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Leseprobe CONNEXI Kardiologie Ausgabe 5-2019

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INTERVIEW CONFERENCES im

INTERVIEW CONFERENCES im System. Das System ist so gestaltet, dass man frei definieren kann, mit welchem Parameter man arbeiten möchte. Bei uns wird es so sein, dass es einen standardisierten etablierten HI-Fragebogen gibt, den die Arzthelferinnen in der Arztpraxis abfragen sollen, so dass es mit möglichst wenig Arbeit für die Ärztin/den Arzt verbunden ist. Für sie/ihn wird es eine einzige Seite geben, auf der nichts anderes als die Leitlinie im Algorithmus hinterlegt ist. Das zeigt, in welchem Schritt des therapeutischen Vorgehens man sich gerade befindet. Den klickt sie/er an und sieht, welche Optionen es gibt, mache ich das weiter oder muss ich einen Schritt nach rechts gehen. Das System ist relativ simpel, aber man sieht, was ist noch offen, was kann man noch optimieren bei diesem Patienten, für die Hausärztin/den Hausarzt, die Kardiologin/ den Kardiologen und für die Klinikärztin/den Klinikarzt. Jeder sieht immer den aktuellen Stand des Patienten, welche Therapie optionen bestehen und was ein anderer vielleicht geändert hat. Das ist erstes Ziel dieses Systems, aber es kann natürlich noch viel mehr. Man kann es bestücken, wie man will, man kann Formulare eingeben, kann sie sich so anlegen, wie man sie braucht. Wir wollen aber zunächst erst einmal die Grundlage schaffen, dass jeder genau weiß, was mit dem Patienten bis jetzt getan wurde. Haben Sie auch überregionale Kooperationspartner für das Projekt? Dr. Halboos: Ja, wir haben jetzt eine inzwischen sehr gut funktionierende Kooperation mit der Uni Essen begonnen, mit einem überregionalen HI-Zentrum, dem sogenannten Ruhr HF-Net, das ist ein ganz neues Netzwerk. Das Westdeutsche Herz- und Gefäßzentrum (WHGZ) am Universitätsklinikum Essen wurde 2018 als erstes überregionales Herzinsuffizienz-Zentrum im Ruhrgebiet zertifiziert. PD Dr. Lüdike, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie am Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum, Universitätsklinikum Essen, Leiter Bereich Herzinsuffizienz und Intensivmedizin Interventionelle AV-Klappentherapie und der Leiter des Projektes an der Uni Essen war in Herne, hat sich unser Projekt angeschaut und war begeistert. Vielleicht wird aus unserem einmal ein ganz großes gemeinsames Projekt. Sie wollen das gleiche machen, basierend auf einem Computersystem, und alle Patienten einschleusen. Die Vision ist, mit dem Zentrum in Essen ein überregionales Netzwerk aufzubauen, so dass die Patienten bis hin zu Herz- Kreislaufunterstützungssystemen, die von den Thoraxchirurgen implantiert werden, komplett versorgt und überwacht sind in einer einzigen Struktur und alle relevanten Beteiligten Zugriff darauf haben. Das wäre dann ein richtiges Netzwerk auf höherem Niveau. Vorerst wird es sicherlich nur Schnittstellen geben. Aus datenschutztechnischen Gründen muss man dazu sagen, es haben nur die Ärzte, die den Patienten betreuen, Zugriff auf diese eine Person. Eine andere Praxis könnte nicht sehen, wer und wie viele Patienten in diesem Netzwerk drin sind. Dass der vor- und nachbehandelnde Arzt Daten weitergeben darf, ist ohnehin im Landesgesetz NRW hinterlegt, auch ohne Zustimmung des Patienten. Außerdem arbeiten wir auch zusammen mit dem Institut für angewandte Telemedizin in Bochum (IAT). Das ist ein Projekt, an dem federführend die Uni Hannover beteiligt ist, zusammen mit den Deutschen Gesundheitsdiensten DEGEDI und ausgewählten Kliniken aus dem Ruhrgebiet sowie einige andere Satellitenkrankenhäuser bundesweit mit eher ländlichem Charakter. Damit wollen wir gemeinsam erforschen, was bringt bei HI die Telemedizin, um dann auch irgendwann einmal handfeste Daten aufweisen zu können für eine adäquate Finanzierung. 24

