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Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

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Fachmagazin zu COVID-19

connexiplus Im Rahmen

connexiplus Im Rahmen des NAPKON-Projekts sollen u. a. neurologische Langzeitfolgen genauer untersucht werden. Besonders wichtig ist dabei die Frage, ob die Viruserkrankung möglicherweise auch langfristig die Kognition beeinträchtigen kann oder sogar die Entstehung neurodegenerativer Folge erkrankungen (wie z. B. Alzheimer) im Alter begünstigt. Derzeit befinden sich die Komponenten der NAPKON-Plattform im Aufbau, die Arbeitsgruppe Neurologie unter der Leitung von DGN-Past-Präsidentin Professor Christine Klein, Lübeck, erarbeitet derzeit spezielle neurologische Fragestellungen für die Auswertung. COVID-19 bei chronischen neurologischen Erkrankungen Da das Immunsystem im Kontext von Viruserkrankungen wie COVID-19 eine Schlüsselrolle spielt, wirft das Fragen bzgl. neurologischer Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Myasthenia gravis, Autoimmun-Enzephalitis, CIDP, Neuromyelitis optica, Vaskulitis, Sarkoidose oder Guillain-Barré- Syndrom auf. Sollte die Therapie mit immunsuppressiven oder immunmodulatorischen Medikamenten, beispielsweise Alemtuzumab, Azathioprin, Cladribin, Cyclosporin A, Dimethylfumarat, Eculizumab, Fingolimod, Glatirameracetat, Immunglobuline (IVIG), Infliximab, Interferon-beta, Methotrexat, Mitoxantron, Mycophenolat Mofetil, Natalizumab, Ocrelizumab, Ozanimod, Prednisolon, Rituximab, Siponimod, Teriflunomid und Tocilizumab, weitergeführt werden? Unter ständiger Beobachtung der aktuellen Situation ist nach Einschätzung der DGN-Kommission Neuroimmunologie [7] in aller Regel keine grundsätzliche Änderung des jetzigen therapeutischen Vorgehens notwendig, allerdings sind besondere Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll. Bisher gebe es keine Hinweise, dass Patienten mit einer neurologischen Autoimmunerkrankung – auch mit einer Immuntherapie – ein erhöhtes Risiko haben, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken und an COVID-19 zu erkranken. Erste Studienergebnisse aus China, USA und Südeuropa unterstützen diese Einschätzung. Da immuntherapeutische Medikamente ein wichtiger Teil der Therapie von Autoimmunerkrankungen sind und die Unterbrechung der Behandlung zu einer deutlichen Verschlechterung führen kann, sollten immuntherapeutische Behandlungen fortgesetzt werden. Das gilt auch für Immuntherapien, die das Risiko für Atemwegserkrankungen erhöhen (z. B. Fingolimod, Siponimod). Sollten Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen geimpft werden? Welche Risiken sind evtl. mit einer Impfung verbunden? Diese und weitere Fragen, z. B. zur Auswahl des Impfstoffs und zur Rolle immunsuppressiver oder immunmodulatorischer Medikamente, hat die Klinische DGN- Kommission Neuroimmunologie im Blick [8]. Unter ständiger Beobachtung der aktuellen Situation ist nach deren Beurteilung in aller Regel eine Impfung zu befürworten, obwohl sich auf einige Fragen erst in den nächsten Monaten wissenschaftlich fundierte Antworten ergeben werden. Die drei bislang in Europa zugelassenen Impfstoffe, so heißt es im Kommentar der Kommission, stellen eine neue Generation genbasierter Impfstoffe dar, für die die traditionelle Einteilung in Tot- und Lebendimpfstoffe nicht mehr voll anwendbar ist. Dennoch gilt, dass keine vermehrungsfähigen Viren geimpft werden. Beim BioNTech- und Moderna-Impfstoff wird nur ein bestimmter Teil der Viruserbinformation (mRNA) gespritzt, beim AstraZeneca-Impfstoff dienen nichtvermehrungsfähige Adenoviren (Vektoren) dazu, den Bauplan für ein SARS-CoV-2-Oberflächenprotein einzuschleusen. Der Zulassung dieser drei Impfstoffe gingen sorgfältige klinische Prüfungen voraus. Inzwischen liegen Erfahrungen an weltweit vielen Millionen Geimpften sowohl mit den mRNA-Impfstoffen (BioNTech und Moderna) als auch mit dem Vektor-Impfstoff (AstraZeneca) 34

