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Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

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Fachmagazin zu COVID-19

„Kollateralschäden“

„Kollateralschäden“ der Pandemie Dr. med. Paul Baum paul.baum@medizin.uni-leipzig.de Prof. Dr. med. Ulrich Laufs ulrich.laufs@medizin.uni-leipzig.de Mit zunehmender Inzidenz von COVID-19 sinkt die Anzahl der im Krankenhaus behandelten akuten Koronarsyndrome weltweit [12]. Diese Beobachtung scheint auf den ersten Blick paradox, da pathophysiologisch aufgrund der aktivierten Gerinnung im Rahmen der virusbedingten Koagulopathie ein umgekehrter Effekt zu erwarten wäre. Im Gegensatz zur reduzierten Anzahl im Krankenhaus behandelter Herzinfarktpatienten steigt die kardiovaskuläre Mortalität [12, 13]. Mutmaßlich nimmt also nicht die Inzidenz der kardiovaskulären Ereignisse ab, vielmehr kontaktieren die Brustschmerzpatienten aus Angst vor einer COVID- 19-Infektion keinen Arzt oder kommen verspätet ins Krankenhaus. Demzufolge werden aktuell vermehrt schwere Komplikationen eines protrahierten Infarktgeschehens wie Ventrikelruptur, Ventrikelseptumdefekt oder schwere Herzinsuffizienz beobachtet (Abbildung 3). Therapeutisch können diese Komplikationen nur durch eine zeitkritische Revaskularisierungsstrategie mittels invasiver Koronardiagnostik und Stentimplantation verhindert werden. Allgemein sollten daher kardiovaskuläre Patienten während der Pandemie dazu ermutigt werden, trotz der Ansteckungsgefahr, beim Auftreten von Symptomen wie Brustschmerz oder Dyspnoe zeitnah einen Arzt zu kontaktieren. „Long-COVIDund Herz connexiplus delt. Nachfolgend ist therapeutisch die optimale Einstellung der kardiovaskulären Risikofaktoren, das heißt der Hypercholesterinämie, dem Diabetes mellitus II, der arteriellen Hypertonie sowie Nikotin- und Alkoholkarenz zur Vermeidung eines Progresses der Arteriosklerose von der ESC empfohlen [11]. Unter Long-COVID werden Krankheitssymptome subsumiert, die länger als drei Wochen nach ausgeheilter Infektion persistieren. Diese Symptome treten bei ca. 10 % der COVID-19-Patienten unabhängig vom initialen Krankheitsverlauf auf [14]. In diesem Zusammenhang sind chronischer Husten, ausgeprägte Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Brustschmerzen, Luftnot, Geschmacks- und 20

COVID-19 UND HERZ Geruchsverlust, Appetitlosigkeit, Schwindel, plötzliches Erbrechen, Übelkeit, aber auch neurologische Symptome wie Merkfähigkeits-, Wortfindungsund Gedächtnisstörungen beschrieben. Risikofaktoren für das Auftreten eines Long-COVID scheinen Adipositas und weibliches Geschlecht zu sein [15]. Die Genese dieser Symptome bzw. einzelner Krankheitsentitäten sind pathophysiologisch noch nicht geklärt. Die aktuelle diagnostische und therapeutische Strategie beschränkt sich auf den Ausschluss von COVID-19-bedingten Komplikationen wie der Myokarditis, der Lungenembolie und dem akuten bzw. chronischen Koronarsyndrom sowie der Lungenfunktion sowie eine Blutdruck- und EKG-Überwachung simultan durchgeführt. Bei guter kardiorespiratorischer Funktion kann von einer psychogenen Komponente der Beschwerden ausgegangen werden. Insgesamt nimmt die Anzahl der Patienten mit persistierenden Long-COVID- Symptomen mit der Zeit ab [15]. Dennoch verbleibt bei vielen COVID-19-Patienten die Angst, sich wieder körperlich zu belasten. Zu dieser Thematik wird ein langsamer Wiederbeginn mit leichter Belastung (Gartenarbeit/Spaziergänge) sieben Tage nach Auftreten der letzten COVID-19-Symptome empfohlen [16]. Außerdem wird eine Steigerung Bei COVID-19 treten häufig prognoserelevante kardiovaskuläre Komplikationen auf. der adäquaten Behandlung von Komorbiditäten. Zum Ausschluss dieser Komplikationen sollten aus kardiologischer Sicht bei anamnestisch persistierender Belastungsluftnot und Brustschmerzen ein Ruhe-EKG und die Bestimmung der kardialen Biomarker (Troponin T/D-Dimer) erfolgen. Im Falle von pathologischen Veränderungen bzw. persistierendem klinischen Verdacht auf eine kardiovaskuläre Komplikation ist eine Überweisung an den kardiologischen Facharzt mit weiterführender Diagnostik mittels Echokardiografie (Abbildungen 1–3) und gegebenenfalls kardialer MRT-Untersuchung bzw. CT-Angiografie indiziert. Nach Ausschluss kardiovaskulärer Komplikationen gelingt eine Differenzierung und Objektivierung der kardialen bzw. pulmonalen Leistungseinschränkung des Patienten mittels spiroergometrischer Belastungsuntersuchung. Dabei werden unter einer Fahrradbelastung des Patienten eine spirometrische Untersuchung der Belastung im Sieben-Tages-Intervall über fünfminütige sportliche Übungen zu 30-minütigem Training bis hin zur Vollbelastung angeraten, wenn die Patienten unter Belastung symptomfrei bleiben [16]. Viele Aspekte der Diagnose und Therapie von Long-COVID müssen jedoch noch wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Fazit Im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung treten häufig prognoserelevante kardiovaskuläre Komplikationen auf. Um kardiovaskuläre Kollateralschäden zu verhindern und das Outcome der Patienten zu verbessern, ist eine zeitnahe Diagnostik und adäquate Therapie dieser Komplikationen notwendig. Dies sollte sowohl in der akuten Phase unter größtmöglichem Infektionsschutz des medizinischen Personals als auch bei der Evalua- connexiplus 21

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