VON DER VISION ZUR MISSION TAVI für alle Patienten mit Aortenklappenstenose? Das Indikationsspektrum der kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVI) ist weiter in Bewegung. In Zukunft werden auch jüngere Patienten, Patienten mit anatomischen Risiken, komplexeren Pathologien und Patienten mit niedrigem Risiko mit TAVI behandelt werden, darüber waren sich die Experten in einem Satellitensymposium anlässlich der Jahrestagung der DGK einig. Mit dem Erfolg der Methode wachsen auch die Ansprüche an die Patientenauswahl jenseits der Scores. Die Herausforderungen eines vorausschauenden und nachhaltigen Managements standen ganz im Mittelpunkt der von der Edwards Lifesciences GmbH unterstützten Veranstaltung. Die TAVI ist bei inoperablen und chirurgischen Hochrisikopatienten mit hochgradiger Aortenklappenstenose (AS) seit Jahren Therapiestandard und wird immer häufiger auch in Patienten mit intermediärem Risiko eingesetzt. Dabei ist die Methode noch jung. Erst im Jahr 2002 gelang Alain Cribier in Lyon die Erstimplantation einer Aortenklappe mit Hilfe eines Katheters [1]. Seitdem hat das Verfahren eine rasante Entwicklung erfahren. Wurden 2008 in Deutschland etwas mehr als 600 TAVI-Prozeduren durchgeführt, waren es 2017 bereits über 19.000 [2, 3]. Gleichzeitig gelang es durch stetige Weiterentwick lung der Klappensysteme, Verbesserungen im periinterventio nellen Management und die wachsende Erfahrung der interdisziplinären Heart Teams Kompli ka tionen wie paravalvuläre Leckagen, postoperative Schrittmacherimplantation und Schlaganfallrisiko deutlich zu senken; sie liegen inzwischen teilweise niedriger als bei chirurgischen Eingriffen (Abbildung 1) [4]. „Die historischen Limitationen der TAVI-Prozedur sind weitgehend überwunden“, kommentierte Prof. Ulrich Schäfer aus Hamburg. TAVI mindestens so gut wie Chirurgie – wenn nicht besser Die zuletzt hervorragende Datenlage bei Patienten mit mittlerem Operationsrisiko [5, 6] hat die European Society of Cardiology (ESC) und die European Association of Cardio-Thoracic Surgery (EACTS) veranlasst, die Indikation für die TAVI in den europäischen Leitlinien in den intermediären Risikobereich auszuweiten (Evidenzklasse: I, Evidenzlevel: B) [7]. Grundsätzlich sollte die Entscheidung TAVI oder chirurgischer Aortenklappenersatz (AKE) jedoch immer in einem Heart Team getroffen werden, betonte Dr. Gerhard Schymik aus Karlsruhe. Grundlage für die Erweiterung der Empfehlung waren nicht zuletzt die Ergebnisse der im Jahr 2016 publizierten PARTNER 2-Studie [6], die in einem randomisierten, prospektiven Design die Nicht- Unterlegenheit der TAVI gegenüber AKE auch bei Patienten mit mittlerem Operationsrisiko nachgewiesen hatte. In der Subgruppe der Patienten mit transfemoraler TAVI (n=775) zeigte sich die TAVI sogar als überlegen [6]. Abbildung 1: Moderne Bioprothesen wie die ballonexpandierende SAPIEN 3 verhindern nahezu vollständig größere paravalvuläre Protheseninsuffizienzen. Den unteren Rand des Rahmens der SAPIEN 3 säumt eine äußere Manschette, die die Klappe im Annulus abdichtet und die Inzidenz des paravalvulären Lecks vermindert. Durch ein schmales Profil werden vaskuläre Komplikationen nachweislich reduziert. Die niedrige Gerüsthöhe, die intraanuläre Klappenposition und die offene Zellgeometrie der SAPIEN 3 berücksichtigen zudem die Herzanatomie. Die Koronarostien bleiben somit für Folgeeingriffe zugänglich. EDUCATION 25

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