COVID-19 UND ZNS vor. Es ist von einer hohen Sicherheit der Anwendung auch bei Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen auszugehen. Zur aktuellen Problematik mit dem AstraZeneca- Impfstoff bezüglich beobachteter Nebenwirkungen wurde am 13.03.2021 eine Stellungnahme der DGN veröffentlicht (https://dgn.org/neuronews/ neuronews/stellungnahme-der-dgn-zur-sarscov2- impfung-mit-dem-impfstoff-von-astrazeneca/). Demnach ist derzeit ein möglicher Kausalzusammenhang der berichteten Einzelfälle zu cerebralen Sinusund Venenthrombosen (CSVT) mit der Impfung nicht abschließend beurteilbar, da zu mehreren Fällen nur wenige Informationen vorliegen. Es werde derzeit genau geprüft, ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und den Ereignissen besteht. „Selbst wenn die Impfung wesentliche Ursache für die Thrombosen bzw. die Gerinnungsstörung sein sollte, handelte es sich dennoch um eine extrem seltene Nebenwirkung, die durch die Vorteile der Impfung bei weitem aufgewogen wird. Gerade neurologische Spätfolgen sind nach Covid-19 nicht selten und können nur primärpräventiv durch eine Impfung verhindert werden“, so der Kommentar der DGN. Eine Impfung mit dem jeweils verfügbaren Impfstoff ist klar zu empfehlen. Dabei ist gemäß der Priorisierungsempfehlung durch die Ständige Impfkommission (STIKO) vorzugehen. Gemäß der Einschätzung der STIKO sei zu erwarten, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe bei immunsupprimierten Personen in Abhängigkeit von Art und Ausmaß der Immundefizienz geringer ausfallen wird. Es gibt aber bisher keine Hinweise, dass die Immuntherapie zu mehr Nebenwirkungen oder einer schlechteren Verträglichkeit führt, eine Unterbrechung der Therapie ist nicht sinnvoll. Laufende Studien werden zeigen, ob eine Kontrolle des Impferfolgs (z. B. durch Bestimmung neutralisierender Antikörper nach der Impfung) für die weitere Beratung und Behandlung von Patienten hilfreich sein kann. Outcome von Parkinson- und Demenz-Patienten Eine Auswertung des LEOSS-Registers [9], die 4.310 Patienten mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion einschloss, untersuchte den Verlauf und das Outcome von COVID-19 bei Patien ten mit Parkinson-Erkrankung und bei Demenzpatienten. Jeder Parkinson-Patient wurde in der Auswertung mit jeweils 15 gleichaltrigen, gleichgeschlechtlichen Kontrollpatienten gematcht und hinsichtlich des Outcomes und des Erkrankungsverlaufs verglichen, jeder Demenzpatient mit zwei Kontrollpatienten. Im Ergebnis zeigte sich, dass die SARS-CoV-2-assoziierte Gesamtsterblichkeit in der Parkinsongruppe 32,5 % und in der Demenzgruppe 32,1 % betrug und sich somit nicht signifikant von den Kontrollpatienten unterschied (28,7 % und 26,5 %). Lediglich die Subgruppe der weiblichen Demenzpatienten hatte gegenüber der Kontrollgruppe eine höhere Sterblichkeit. Ein Delir trat bei Demenzpatienten häufiger als bei den Patienten mit Parkinsonerkrankung oder den Kontrollen auf. Interessanterweise hatten die Demenzpatienten aber signifikant kürzere Liege- und Beatmungszeiten. Insgesamt kann konstatiert werden, dass die Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen weder eine höhere Sterblichkeit als die gleichaltrigen Kontrollpatienten noch schwerere Verläufe (gemessen an der Dauer der Hospitalisierung, Intensiv- und Beatmungspflichtigkeit) hatten. Referenzen: Quellen: 1. Pressemeldungen der DGN v. 08. und 29.01.2021 2. NeuroNews Journal Club COVID-19 https://dgn.org/ neuronews/journal-club/ connexiplus 35

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