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Leseprobe CONNEXIPLUS 2020-2 Kardiorenale Achse

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COVID-19 Das Herz in der

COVID-19 Das Herz in der Pandemie © Stockcrafter/Alamy Stock Foto Die Krankheitsverläufe der Coronavirus-Erkrankung sind wenig spezifisch und variieren stark von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod [1]. SARS-CoV-2 verursacht dabei nicht nur eine virale Lungenentzündung, sondern hat auch erhebliche Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System. Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie männliches Geschlecht, fortgeschrittenes Alter, Diabetes, hoher Blutdruck und Adipositas sowie Patienten mit etablierten kardiovaskulären Erkrankungen wie arterielle Hypertonie und Herzinsuffizienz wurden als besonders gefährdete Populationen mit erhöhter Morbidität und Mortalität bei COVID-19 identifiziert. connexiplus Auch wenn die genaue Prävalenz und Ätiologie noch nicht zuverlässig angegeben werden kann, eine kardiovaskuläre Beteiligung bei Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung ist häufig. In den letzten Wochen hat es immer wieder Berichte von Patienten gegeben, die im Rahmen einer SARS- CoV-2-Infektion schwere Herzmuskelschäden erlitten. Eine Kardiomyopathie kann die Folge einer Myokarditis, einer systemischen Entzündung und/ oder einer mikrovaskulären Dysfunktion sein. Kardiale Beteiligung bei COVID-19 Ein beträchtlicher Anteil der Patienten entwickelt im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion eine kardiale Schädigung, was ein erhöhtes Risiko für eine Sterblichkeit im Krankenhaus (in hospital mortality; IHM) zur Folge hat [2]. In den letzten Wochen wurde unter anderem von Medizinern aus Wuhan, dem Zentrum der Pandemie in China, berichtet, dass es bei einem Fünftel aller Patienten zu einem Anstieg des hochsensitiven Troponin T kommt und dass diese Patienten eine deutlich schlechtere Prognose aufweisen. Abgesehen von arteriellen und venösen thrombotischen Der Nachweis einer kardialen Beteiligung ist bei COVID-19 mit einer schlechteren Prognose assoziiert . Komplikationen, die sich als akute Koronarsyndrome (ACS) und venöse Thromboembolien (VTE) manifestieren, spielt die Myokarditis bei Patienten mit akuter Herzinsuffizienz eine wichtige Rolle. Darüber hinaus wurde über ein breites Spektrum 8

COVID-19 von Arrhythmien berichtet, die den Verlauf von COVID-19 erschweren, einschließlich möglicher pro-arrhythmischer Effekte einer auf COVID-19 und assoziierte Krankheiten ausgerichteten medizinischen Behandlung [2]. Die wichtigste Säule bei der Behandlung von herzkranken Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung ist die supportive Therapie. Es gibt, so die Experten des American College of Cardiology (ACC), derzeit keine Belege dafür, dass die Behandlung dieser Patienten anders gehandhabt werden sollte als bei anderen entzündlichen oder „gemischten“ Schockzuständen [3]. Herzinsuffizienz und COVID-19 Wenn zur Herzschwäche noch eine Infektion mit SARS-CoV-2 kommt, ist das besonders riskant für die Betroffenen. Patienten mit Herzinsuffizienz sind meist älter und haben zusätzliche Begleiterkrankungen, stellen also ein hochgefährdetes Risikokollektiv für COVID-19 dar. Stabile Patienten mit Verdacht auf kardiovaskuläre Beteiligung sollten die leitliniengesteuerte medikamentöse Therapie der Herzinsuffizienz fortsetzen Die European Society of Cardiology hat entsprechende Empfehlungen für die Diagnose und das Management der chronischen Herzinsuffizienz während der COVID- 19-Pandemie herausgegeben. Eine Zusammenfassung der Kernaussagen (Stand 21. April 2020 ) finden Sie im Kasten [4]. ACE-Hemmer und Sartane Herzinsuffizienz- und Bluthochdruck-Patienten haben als Standardtherapie ACE-Hemmer. Angiotensin Converting Enzyme (ACE) 2, das in Lunge, Herz und Gefäßen exprimiert wird, ist ein Schlüsselmolekül des Renin-Angiotensin-Systems (RAS), das auch für die Pathophysiologie der Herzinsuf- Chronische Herzinsuffizienz und COVID-19 – Kernaussagen der ESC • Das Risiko schwer zu erkranken, kann bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz aufgrund des fortgeschrittenen Alters und des Vorhandenseins mehrerer Komorbiditäten höher sein. • Bei Herzinsuffizienz-Patienten, bei denen der Verdacht auf eine COVID-19-Infektion besteht, können eine routinemäßige klinische Untersuchung, Temperaturmessung (berührungsloses Messen mit einem Infrarotthermometer), EKG (Arrhythmien, Myokardischämie, Myokarditis), Röntgen-Thorax (Kardiomegalie, COVID-19-Pneumonie) und Laborbefunde (erhöhte Sedimentationsrate, Fibrinogen und C-reaktives Protein sowie Lymphozytopenie) diagnostische Hinweise liefern. • Transthorakale Echokardiographie und Thorax-CT-Scan können zur weiteren Beurteilung herangezogen werden. • Besondere Aufmerksamkeit sollte der Verhinderung der Virusübertragung auf das medizinische Personal und der Kontamination der Geräte zuteil werden. • Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sollten die empfohlenen Schutzmaßnahmen zur Infektionsprävention strikt befolgen. • Ambulante stabile Herzinsuffizienz-Patienten (ohne kardiale Notfälle) sollten von Krankenhausbesuchen absehen. • Die leitlinienorientierte medikamentöse Therapie (einschließlich Betablocker, ACEI, ARB oder Sacubitril + Valsartan und Aldosteronantagonisten) sollte bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz unabhängig von COVID-19 fortgesetzt werden. • Telemedizin sollte, wann immer möglich, in Betracht gezogen werden, um bei stabilen Herzinsuffizienz-Patienten medizinische Beratung und Nachsorge zu gewährleisten. (Modifiziert nach [4], Stand: 28. April 2020) connexiplus 9

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