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Leseprobe CONNEXI Diabetes und Adipositas Ausgabe 4-2019

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DIABETOLOGIE IN

DIABETOLOGIE IN DEUTSCHLAND 2019 Agieren ist mindestens genauso wichtig wie Reagieren Diabetes mellitus Typ 2 ist in Deutschland eine Volkskrankheit – die Zahl der Bundesbürger mit dieser Erkrankung, meist mit Adipositas und weiteren Komorbiditäten des metabolischen Syndroms assoziiert, wächst von Jahr zu Jahr. Seit nunmehr 55 Jahren setzt sich die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) für die Belange von Millionen Betroffenen sowie der ca. 350.000 Typ-1-Patienten in Deutschland ein. Die Therapien werden optimiert, DMP-Programme sollen die Versorgung verbessern, es wird intensiv geforscht. Um die steigende Inzidenz aufzuhalten, müsste jedoch nicht das Ende der Kaskade, die mit ungesundem Lebensstil beginnt und fatale Folgen hat, im Mittelpunkt aller Anstrengungen stehen. Bei der Prävention gibt es allerdings in Deutschland noch einiges zu tun. CONFERENCES In den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren weniger als eine Million Bundesbürger an Diabetes erkrankt. Aktuell sind fast sieben Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Nach Berechnungen des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) und des Robert Koch-Instituts (RKI) werden es bis zum Jahr 2040 etwa zwölf Millionen Menschen sein. Woran liegt das? Wie können wir dem begegnen? Was können wir den Patienten anbieten? Diesen und unzähligen weiteren Fragen zum Diabetes mellitus widmet sich die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Sie begeht in diesem Jahr im Rahmen des Diabetes Kongresses 2019 in Berlin und der Herbsttagung am 8. und 9. November 2019 in Leipzig ein „Semi“-Jubiläum: das 55. Jahr ihres Bestehens. Wir brauchen eine nationale Diabetes-Strategie Auf der Agenda der heute mehr als 9.000 Mitglieder zählenden Fachgesellschaft stehen zahlreiche Aktivitäten, die hier nur unvollständig aufgezählt werden können: Regelmäßige Erarbeitung und Aktualisierung von Leitlinien – die nächste ist 2020 zu erwarten –, ständige Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Diabetologen und vielen an der Diabetikerversorgung beteiligten Berufsgruppen, Zertifizierungen zur Qualitätssicherung sowie intensive Forschung u. a. am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. Zudem setzt die DDG für die Zukunft stark auf die digitale Transformation, um Forschung und Therapie weiter voranzubringen. Digital unterstützte Versorgungsstrukturen sollen eine flächendeckende Versorgung von Menschen mit Diabetes auf höchstem Niveau erleichtern und Folgeerkrankungen und Komplikationen minimieren – und damit Kosten. Der flächendeckende Netzausbau und die zügige Umsetzung des E-Health-Gesetzes dienen Forschungsförderung und Versorgung gleichermaßen. „Der Netzausbau wird uns in die Lage versetzen, telemedizinische Diagnostik und Beratung auch in ländlichen Regionen mit geringerer Arztdichte anzubieten und das für eine verbesserte Therapie notwendige Diabetes-Register aufzubauen“, so DDG-Präsident Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland. Das stärke die einheitliche, flächendeckende Versorgung auf hohem Niveau. Nicht zuletzt die engagierte Beteiligung an gesundheitspolitischen Diskussionen, z. B. zu aktuellen Nutzenbewertungen des IQWiG oder zu Verbesserungen bei geplanten Gesetzesvorhaben ist ein wichtiges Anliegen der DDG. Um die Diabetologie zukunftsfähig zu machen, hat eine Taskforce Diabetologie 2025 ein Strategiepapier erarbeitet. „Die steigende Zahl neuer Diagnosen zeigt, dass die DDG heute wichtiger ist denn je“, betont Müller-Wieland. „Um die Herausforderungen zu meistern, brauchen wir eine nationale Diabetes- Strategie auf breiter Basis, für die sich die DDG auf allen politischen Ebenen einsetzt“, fordert 6

