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Leseprobe CONNEXI Diabetes und Adipositas Ausgabe 4-2019

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DIABETISCHES FUSSSYNDROM

DIABETISCHES FUSSSYNDROM werden. Immer gilt es auch auf mögliche Infektionen zu achten. Zusammenfassend beginnt der Charcot-Fuß meist durch eine Fehlstimulation von Osteoklasten, so dass auch die Bezeichnung Neuropathische Osteopathie (mündliche Mitteilung Professor Sigurd Kessler) sinnvoll wäre. Da die Zerstörung des Fußes droht, ist die Erhaltung der Stabilität wichtig, so dass bei Aktivität der Charcot-Arthropathie (Abbildung 8) zwingend eine oft 6–9 Monate dauernde Entlastung erfolgen muss. Die Betroffenen davon zu überzeugen, ist oft mühsam. Nach Abheilung ist unbedingt die Versorgung mit orthopädischen Maßschuhen angezeigt. Vermeidung von typischen Läsionen CONFERENCES Abbildung 8: Aktive Charcot Arthropathie von plantar Die möglichen Folgen sind Fehlstellungen, Knochenneubildung, Knochendestruktion, Ulcerationen und Infektionen. Wichtig ist vor allem das Denken an diese Möglichkeit, wie sie bei diesem Ulcus schon evident ist (Abbildung 7). Eine beginnende Charcot-Arthropathie ist am Periostödem zu erkennen, bereits diese verlangt nach einer zwingenden Entlastung. Da momentan der TCC (Total Contact Cast) nicht in unseren Versorgungsumfang genehmigt ist, wenngleich er den internationalen Standard darstellt, muss derzeit auf eine Zweischalenorthese zur Entlastung ausgewichen werden. Wir arbeiten deshalb daran, diese Versorgung wieder erstattbar zu machen. Falls die Endfertigung zu lange dauert, kann übergangsweise auch eine Vakuumentlastung mit einem kniehohen Vakuumstiefel durchgeführt Typische Läsionen lassen sich durch regelmäßige Fußuntersuchung vermeiden. Diese sollten bei Menschen mit stattgehabten Ulcera oder Charcot- Artopathie vierteljährlich erfolgen. Zudem sollte podologische Behandlung verordnet werden, so dass geschulte Augen den Fuß regelmäßig überwachen können. Hyperkeratosen müssen rechtzeitig abgetragen werden, die Patienten und ihre Angehörigen müssen bezüglich der Selbstbeobachtung geschult werden. Die podologische Therapie ist weiterhin vor allem in Regionen mit hohen Mietpreisen unterfinanziert (es werden 32 Euro für 50 Minuten Therapie gezahlt) so dass es weiterhin zu wenig Podologen gibt. Dies ist als Aufgabe der DDG sowie der Gesundheitsbehörden zu sehen, eine verbesserte Ausgangsbasis für podologische Therapie und Niederlassung neuer Podologen zu schaffen. Dies stellt eine Schnittstelle zur Reduktion der Amputationszahlen dar. Auch Selbstbeobachtung im Rahmen der Patientenschulung ist in dieser Gesamtsituation wichtig. 34

DIABETISCHES FUSSSYNDROM In Gegenden mit in der Fläche weniger Fußambulanzen, aber auch in Ballungsräumen mit vielen alleine lebenden Menschen, die keine Transportmöglichkeit zum Arzt haben, müssen bereits entwickelte und erprobte telemedizinische Konzepte wie die des „Fußnetz Bayern“, die startbereit vorhanden sind, endlich kassenfinanziert umgesetzt werden. Erst dann können wir mittelfristig erreichen, dass die aktuell 40.000 diabetesbedingten Amputationen pro Jahr (Deutscher Diabetesbericht 2018), was letztlich alle 13,4 Minuten eine Amputation bedeutet, reduziert werden können. Dr. med. Arthur Grünerbel gruenerbel@diabeteszentrum-muenchen-sued.de Um dies auch in der Bevölkerung stärker publik zu machen, sollte das Thema „Diabetischer Fuß“ auch vermehrt in den Medien präsent sein, schließlich ist die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Menschen mit diabetischen Fußsyndrom geringer als nach der Diagnose und Therapie von beispielsweise Colon– oder Mammakarzinom. Problemfüße müssen häufiger in der Fußambulanz der Diabetesschwerpunktpraxis vorgestellt und untersucht werden, die neue DMP-Richtlinie mit intensivierten Fußkontrollen muss weiter bekanntgemacht werden. Referenzen: 1. Jeyam A, et al. Prevalenve of and risk factors accociated with diustal syymetric diabetioc polyneuropathy in the SDRNT1BIO cohort; SDRNT1BIO Investigators, University of Edinburgh; Poster EASD 2018 2. Sommer C, , Geber C, Young P, et al. Polyneuropathies etiology, diagnosis and treatment options. Dtsch Ärztebl Int 2018;115:83–90 3. Henriksen O, Sejrsen P. Local reflex in microcirculation in human skeletal muscle. Acta Physiol Scand 1977;99:19 –25 4. Brandl R.; DOI 10.3238/arztebl.2018.0295a 5. Manu CA, et aL. Arterial Diesase below the ankle in the diabetic foot: the final frontier; King's College Hospitaln London, NHS foundation trust Poster EASD 2018 Dr. med. Arthur Grünerbel Diabeteszentrum München-Süd Stockmannstraße 47, 81477 München CONFERENCES 35

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