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Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

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Fachmagazin zu COVID-19

COVID-19 UND NIERE Wie SARS-CoV-2 die Niere schädigt Elion Hoxha, Hamburg connexiplus Das akute Nierenversagen ist eine häufige Komplikation von COVID-19 [1]. Ein akutes Nierenversagen kann sich sowohl bei Patienten mit vorbestehender chronischer Niereninsuffizienz als auch bei zuvor nierengesunden Patienten entwickeln, betrifft aber besonders häufig Patienten mit schweren Krankheitsverläufen. Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz zeigen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19, höhere Hospitalisierungsraten aufgrund von COVID-19 und eine erhöhte Mortalität an COVID- 19 [2, 3]. Vor allem Dialysepatienten mit COVID-19 weisen eine sehr hohe Letalität auf, die in Deutschland – ähnlich wie in anderen Industrienationen – bei etwa 20 % liegt [4]. Autopsiestudien haben gezeigt, dass das severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS- CoV-2) nicht nur die Atemwege befällt, sondern auch andere Organe und häufig in den Nieren nachgewiesen werden kann [5, 6]. Ein akutes Nierenversagen entwickelt sich bei bis zu 46 % der hospitalisierten COVID-19-Patienten, während bei intensivpflichtigen Patienten die Häufigkeit eines akuten Nierenversagens sogar bei 76 % liegen kann [7]. Patienten mit akutem Nierenversagen 12

haben ein erhöhtes Risiko, eine mechanische Beatmung oder eine intensivmedizinische Behandlung zu benötigen und weisen eine deutlich erhöhte Mortalität auf [7, 8]. Daten aus Deutschland zeigen ein Nierenversagen bei 23 % der hospitalisierten Patienten mit COVID-19 [9]. Die Mortalität ist mit 73 % besonders hoch bei Patienten, die im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung beatmet und dialysiert werden müssen [9]. Pathophysiologie Die genaue Pathophysiologie des akuten Nierenversagens bei Patienten mit COVID-19 ist nicht im Detail verstanden, es handelt sich aber sehr wahrscheinlich um eine multifaktorielle Genese. Eine wichtige Rolle in der Ätiologie der Nierenschädigung spielen ischämische und (medikamenten-)toxische Tubulusschäden, die bei Biopsie- und Autopsiestudien bei COVID-19-Patienten häufig beschrieben werden [10–13]. Besonders bei schweren Verläufen können unter anderem hämodynamische Faktoren im Rahmen der systemischen Inflammation bei SARS-CoV-2-Infektion, Sepsis, Hypovolämie, mechanische Beatmung, Kreislaufunterstützung und Entstehung von Mikrothromben zu einem akuten Tubulusschaden führen. In Nierenbiopsien von Patienten mit COVID-19 ist ein tubulärer Schaden die häufigste Manifestation, aber auch eine Vielzahl anderer Pathologien wurden beschrieben, dazu zählen unter anderem glomeruläre Schäden (fokale segmentale Glomerulosklerose), thrombotische Mikroangiopathie und myoglobin casts [13]. Gleichzeitig konnte mittels verschiedener Methoden (Immunfluoreszenz, RNA-Identifikation etc.) gezeigt werden, dass SARS-CoV-2 in der Niere von an COVID-19 verstorbenen Patienten nachgewiesen werden kann [5, 6]. Diese Viren waren replikationsfähig, und der renale Befall war mit einer Priv.-Doz. Dr. med. Elion Hoxha ehoxha@uke.de höheren Rate an akutem Nierenversagen assoziiert [6]. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Angiotensin-Converting-Enzyme-(ACE)2-Rezeptor, der wichtig für die Einschleusung von SARS-CoV-2 in den Zellen ist, an verschiedenen Zellenpopulationen der Niere, vor allem Tubuluszellen, exprimiert wird [14–16]. Frühe renale Auffälligkeiten Bei hospitalisierten COVID-19-Patienten zeigten sich bereits sehr früh renale Auffälligkeiten wie Hämaturie und Proteinurie, die wiederum mit einer schlechteren Prognose und höheren Mortalität assoziiert waren [2, 17]. Die Proteinurie geht mit einer verhältnismäßig schwach ausgeprägten Albuminurie einher und wird auch dann häufig beobachtet, wenn die Nierenfunktion normal ist und kein akutes Nierenversagen vorliegt [17]. Eine Proteinurie über 1 g/g Kreatinin war mit einer schlechteren Prognose assoziiert. Ein Algorithmus zur Prognoseabschätzung von COVID-19 anhand einer einfachen Urinanalyse wurde vorgeschlagen, connexiplus 13

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