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Leseprobe CONNEXIPLUS 2020-2 Kardiorenale Achse

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HERZINSUFFIZIENZ Die

HERZINSUFFIZIENZ Die Multisystemerkrankung Herzschwäche erfordert interdisziplinäre Ansätze ©Science Photo Library/Roger Bick, Brian Poindexter, UT Medical School Die chronische Herzinsuffizienz (cHI) ist eine der häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Die Ergebnisse einer Prävalenzstudie zeigten eine deutliche Zunahme der HI-Prävalenz in der letzten Dekade sowie ein hohes Maß an Multimorbidität der Patienten [1]. Den dringenden Handlungsbedarf bei der Entwicklung neuer diagnostischer Methoden und Therapieoptionen zeigt auch die Tatsache, dass zunehmend jüngere Leute Risikofaktoren aufweisen. connexiplus Rund drei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzinsuffizienz, die mit einer drastischen Einschränkung ihrer Lebensqualität verbunden ist. Prävalenz und Krankheitskosten steigen kontinuierlich. Dieser deutliche Zuwachs kann primär auf die demografische Alterung der Bevölkerung zurückgeführt werden. So nahm die Zahl der Menschen mit HI im Alter von mindestens 75 Jahren zwischen 2009 und 2017 um 24 % zu, die Anzahl im Alter von mindestens 90 Jahren stieg sogar um 60 %. Auffallend ist zudem eine unterschiedliche regionale Verteilung der Erkrankungshäufigkeit, 40

die vor allem auf erhebliche Unterschiede in der Altersstruktur der Bundesländer zurückgeführt wurde. Diese Erhebungen, so kommentieren die Autoren der Prävalenzstudie des Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi) [1], verdeutlichen eine große Herausforderung für die zukünftige medizinische Versorgung, um die lebensbedrohliche, das Gesundheitssystem enorm belastende Erkrankung einzudämmen. Strategie: Eng vernetzen, gezielt forschen, besser versorgen Um den gestiegenen Anforderungen zukünftig gerecht zu werden, gibt es in Deutschland verschiedene Initiativen und Projekte, die zur Verbesserung der flächendeckenden bedarfsgerechten Versorgung von HI-Patienten beitragen sollen. Herausragende Beispiele sind • der Aufbau und die Organisation von Herzinsuffizienz-Netzwerken (HF-NETs) und Herzinsuffizienz-Einheiten (Heart Failure Units, HFUs) zur Optimierung der Behandlung der akuten und cHI, • die Etablierung des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) zur Entwicklung neuer Konzepte und effektiver Strategien für die Di a- gnostik, Prävention und Therapie der HI oder auch • das Projekt Telemed5000 für die telemedizinische Mitbetreuung bei Herzerkrankungen. Herzinsuffizienz-Netzwerke und -Einheiten Bereits 2016 hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz und Gefäßchirurgie (DGTHG) Empfehlungen für den Ausbau von HF- NETs vorgelegt, die modular auf den verschiedenen Versorgungsebenen in „Heart Failure Units“, d. h. HFU-Schwerpunktpraxen/-ambulanzen, HFU- Schwerpunktkliniken sowie überregionalen HFU- Zentren organisiert sind und damit überprüfbare Qualitätsmerkmale für die sektorenübergreifende Versorgung von HI-Patienten aufweisen. Das dazu vorgelegte Positionspapier wurde von der Kommission für Klinische Kardiologie mit Vertretern von DGK, DGTHG sowie des Bundes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und der Arbeitsgemeinschaft Leitender Kardiologischer Krankenhausärzte (ALKK) erarbeitet. Es formuliert die Voraussetzungen,die von den modularen HFUs im HF-NET für eine Zertifizierung erfüllt sein sollen. Es wird angestrebt, stationäre Module unterschiedlicher Versorgungsintensität und Module für die strukturierte poststationäre Langzeitbetreuung zu verzahnen. Somit ist die bedarfsgerechte Patientenversorgung nach aktuellem Wissensstand, die das individuelle medizinische und soziale Umfeld der Patienten berücksichtigt, lückenlos gewährleistet. Ziele der HF-NETs sind zum einen die Etablierung eines strukturierten Entlassmanagements, das die Kommunikation zwischen Patienten, Angehörigen und Hausärzten effektiver gestalten soll, damit drohende Dekompensationen besser erkannt und früher therapiert werden können. Zum anderen soll in den Netzwerken zusätzlich zur hausärztlichen Versorgung eine ambulante spezialfachärztliche, wenn nötig multidisziplinäre Mitbetreuung und längerfristige Anbindung an spezialisierte Versorgungseinrichtungen forciert werden. Auch die engere Kooperation von ärztlichen und nichtärztlichen Leistungserbringern wird gefördert. Durch diese Maßnahmen kann die Langzeitprognose herzinsuffizienter Patienten deutlich verbessert werden. Mittlerweile haben sich bundesweit bereits zahlreiche solcher regionaler Netzwerke organisiert, es gibt 32 überregionale HFU-Zentren, 37 HFU- Schwerpunktkliniken sowie 46 zertifizierte HFU- Schwerpunktpraxen (Stand 25.3.2020) [2]. connexiplus 41

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