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Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

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Fachmagazin zu COVID-19

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren Neben der LDL-Hypercholesterinämie ist auch die Hypertriglyceridämie mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert. Der Einsatz und die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäure-Präparaten in diesem Kontext ist umstritten. In der REDUCE-IT-Studie aus dem Jahr 2019 wurden mehr als 8.000 Patienten mit Atherosklerose und erhöhten Triglyceriden mit der spezifischen Omega- 3-Fettsäure Icosapent-Ethyl (EPA) in reiner Form und in hoher Dosierung (4 g pro Tag) im Vergleich zu Mineralöl als Placebo über knapp fünf Jahre hinweg behandelt. Die Hypertriglyceridämie als Einschlusskriterium erhöht das Lipid-bezogene Risiko des Kollektivs, war aber nicht das Therapieziel. Die Ergebnisse zeigten einen signifikanten Effekt auf das kardiovaskuläre Risiko mit einer 25%igen Reduktion der primären Endpunkte (Myokardinfarkt, kardiovaskulärem Tod und Schlaganfall) und auch der Rate an Revaskularisierungen. Diese Effekte sind nicht durch eine Triglycerid-Senkung erklärt. Der genaue Wirkmechanismus von EPA ist unvollständig verstanden, jedoch vermutlich dosisabhängiger Natur. Es zeigte sich eine gute Verträglichkeit und Sicherheit der Substanz, bei jedoch leicht erhöhter Rate an Vorhofflimmern in der Interventionsgruppe [5]. Die Daten von REDUCE-IT werden durch die ältere JELIS-Studie unterstützt, die bei japanischen Patienten mit Hypercholesterinämie in einem nichtverblindeten, randomisierten Design mit 1,8 g EPA zusätzlich zu Statinen eine 19%ige relative Risikoreduktion für koronare Ereignisse berichtet hatte. JELIS hatte keine Placebokontrolle. Zum Teil kritisch diskutiert wurden die Daten zu isoliertem EPA nach Publikation der großen STRENGTH-Studie im Jahr 2020, in der ein Mischpräparat aus hochdosiertem EPA und Docosahexaensäure (DHA) mit einem Maisöl-Placebo verglichen wurde. STRENGTH zeigte im Gegensatz zu REDUCE-IT ein neutrales Ergebnis. Auch eine weitere Studie mit einem hochdosiertem Mischpräparat (OMEMI) war neutral. In den drei Studien REDUCE-IT, STRENGTH und OMEMI wurde eine geringe Erhöhung von Vorhofflimmern beobachtet. Zusammengefasst liegen mit JELIS und REDUCE- IT zwei positive Studien für Icosapent-Ethylsäure in reiner Form vor. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat Mineralöl als Vergleichs- LDL-Cholesterin Triglyceride Lipoprotein(a) RNA-basierte Therapien connexiplus • Markteinführung des ATP- Citratlyase-Inhibitors Bempedoinsäure (laufende Endpunktstudie CLEAR-Outcomes) • Markteinführung von Inclisiran, einer small inhibiting RNA zur intrazellulären PCSK9-Hemmung (laufende Endpunktstudie ORION-4) • PCSK9-Antikörper Alirocumab wieder auf dem deutschen Markt erhältlich • Debatte zu Omega-3- Fettsäuren nach REDUCE-IT Studie (EPA mit großem Potenzial zur Senkung des kardiovaskulären Risikos) • RNA-basierte Therapien mit den Therapiezielen Apolipoprotein CIII (z. B. Volanesorsen) und Angiopoietin-like-3 (z. B. Vupanorsen) • RNA-basierte Therapien zur spezifischen Senkung in laufender Phase-III-Studie (HORZION) mit Pelacarsen • Neue therapeutische Angriffspunkte zur Senkung des LDL-Cholesterins, der Triglyceride und Lipoprotein(a) • Subkutane Injektionen mit großen Dosierungsintervallen Abbildung 3: Neue Therapiemöglichkeiten von Fettstoffwechselerkrankungen. 26

DYSLIPIDÄMIEN Fazit Paulina Stürzebecher paulina.stuerzebecher@medizin.uni-leipzig.de Basierend auf der Wirkweise stellt die Bempedoinsäure eine vielversprechende Therapieoption insbesondere für Patienten mit statinassoziierten Muskelschmerzen dar. Im Bereich der PCSK9-Hemmung steht neben den PCSK9-Antikörpern Evolocumab und Alirocumab seit Februar 2021 mit Inclisiran eine small inhibiting RNA zur Hemmung von intrazellulärem PCSK9 mit einer Wirkdauer von sechs Monaten zur Verfügung. Die REDUCE-IT-Studie zeigt eine deutliche Risikoreduktion durch reines EPA in hoher Dosierung. Weitere Studien müssen noch offene Fragen zum Thema der Omega-3-Fettsäuren klären (Abbildung3). Prof. Dr. med. Ulrich Laufs ulrich.laufs@medizin.uni-leipzig.de substanz akzeptiert. Selbst im Falle eines gewissen Nocebo-Effektes bliebe die Studie positiv. Die Erhöhung der EPA-Serumkonzentration in STRENGTH und OMEMI war weniger stark ausgeprägt als in REDUCE-IT, daher könnte es sein, dass hier ein Dosisproblem vorliegt. Auf dem Boden von experimentellen Daten kann diskutiert werden, ob DHA möglicherweise positive Effekte von EPA aufhebt, hier ist jedoch eine endgültige Interpretation der Datenlage schwierig. Offen bleibt der genaue zelluläre Mechanismus von EPA. Festzuhalten ist, dass in allen Studien die Omega-3-Fettsäuren eine ausgezeichnete Verträglichkeit und Sicherheit aufwiesen. Weitere grundlagenwissenschaftliche und klinische Studien sind wünschenswert. Referenzen 1. Pinkosky SL, Newton RS, Day EA et al. Liver-specific ATP-citrate lyase inhibition by bempedoic acid decreases LDL-C and attenuates atherosclerosis. Nat Commun 2016; 7: 13457. 2. Katzmann J, Laufs U. Bempedoinsäure – Wirkmechanismus und klinische Studien. Aktuel Kardiol 2020; 9: 381–6. 3. Katzmann JL, Packard CJ, Chapman MJ et al. Targeting RNA with antisense oligonucleotides and small interfering rna: JACC State-of-the-Art Review. J Am Coll Cardiol 2020; 76(5): 563–79. 4. Cupido AJ, Kastelein JJP. Inclisiran for the treatment of hypercholesterolaemia: implications and unanswered questions from the ORION trials. Cardiovasc Res 2020; 116(11): e136–9. 5. Bhatt DL, Steg PG, Miller M et al; REDUCE-IT Investigators. Cardiovascular Risk Reduction with Icosapent Ethyl for Hypertriglyceridemia. N Engl J Med 2019; 380(1): 11–22. Paulina Stürzebecher Prof. Dr. med. Ulrich Laufs Klinik und Poliklinik für Kardiologie Universitätsklinikum Leipzig Liebigstraße 20, 04103 Leipzig connexiplus 27

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