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Leseprobe CONNEXIPLUS 2020-2 Kardiorenale Achse

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erstes interdisziplinäres fachmagazin zu kardiologie, nephrologie und diabetologie sowie lipidologie, biomarkern und ernährung

EINE INTERDISZIPLINÄRE

EINE INTERDISZIPLINÄRE HERAUSFORDERUNG Tabelle 1: Übersicht über die häufigsten ATTRv-auslösenden Mutationen und entsprechender Phänotyp. Val30Met early onset (p.Val50Met) Val30Met late onset (p.Val50Met) connexiplus RARE DISEASES Abbildung 1: Typisches Bild einer kardialen Amyloidose in der Echokardiographie mit ausgeprägter Hypertrophie und charakteristischem Strain-Muster. Organmanifestation Altersgipfel linium-Enhancement (LGE)-Muster zur Darstellung, das die Differenzierung zu anderen hypertrophen Kardiomyopathien erlaubt. Abgrenzen von anderen Amyloidoseformen können jedoch ausschließlich die Biopsie mit immunhistochemischem Nachweis des Proteins und die Knochenszintigraphie, sofern eine AL-Amyloidose serologisch ausgeschlossen werden kann und eine eindeutige Mehrspeicherung des Myokards oberhalb des Knochenniveaus nachgewiesen wird. Bioptisch lässt sich ATTR-Amyloid bei der ATTRv häufig auch außerhalb des betroffenen Organs, beispielsweise im Bauchfett oder den Speicheldrüsen, nachweisen, bei der ATTRwt gelingt der Nachweis meist nur mittels Myokardbiopsie. Ein Gentest ist bei histologischem Nachweis von ATTR- Amyloid obligat. Therapie Ethnizität PNP, (Herz) >35 Jahre Portugal PNP, Herz >60 Jahre Schweden Val122Ile (p.Val142Ile) Herz >45 Jahre Afrika, USA Val20Ile (p.Val40Ile) Herz >55 Jahre Deutschland Abk.: PNP, Polyneuropathie Für die ATTRv mit Polyneuropathie ist seit 2011 der TTR-Stabilisator Tafamidis Meglumin (Vyndaqel®) für die Behandlung im Stadium I zugelassen. Seit 2018 liegt auch eine Zulassung für die zwei RNAi-Therapeutika Inotersen (Tegsedi®) und Patisiran (Onpattro®) vor. Beide Medikamente dürfen in den Stadien I und II eingesetzt werden und supprimieren auf RNA-Ebene die Produktion des krankheitsauslösenden Proteins Transthyretin. Nur noch selten wird heute hingegen eine Lebertransplantation durchgeführt. Zur Behandlung des kardialen Phänotyps der ATTRv sowie der ATTRwt wurde Tafamidis in der Dosierung 61 mg (Vyndaqel®) im Februar 2020 zugelassen, zudem befinden sich Phase-3-Studien für RNAi-Therapeutika in Vorbereitung. Gemein haben alle bisher verfügbaren Therapien, dass lediglich ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden kann und daher eine frühe Therapie-Initiierung essenziell ist. Bei einer isolierten, fortgeschrittenen kardialen Beteiligung ist unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Herztransplantation denkbar. Fazit Die beiden Formen der ATTR-Amyloidose, die seltene hereditäre Form und die mutmaßlich noch unterdiagnostizierte Wildtypform, sind heutzutage medikamentös behandelbar und stellen eine interdisziplinäre Herausforderung für Internisten und Neurologen dar. Erkrankte profitieren von einer frühen Diagnosestellung, sodass bei bestimmten Symptomkombinationen und Red Flags die Erkrankung differenzialdiagnostisch in Betracht gezogen werden sollte. Die Auswahl des diagnostischen Werkzeugs (MRT, Biopsie, Szintigraphie) sollte dabei im Hinblick auf die vermutete Form erfolgen. Prof. Dr. med. Arnt V. Kristen Kardiovaskuläres Zentrum Darmstadt Ärztehaus 2, Mathildenhöhe am Alice-Hospital Dieburger Straße 31c, 64287 Darmstadt Dr. med. Fabian aus dem Siepen Innere Medizin III Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie Im Neuenheimer Feld 410, 69120 Heidelberg 22

