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Leseprobe CONNEXI SCHMERZ Ausgabe 1-2019

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AKUTER

AKUTER SCHMERZ – LITERATUR-UPDATE faktoren postoperativer Schmerzen“ befasst hatte. 234 Literaturstellen untersuchten die perioperative Schmerzintensität, 23 Literaturstellen den genetischen Polymorphismus, 33 Literaturstellen die präoperative Angst und Erwartungshaltung und 27 Literaturstellen eine präoperative Opioidtherapie. In einer früheren Literaturübersicht aus dem Jahre 2009 wurde geschlussfolgert, dass vorbestehende Schmerzen, Angst und psychologischer Stress, Alter sowie die Art und Größe des chirurgischen Eingriffs prädiktive Faktoren für die postoperative Schmerzintensität seien [3]. Ebenso seien Alter, Angst und die Art des chirurgischen Eingriffs prädiktive Faktoren für den postoperativen Analgetikaverbrauch [3]. Wie sieht dies zehn Jahre später aus? Hierzu seien nur einige aktuelle Studien exemplarisch vorgestellt. In einer groß angelegten prospektiven Untersuchung aus Finnland an 1.000 Frauen, die sich einer Operation wegen eines nicht metastasierten Brusttumors unterzogen, sollte untersucht werden, welche potenziellen Risikofaktoren einen Einfluss auf den unmittelbar postoperativen Analgetikaverbrauch einer jeden Patientin hatten [4]. Dazu erhielten Patientinnen im Aufwachraum wiederholte Einzelgaben von intravenösem Oxycodon, bis die individuelle Schmerzintensität in einem vordefinierten Bereich (

AKUTER SCHMERZ – LITERATUR-UPDATE Prof. Dr. med. Michael Schäfer micha.schaefer@charite.de operative Schmerzintensität und einen signifikant höheren Morphinverbrauch aufwiesen. In einer anderen Studie an 110 Patienten mit einer Dickdarmoperation führte eine pharmakogenetisch geleitete Analgetikatherapie, das heißt eine an die genetischen Besonderheiten eines jeden individuellen Patienten angepasste Therapie, zu einer 50%igen Einsparung an starken Schmerzmitteln wie Morphin und einer deutlichen Abnahme von Nebenwirkungen dieser Medikamente [8]. Es wird immer wieder kontrovers diskutiert, ob psychologische Faktoren wie die Angst des Pa tienten einen Einfluss auf postoperativen Schmerzen haben und somit ein möglicher prädiktiver Faktor sind. In einer erst kürzlich durchgeführten prospektiven Befragung („Lübecker Schmerzrisikofragebogen“) von 501 Patienten, die sich einer Operation unterzogen, sollten diese ihre präoperative Schmerzintensität und das Ausmaß der funktionellen Beeinträchtigung sowie ihre Erwartungshaltung bzgl. des Auftretens und der Intensität postoperativer Schmerzen einschätzen [9]. Es zeigte sich, dass Patienten mit präoperativ bereits existierenden Schmerzen von hoher Schmerzintensität und offensichtlicher Beeinträchtigung sowie Patienten mit einer großen Schmerzerwartung bzgl. postoperativer Schmerzen signifikant stärkere und häufiger postoperative Schmerzen hatten [9]. Am deutlichsten war dieser Effekt bei einer Kombination dieser beiden Faktoren ausgeprägt. Auch chronischer präoperativer Opioidgebrauch (wie z. B. Morphin) konnte in einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung von Versicherungsdaten von 24.600 Patienten aus den USA als potenzieller Risikofaktor für vermehrte postoperative Komplikationen, häufigere Wundheilungsstörungen, erneute Operationen und für eine stationäre Wiederaufnahme identifiziert werden [10]. Als Fazit dieses Literatur-Updates zum Thema „Akuter Schmerz“ kann festgehalten werden, dass folgende potenzielle Prädiktoren für eine vermehrte und erhöhte postoperative Schmerzintensität gelten: •• Ausgangsschmerz und Art des chirurgischen Eingriffs •• genetische Faktoren •• präoperative Schmerzbeeinträchtigung und Schmerzerwartung •• präoperativ chronischer Opioidgebrauch. Literatur beim Autor Univ.-Prof. Dr. med. Michael Schäfer Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt op. Intensiv medizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Augustenburgerplatz 1, 13353 Berlin CONFERENCES 13

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