg weniger brachten die Patienten im Durchschnitt auf die Waage. Gleichzeitig konnte für Empagliflozin eine schützende Wirkung auf die Nierenfunktion nachgewiesen werden: Die Verschlechterung der Nierenfunktion, die durch den Diabetes entsteht und sich über die Jahre in einer stetigen Verminderung der eGFR bemerkbar macht, konnte unter der Therapie mit Empagliflozin gestoppt werden. Nach dem Absetzen der Substanz ging der krankheitsbedingte Prozess weiter, daher ist dieser renoprotektive Effekt vermutlich direkt auf das Medikament zurückzuführen. INDUSTRY News 27

Connexi - Leseproben