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Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

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Fachmagazin zu COVID-19

COVID-19 UND DIABETES Auf den Blutzuckerspiegel achten Neben Alter, Adipositas und kardiovaskulären Erkrankungen gilt auch der Diabetes mellitus als Risikofaktor für einen schweren Verlauf von COVID-19. Diabetiker erkranken anscheinend nicht wesentlich häufiger, aber schwerer als Stoffwechselgesunde. Schon in den ersten Berichten aus China ist aufgefallen, dass unter den hospitalisierten COVID-19-Patienten überdurchschnittlich viele Diabetiker waren und dass die Infektion bei ihnen häufiger tödlich verlief. connexiplus Zu den möglichen pathogenetischen Mechanismen, die bei COVID-19 und Diabetes zu einem schlechteren Outcome und zu einer erhöhten Mortalität führen könnten, zählen Effekte auf die Glukose-Homöostase, Inflammation, ein veränderter Immunstatus und die Aktivierung des Renin- Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Auch gibt es erste Daten, die nahelegen, dass SARS- CoV-2 die insulinproduzierenden Zellen unmittelbar beeinflussen kann und Erstmanifestationen eines Typ-1-Diabetes früher auftreten und schwerer verlaufen, weil SARS-CoV-2 die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zusätzlich schädigt. Die Rolle der ACE2-Rezeptoren Über seine Eintrittspforte, das Rezeptorprotein ACE2, kann SARS-CoV-2 in verschiedenste Körperzellen gelangen. Zellen mit ACE2-Rezeptoren und TMPRSS2-Protease, die den Eintritt von SARS- CoV-2 ebenfalls begünstigt, kommen praktisch überall im Körper vor. Eine signifikante Expression von ACE2-Rezeptoren findet sich unter anderem in Zellen der Nasenschleimhaut, der Atmungs-, Herz-Kreislauf- und Verdauungsorganen, der Nieren sowie in vielen Hirnregionen. Inzwischen weiß man, dass auch endokrine Pankreaszellen den Ein- 36

trittsrezeptor ACE2 exprimieren und von SARS- CoV-2 infiziert werden. Hemmstoffe, die ACE2 und TMPRSS2 oder deren Bindung an das Spikeprotein des Virus ausbremsen, werden vor diesem Hintergrund als mögliche Kandidaten für die Prophylaxe oder Therapie von COVID-19 erforscht. Im Umkehrschluss wären Substanzen oder Stoffwechselbedingungen, welche Körperzellen für das Virus und die ACE2-Bindung empfänglicher machen, kritisch zu sehen. An diesem Punkt kommt der Blutzucker ins Spiel: Man geht davon aus, dass Veränderungen in der nichtenzymatischen Glykosylierung des ACE2 sowie des viralen Spike-Proteins, die beide durch eine unkontrollierte Hyperglykämie begünstigt werden, SARS- CoV-2 die Bindung an seinen zellulären Rezeptor erleichtert [1]. Aktuelle Daten klinischer Studien scheinen diesen pathophysiologischen Zusammenhang zu unterstützen. Qualität der Stoffwechseleinstellung 11.312 Patien ten waren 2.128 (18,9 %) an Diabetes erkrankt und 2.289 (20,4 %) verstarben während des Krankenhausaufenthalts. Die Wahrscheinlichkeit zu versterben war bei Patienten mit Hyperglykämie im Vergleich zu Patienten mit Normoglykämie deutlich erhöht. Die Rate der In-Hospital-Mortalität betrug bei einem BZ von 180 mg/dl 41,1 % (p180 mg/dl: HR 1,50; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 1,31–1,73; BZ 140–180 mg/dl: HR 1,48; 95 %-KI: 1,29-1,70). Die Ergebnisse waren unabhängig von einem vorbestehenden Diabetes. Auch die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung oder der Aufnahme auf die Intensivstation waren mit der Hyperglykämie assoziiert. Fazit Man weiß, dass an COVID-19 erkrankte Diabetiker mit einem hohen HbA1c-Wert häufiger eine intensivmedizinische Behandlung benötigen als gut eingestellte Patienten. Doch noch entscheidender als der HbA1c-Wert, der lediglich einen Rückschluss auf die Blutzuckereinstellung der letzten drei Monate erlaubt, scheint die aktuelle Blutzuckereinstellung zu sein. Eine große retrospektive Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Blutzuckerspiegel bei Krankenhausaufnahme und dem klinischen Outcome bei einer SARS-CoV‐2-Infektion. Carrasco-Sánchez et al. haben hierzu die Daten des spanischen SEMI- COVID-19-Registers ausgewertet, an dem sich 109 Kliniken des Landes beteiligen. Bis zum 29.05.2020 wurden die Daten von 11.312 Patienten gesammelt, deren Blutzuckerspiegel (BZ) bei der Aufnahme in die Klinik bestimmt worden war. Von den Während der COVID-19-Pandemie könnte eine strenge Kontrolle des Blutzuckerspiegels und die Vermeidung von Diabetes-Komplikationen bei Patienten mit Diabetes mellitus von entscheidender Bedeutung sein, um die Infektionsanfälligkeit niedrig zu halten und schwere Verläufe von COVID19 zu verhindern. Bericht: Rüdiger Zart Referenzen 1. Smith SM, Boppana A, Traupman JA et al. Impaired glucose metabolism in patients with diabetes, prediabetes, and obesity is associated with severe COVID-19. J Med Virol 2021; 93(1): 409–415. 2. Carrasco-Sánchez FJ, López-Carmona MD, Martínez- Marcos FJ et al.; SEMI-COVID-19 Network. Admission hyperglycaemia as a predictor of mortality in patients hospitalized with COVID-19 regardless of diabetes status: data from the Spanish SEMI-COVID-19 Registry. Ann Med 2020; 53(1): 103–16. connexiplus 37

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