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Leseprobe CONNEXI SCHMERZ Ausgabe 1-2019

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SCHMERZ

SCHMERZ 2019 CONFERENCES Arzt wird zudem durch ärztlich moderierte Foren und Expertenchats intensiviert. SMARTGEM ist eines der beiden vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderten und von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. begleiteten eHealth- Forschungsprojekte (https://innovationsfonds.g-ba. de/projekte). „Über die Qualität und Wirksamkeit dieser Smartphone-Apps insgesamt wissen wir leider noch nicht genug. Es fehlen regulatorische Vorgaben und eine wissenschaftlich fundierte Auswertung“, gab Privat dozent Dr. med. Tim Jürgens, Kongresspräsident des Deutschen Schmerzkongresses 2018 und Ärztlicher Leiter des Kopfschmerzzentrums Nord- Ost, Universitätsmedizin Rostock, zu bedenken. Und: „E-Health-Anwendungen, Telemedizin und Apps müssen eine wissenschaftliche Evidenz haben, bevor sie ‚offiziell‘ in den Behandlungsalltag eingehen können”. Außerdem brauche es Standards zum Datenschutz und zur Datensouveränität sowie zur Steuerung von Risiken dieser neuen Anwendungen. Migräneattacken mit Antikörper- Injektion vorbeugen In Deutschland leiden ca. 6−8 % der Männer und ca. 20 % der Frauen an Migräne. Obwohl die Ursache der Migräne noch nicht bekannt ist, sei eine überzeugende Hypothese, dass bestimmte Botenstoffe schmerzwahrnehmende Nervenfasern im Kopfbereich reizen und damit die Migräne auslösen“, sagte Privatdozentin Dr. med. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG) und Oberärztin an der Neurologischen Klinik, Ludwig-Maximilians-Universität München. Bei der Analyse der Stoffe, die den Kopfschmerz auslösen, stieß man in der Forschung auf den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related- Peptide), der in der Migräneattacke ausgeschüttet wird. „Der therapeutische Ansatz bestand darin, einen Antikörper zu entwickeln, der die Wirkung von CGRP blockiert. Entstanden ist eine ganz neue Medikamentenklasse, die vor allem für die Vorbeugung der Migräne und zur Reduzierung der Migränetage geeignet ist“, verdeutlichte Frau Förderreuther. Drei CGRP-Antikörper zeigten in Studien, dass sie wirksamer sind als Plazebo und zu einer signifikanten Abnahme der Migränetage führen. Alle drei Substanzen, die durch eine Spritze unter die Haut verabreicht werden, führten bereits sehr früh in den ersten vier Therapiewochen zu einem signifikanten Therapieeffekt und waren zudem gut verträglich. Die in den Studien dokumentierten Nebenwirkungen entsprachen in Art, Schwere und Häufigkeit den Nebenwirkungen, die unter Plazebo angegeben wurden. Eines der drei Medikamente (Erenumab) ist seit 1.11.2018 in deutschen Apotheken verfügbar (s. a. S. 40). Fremanezumab ist bereits in den USA zugelassen; für den europäischen Markt wird die Entscheidung erwartet. Galcanezumab hat die EU-Zulassung, für Deutschland wird sie erwartet. Die Frage, welche Patientengruppe für die Therapie mit Antikörpern besonders infrage komme, beantwortete Privatdozent Dr. med. Tim Jürgens und fasste damit die Meinung der DMKG als der zuständigen Fachgesellschaft zusammen: „In erster Linie sollten diejenigen Patienten mit den neuen Antikörpern behandelt werden, die schwer und häufig von Migräneattacken betroffen sind und bei denen bislang verfügbare Mittel nicht gut gewirkt haben oder die für sie nicht gut verträglich waren.“ Neue Schmerzkonzepte für Kinder Im Schnitt leidet jedes fünfte Kind mindestens einmal pro Woche unter Schmerzen – am häufigsten Kopfschmerzen, gefolgt von Bauch- und Rückenschmerzen. Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen leiden über mindestens drei Monate mehrmals pro Woche darunter und schrän- 8

ken sie in ihrer Alltagsaktivität oft stark ein. Bereits im Grundschulalter wird etwa bei jedem 75. Kind die Diagnose Migräne gestellt, die die betroffenen Kinder häufig ein Leben lang begleitet und negativ beeinträchtigt. Die Diagnostik und Versorgung von Kindern mit Migräne ist noch nicht hinreichend auf die spezifischen Belange dieser Zielgruppe zugeschnitten, heißt es in der Projektbeschreibung eines weiteren vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderten und von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft begleiteten Forschungsprojektes, das die Relevanz des Themas unterstreicht: MOMO (Entwicklungsbezogene, multimodale, interdisziplinäre Frühintervention im Rahmen eines strukturierten Therapiekonzeptes für Kinder mit Migräne – „Modules on migraine onset“ früher Child*M*FIRST) ist ein neues Versorgungskonzept für Kinder mit Migräne. Diese multimodale, interdisziplinäre Frühintervention hat das Ziel, die Lebensqualität und Langzeitprognose für diese Kinder zu verbessern. Hierzu tragen als Kern elemente eine standardisierte Migränediagnostik durch den Kinder- und Jugendarzt sowie eine multimodale interdisziplinäre Frühtherapie (FIRST) bei. Den Kinder- und Jugendärzten werden zur Diagnostik spezifische Instrumente zur Verfügung gestellt, mit denen sie sowohl die migränecharakteristischen Symptome als auch die psychologischen und sozialen Faktoren besser erfassen können. Kinder, bei denen Migräne diagnostiziert wurde, erhalten die Frühtherapie in einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ). Die Frühtherapie beinhaltet eine umfassende Diagnostik und Abgrenzung zu Kopfschmerzen, die andere Ursachen haben (z. B. Infektionen, Hirntumore). Es findet eine medizinische Therapie und eine kinderneurologische Beratung statt, die auch die Eltern einschließt. Zudem erhalten die Kinder physiotherapeutische Behandlungen. Darüber hinaus werden Untersuchungen durchgeführt, um psychische Belastungen zu bestimmen und diese zu behandeln. Im SPZ arbeiten Kinderärzte, Kinderneurologen, Psychologen und Physiotherapeuten eng zusammen. Die Effektivität des neuen Versorgungskonzeptes wird im Vergleich zur Regelversorgung untersucht. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 2,7 Millionen Euro gefördert. Im Erfolgsfall steht ein spezifisches, strukturiertes Versorgungskonzept zur Behandlung von Kindern mit Migräne zur Verfügung, welches in die bestehende Versorgungslandschaft übertragen werden kann (https://innovationsfonds.g-ba.de/ projekte). Cannabis in der Schmerztherapie Seit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes im März 2017 stehen Patienten (auch Kindern und Jugendlichen) mit schwerwiegenden Erkrankungen nun auch cannabisbasierte Arzneimittel zur Schmerzlinderung zur Verfügung. Die Gesetzes änderung hebt die bisherige Barriere bei der Kostenerstattung von cannabishaltigen Rezeptur- und Fertigarzneimitteln auf. Dies gilt sowohl für Fertigarzneimittel außerhalb der zugelassenen CONFERENCES 9

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