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Leseprobe CONNEXI Diabetes und Adipositas Ausgabe 4-2019

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DIABETOLOGIE IN

DIABETOLOGIE IN DEUTSCHLAND 2019 nisse zu diskutieren gibt. Univ.-Prof. Dr. Matthias Tschöp, München, stellt „Poly-Agonisten – Synthetische Hormone zur individualisierten Behandlung bei Typ-2-Diabetes“ vor. Bei diesem neuen Therapieansatz, der auf die Kombination verschiedener Rezeptoragonisten in einem Peptid setzt, werden unimolekulare Peptidmoleküle synthetisiert, die bis zu drei Rezeptoren mit vergleichbarer Affinität aktivieren. In der präklinischen Forschung zeichneten sich hierbei günstige Effekte bezüglich einer Senkung des Körpergewichts und des Blutzuckerspiegels ab [2]. Zu wenig gesellschaftspolitischer Konsens In der Diabetestherapie ist viel „Bewegung“. Die Präventions-, Aufklärungs- bzw. Motivationserfolge und gesetzgeberischen Maßnahmen resp. der gesundheitsfördernde Einfluss der politisch Verantwortlichen auf die Lebensmittel- und Landwirtschaft sind dagegen eher mäßig. Die Förderung von Aufklärungsfilmen und -kampagnen, Daten erhebungen sowie die Verkündung, dass man sich im Koalitionsvertrag 2018 verpflichtet habe, gezielt Volkskrankheiten zu bekämpfen, Diabetes ganz oben auf der politischen Agenda stehe und dass eine Nationale Diabetesstrategie 2030 jetzt zügig und patienten orientiert umzusetzen sei, reicht nicht aus. „Wir fordern seit Jahren eine wirkungsvolle Verhältnisprävention, die es den Menschen erleichtert, gesünder zu leben“, so Barbara Bitzer. Dazu zählen gesundheitsfördernde Steueranpassungen, also eine Steuer entlastung gesunder Lebensmittel bei gleichzeitig erhöhter Steuer auf hochkalorische Produkte. Als dringend notwendig erachtet die DDG eine transparente Lebensmittelkennzeichnung. Zudem sollten ein Verbot von Werbung für ungesunde Lebensmittel, die sich an Kinder richtet, verbindliche Standards für die Verpflegung in Kitas und Schulen sowie eine tägliche verpflichtende Stunde Bewegung etabliert werden. Die Realität sieht anders aus. So profiliert sich, obwohl die Lebensmittelindustrie eigentlich Teil der Lösung sein sollte, der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V.) eher als Verhinderer vieler wissenschaftlich empfohlener Maßnahmen zur Eindämmung von Übergewicht durch gesunde Ernährung. Dies wurde zuletzt deutlich bei der Diskussion um den Nutri- Score, der nicht vom BLL unterstützt wird. CONFERENCES 8

DIABETOLOGIE IN DEUTSCHLAND 2019 Das Urteil des Landgerichts Hamburg, nach dem die Verwendung der Lebensmittelkennzeichnung „Nutri-Score“ in Deutschland wettbewerbsrechtlich nicht zulässig ist, „zeigt, dass die deutsche Politik die Entwicklung im Lebensmittelmarkt verschlafen hat. Verbraucher und Hersteller wünschen sich eine klarere Nährwertkennzeichnung, wie sie durch den wissenschaftlich fundierten Nutri-Score gewährleistet ist. Innovative Hersteller dürfen diesen aber in Deutschland nicht verwenden, auch weil das Ernährungsministerium sich weigert, den Nutri- Score einzuführen – vermutlich aus Rücksicht auf die Hersteller ungesunder Produkte. Stattdessen hat Frau Klöckner nun angekündigt, ein ganz neues Kennzeichnungssystem entwickeln zu wollen… Wir fordern Frau Klöckner auf, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, noch in diesem Sommer eine neue Kennzeichnung für Deutschland vorzulegen. Aufgrund des Berichts des Max-Rubner-Instituts kann dies nur der Nutri-Score sein. Frau Klöckner muss den notwendigen Rahmen schaffen, damit Hersteller ihren Kunden diesen Mehrwert bieten können“, kommentiert Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) – ein Bündnis von 22 großen wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Auch angesichts solcher politischen Entwicklungen treibt die DDG ihr Engagement gemeinsam mit diabetesDE und DANK voran. Positionspapier zur nationalen Strategie – die Zeit drängt CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine Nationale Diabetesstrategie beschlossen, um die Volkskrankheit gezielt zu bekämpfen. Bis heute sind jedoch sowohl die Inhalte als auch die politische Umsetzung unklar − dabei drängt die Zeit: Wie aus dem Bundesgesundheitsministerium verlautet, soll die Strategie bis Jahresende 2019 stehen. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe – und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) haben sich jetzt proaktiv auf ein Positionspapier geeinigt, das den Handlungsbedarf detailliert darlegt. Mit diesem Papier stellen wir sicher, dass politische Entscheider auf allen Ebenen den Bedarf aus Sicht der Diabetesbehandler und -patienten kennen und mithilfe der geplanten Strategie implementieren können“, erläutert Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Nach dem Willen der Diabetesexperten und ‐pa tienten bedarf es eines nationalen Rahmenplans, wenn die Umsetzung auf Länderebene erfolgen sollte – nur so könne einem Flickenteppich unterschiedlicher Versorgungsqualitäten vorgebeugt werden. Ein Steuerungsgremium sollte medizinische Fach- und Patientenkompetenz einbeziehen, die Bund-Länder-Koordinierung sicherstellen, klare Zuständigkeiten benennen und für eine entsprechende Budgetierung sorgen, so das Positionspapier. Es gibt also noch viel zu tun in der deutschen Diabetologie. Bleibt zu hoffen, dass in fünf Jahren, zum 60-jährigen Jubiläum der Deutschen Diabetesgesellschaft von einem Rückgang der Inzidenz des Typ-2-Diabetes in Deutschland zu berichten sein wird. Dafür müssen sich alle im doppelten Wortsinn bewegen. Elke Klug, Redaktion Quellen: 1. https://arznei-news.de/dapagliflozin/#news 2. Götz A et al. Der Diabetologe 13(7): 505-513 (2017) 3. Pressematerial DDG April und Mai 2019, https://www. deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/ddg-pressemeldungen.html 4. Presseinformationen DDG Herbsttagung 2018 5. https://www.diabetologie-online.de/a/urteil-zum-nutriscore-innovative-lebensmittelhersteller-werden-auchdurch-ministerin-kloeckner-ausgebremst-1994564 CONFERENCES 9

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