DIABETOLOGIE IN DEUTSCHLAND 2019 DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer. So geht es beispielsweise um eine bessere sektorenübergreifende medizinische Versorgung, ein flächendeckendes Versorgungsnetz durch niedergelassene Haus- und Fachärztinnen und -ärzte, sowie ein deutschlandweites Diabetesregister. „Zudem muss der Beruf der Diabetesberaterin und -beraters bundesweit einheitlich anerkannt werden“, so Bitzer. „Ernährungsberatung und Bewegung sollten als feste Therapiebausteine in die Regelversorgung eingehen“, ergänzt der DDG Präsident. Fortschritte in der Diabetestherapie Orale Therapie für Typ-1-Diabetes am Start Zwar steht angesichts der Inzidenzzahlen und des damit zunehmenden Bedarfs zur Behandlung des Typ-2-Diabetes und seiner Folgeerkrankungen der Typ 2 im Fokus von Forschung und Entwicklung, aber auch für Diabetes-Typ-1-Patienten sind in naher Zukunft neue Entwicklungen verfügbar: So hat vor kurzem die Europäische Kommission das erste orale Antidiabetikum als Add-on-Therapie für den Einsatz bei erwachsenen Patienten mit Typ-1- Dia betes, deren Blutzuckerspiegel mit Insulin allein nicht ausreichend gesenkt wird, genehmigt [1]. Mit dem SGLT2-Hemmer Dapagliflozin (Handelsname Forxiga, Astra Zeneca) steht nun bald ein orales Medikament für Patienten zur Verfügung, die bislang nur auf Insulin angewiesen waren. Typ 2 – Prävention und Lebensstiländerung vor Therapie Beim Kampf gegen den Typ-2-Diabetes ist es aus Sicht der DDG entscheidend, die Erkrankung vor ihrer Entstehung zu vermeiden. Aber in Bezug auf Prävention und Entscheidungsfreude zur Gestaltung gesünderer Lebenswelten gibt es in Deutschland sowohl individuell bei jedem einzelnen als auch gesellschaftspolitisch noch Defizite. Und so sind es auch und vor allem die behandelnden Ärzte, die medizinische Forschung und die Pharmaindustrie, die zurzeit immer noch auf den steigenden Dia betes-Typ-2-Versorgungsbedarf reagieren müssen, um die Patienten optimal und möglichst individuell zu versorgen. Zuerst mit Motivation zur Lebensstiländerung in Bezug auf Ernährung und Bewegung – meistens schwerer getan als gesagt – danach mit zahlreichen medikamentösen Therapiestrategien, deren Spektrum immer breiter wird. Bereits auf der DDG-Herbsttagung konstatierte Prof. Dr. Jens Aberle, Hamburg: „Nach Etablierung neuer Substanzklassen wie SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten, die nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch die kardiovaskuläre Ereignisrate reduzieren, wird die diabetologische Behandlung auf ein neues Level gehoben“. Aktuellste wissenschaftliche Ergebnisse: DDG-Kongress 2019 Auch die Themen des diesjährigen Diabetes- Kongresses unter dem Motto „Diabetes – nicht nur eine Typ-Frage“ spiegeln die Forschungsergebnisse und Produktentwicklungen eindrucksvoll wider: „Kommen wir der ,Heilung' (Remission) bei Diabetes Typ 2 näher?“, fragt Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Roden, Düsseldorf, und gibt den Impuls zu einer neuen Sichtweise: „Neue Studien unterstellen, dass man allein mit diätetischen Maßnahmen den Diabetes heilen könnte“. „Wie lange und bei wem?“ sind die offenen Fragen. Weitere Studien weisen darauf hin, dass die klassische Einteilung in Diabetestypen möglicherweise einer Revision bedarf. Durch Identifizierung von Subphänotypen oder Clustern ergeben sich vielleicht neue Möglichkeiten für eine maßgeschneiderte Therapie, erklärt Roden. Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich genderbezogenen Aspekten und geschlechtssensibel zu betrachtenden Begleiterkrankungen, zu denen es ebenfalls aktuelle Forschungsergeb- CONFERENCES 7

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