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Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

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Fachmagazin zu COVID-19

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connexiplus aktualisierte Metaanalyse, die im British Medical Journal publiziert wurde [8]. Andere Auswertungen haben den schwereren Verlauf während der Schwangerschaft jedoch nicht nachweisen können [5, 9]. Letztlich scheint eine SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko einer Präeklampsie und von thromboembolischen Ereignissen assoziiert zu sein [6]. Als Ursache werden sowohl direkte kardiovaskuläre Komplikationen der SARS-CoV-2-Infektion aber auch indirekte inflammatorische Reaktionen diskutiert. Allerdings gehen neuere Untersuchungen davon aus, dass die schweren Verläufe während der Schwangerschaft eher durch Komorbiditäten als durch die Infektion selbst zu erklären sind [10]. Im CRONOS-Register wurden 169 Schwangere erfasst, die wegen COVID-19 stationär aufgenommenen wurden, davon wiesen 55 Frauen einen schweren Verlauf auf. Komplikationen treten bei COVID-19 insbesondere bei bestehenden Komorbiditäten wie Adipositas, Diabetes mellitus und Asthma vermehrt auf [11]. Auch folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen schweren COVID- 19-Verlauf während der Schwangerschaft: ein hoher BMI, Alter >35 Jahre und eine chronische Hypertension [6, 8]. Auswirkungen auf die fetale Entwicklung Verschiedene Fallberichte zeigen, dass eine prä-, peri- und postnatale Transmission der mütterlichen SARS-CoV-2-Infektion auf den Fetus bzw. das Neugeborene möglich ist. Von besonderem Interesse sind Daten zu den Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion auf die Plazenta [12–14]. Demnach finden sich nach SARS-CoV-2-Infektion in der Plazenta vermehrte Zeichen einer fetalen und maternalen vaskulären Malperfusion und Hinweise für eine intraplazentare Inflammation [15]. Letztlich wurde eine fokale avaskuläre Villiitis sowie Thromben in größeren fetalen Gefäßen der Chorionplatte und von Stammvilli beschrieben. Allerdings sind diese histomorphologischen Veränderungen nicht immer nachweisbar. Somit bleibt ungeklärt, ob die beschriebenen plazentaren Veränderungen Folge der viralen Infektion bzw. der infektionsgetriggerten Inflammation sind oder nur ein sekundäres Zeichen einer SARS-CoV-2-induzierten fetalen Wachstumsrestriktion. Aktuell sind keine überzeugenden Daten publiziert, die eine erhöhte Rate an Fehlbildungen im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion belegen. In einigen COVID-19-Fallserien werden fetale Wachstumsrestriktionen berichtet. Neben der Fehlbildungsrate wurde auch diskutiert, ob SARS- CoV-2 mit einer Zunahme der Häufigkeit intrauteriner Fruchttode einhergeht. Während erste Daten eine nahezu Verdreifachung der Rate an Totgeburten während der Pandemie nahelegten, konnte dies in nachfolgenden Studien nicht bestätigt werden [16]. Auch aktuelle Metaanalysen finden bezüglich der Rate an Totgeborenen keine Unterschiede zwischen SARS-CoV-2-positiv oder -negativ getesteten Schwangeren [17]. SARS-CoV-2 und Konsequenzen für die Geburt Eine maternale Infektion mit SARS-CoV-2 hat nach aktuellem Kenntnisstand keine weiterführenden Konsequenzen für die Planung der Geburt. Sollte die Schwangere einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung haben, so kann eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft aus mütterlicher Indikation erwogen werden. Diese Indikation ergibt sich allerdings dann nur aus der intensivmedizinischen Behandlung und nicht primär wegen einer SARS-CoV-2-Infektion. Im Rahmen des CRONOS- Registers wurde bei 31 Schwangeren angegeben, dass diese iatrogen, wegen COVID-19 entbunden wurden; insgesamt lag die Sectio-Quote bei 35,4 %. 50