COROPREDICT Ein neues Instrument zur Risiko einschätzung in der Primär- und Sekundär prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen Alexander Dressel, Hamburg, und Winfried März, Mannheim, et al.* CoroPredict ist ein Instrument zur Risikoeinschätzung in der Primär- und Sekundärprävention von Herz- Kreislauf-Erkrankungen. Folgende Parameter fließen in die Auswertung ein: Alter, Geschlecht, bereits diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Werte verschiedener Biomarker aus Blutproben. Diese Biomarker liefern objektive Aussagen über den Glukose- und Fettstoffwechsel, die aktuelle Funktion von Herz und Nieren, Entzündungsprozesse und Lebensstilparameter. Die Ergebnisse werden in der folgenden Form dargestellt (Abbildungen 1–3): • Tabelle mit den Werten der folgenden Biomarker aus dem Blut, mit Radar-Karte: Glukose, HbA1c, Triglyceride, HDL-C, LDL-C (Glukose- und Lipidstoffwechsel); NT-pro BNP, hsTnT/hsTnI, Cystatin-C-basierte GFR (kardiovaskuläre und renale Funktion); hsCRP (Entzündungsparameter); Galektin 3 (bzw. Lp(a)) bei diagnostizierter (bzw. bisher nicht diagnostizierter) Herz-Kreislauf-Erkrankung; Cotinin, 25-hydroxy-Vitamin D (Rauchen/Le bensstil). • Ein automatisch erstellter Diagnosetext entsprechend dem Status der kardiovaskulären Gesundheit und den oben aufgezählten Biomarkern. • Eine Risikoeinschätzung für das Auftreten eines tödlichen kardiovaskulären Ereignisses in den nächsten zehn Jahren, errechnet aus dem Coropredict-Score und dem zugehörigen biologischen Alter des Herzens. Unser Ziel ist es, den Coropredict-Score bezüglich seiner Trennschärfe und Kalibrierung genauer zu untersuchen, indem wir den Test auf die Daten der folgenden drei Nachbeobachtungs-Studien anwenden: • DETECT (Diabetes and Cardiovascular Risk Evaluation: Targets and Essential Data for Commitment of Treatment), • getABI (German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Indes), • VIVIT (Vorarlberg Institute for Vascular Investigation and Treatment study). Methoden Lernprozess Der Coropredict-Score beruht auf den Nachbeobachtungsdaten der LURIC-Studie (Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health Study) [1] und besteht aus einer Formel zur Risikoeinschätzung auf Basis der Cox-Regression. Berechnet wird das Langzeitrisiko für tödliche kardiovaskuläre Ereignisse. Die Datenbasis besteht aus entsprechend ausgewählten Subpopulationen je nach der Art der Prävention: LURIC (Primärprävention): • keine fehlenden Follow-up-Daten, • Alter bei Studienbeginn zwischen 20 und 75 Jahren, • (kein akutes Koronarsyndrom und keine koronare Herzerkrankung) oder (stabile koronare Herzerkrankung und kein Herzinfarkt) bei Studienbeginn, • n=1.369 (857 männlich, 512 weiblich), • mittleres Alter: 60,3 Jahre, (SD 10 Jahre), • #(Ereignisse)=121, mittlere (mediane) Nachbeobachtungszeit: 9,3 (10,1) Jahre LURIC (Sekundärprävention): • keine fehlenden Follow-up-Daten, • stabile koronare Herzerkrankung bei Studienbeginn, • n=1.453 (1.092 männlich, 361 weiblich), • mittleres Alter: 64,2 Jahre, (SD 9,5 Jahre), • #(Ereignisse)=335, mittlere (mediane) Nachbeobachtungszeit: 8,5 (9,8) Jahre connexiplus BIOMARKERS 23

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