COVID-19 UND SCHWANGERSCHAFT Die Daten bezüglich der Auswirkungen der SARS- CoV-2-Epidemie auf die generelle Häufigkeit einer zu frühen Geburt sind derzeit noch widersprüchlich [18]. Schwangere Frauen mit einer COVID-19-Infektion haben eine höhere Rate einer zu frühen Geburt [19]. Allerdings lassen sich die Frühgeburtsraten zwischen verschiedenen Ländern nur schwer vergleichen, da bereits in der Vor-Covid-Ära landesspezifische Unterschiede existierten. Von den im CRONOS-Register erfassten Frauen erfolgte bei 44 die Geburt vor 34+0 Schwangerschaftswochen (SSW) und bei 104 zwischen 34+0 und 36+6 SSW. Insgesamt wurden neun Totgeburten (>24+0 SSW) registriert. Kontrovers diskutiert wird derzeit, ob die erhöhte Rate zu früher Geburten eine direkte Folge der SARS-CoV-2-Infektion oder Konsequenz der mütterlichen Erkrankung und damit eher iatrogen bedingt ist. SARS-CoV-2 und das Neugeborene Übertragung auf das Neugeborene Während in der Anfangsphase der Pandemie Hinweise für das Vorhandensein von SARS-CoV-2 im Fruchtwasser, Vaginalsekret bzw. Nabelschnurblut fehlten [20] und damit eine prä- bzw. intranatale Transmission eher unwahrscheinlich erschien, wurde in späteren Arbeiten SARS-CoV-2 sowohl im Nabelschnurblut als auch im Vaginalsekret und im Fruchtwasser nachgewiesen. Letztlich spricht der Nachweis von SARS-CoV-2-IgM-Antikörpern im neonatalen Blut auch für einen intrauterinen Übertritt des Virus. Allerdings findet sich nur in seltenen Fällen eine, meist auch nur kurzzeitige, SARS-CoV-2-Virämie, womit das Risiko der hämatogenen Transmission als niedrig einzuschätzen ist. In einem systematischen Review von 20 Studien, die 240 Frauen inkludiert haben, fand sich eine vertikale Transmissionsrate von lediglich 4 % [9]. Trotzdem sind aber auch Fälle mit hoher mütterlicher Virämie beschrieben, bei denen ein SARS-CoV-2-Nachweis in der Plazenta und bei dem Neugeborenen gelang. Kontrovers wird aktuell noch die Rolle des angiotensin-converting-enzyme 2 receptor (ACE2R) und der transmembrane protease serine 2 (TMPRSS2) im Synzytiotrophoblasten bei dem plazentaren Transfer diskutiert. Wenngleich die potenzielle Gefahr einer pränatalen Transmission besteht, scheint sie sich selten zu realisieren. In großen neonatalen Kollektiven hatten nur weniger als 5 % der Neugeborenen einen positiven SARS-CoV-2-Nachweis, wobei insbesondere Kinder betroffen waren, deren Mütter eine Woche vor der Geburt positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden [19]. Im CRONOS-Register hatten lediglich 14 Neugeborene einen positiven SARS-CoV-2-PCR- Nachweis. Bei 267 Neugeborenen wurde ein SARS- CoV-2-Antikörpertest durchgeführt, bei 82 Kindern konnten Antikörper nachgewiesen werden. Eine peri- oder postnatale Infektion wurde ebenfalls beschrieben [21]. Allerdings ist die Infektionsrate durch eine Geburt per Sectio caesarea nicht niedriger [22]. Unter Abwägung von Vorteilen und potenziellen Nachteilen sollten sowohl Stillen als auch rooming-in mit der Mutter bei gesunden und am Termin geborenen Kindern nicht verhindert werden [23–25]. Neonatale Erkrankungen In einer Metaanalyse von 176 publizierten Fällen einer neonatalen Infektion entwickelte etwas mehr als die Hälfte der Neugeborenen COVID-19. Folgende Symptome fanden sich bei diesen Kindern: Fieber (44 %), gastrointestinale (36 %), respiratorische (52 %) und neurologische (18 %) Manifestationen [21]. Abgesehen von den Folgen, die sich aus der Frühgeburtlichkeit ergeben, ergaben sich keine schweren neonatalen Konsequenzen aus der mütterlichen Infektion [26]. connexiplus 51

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