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Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

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Fachmagazin zu COVID-19

Da der

Da der Hauptübertragungsweg des Virus auf das Neugeborene während des Stillens die maternale Tröpfchen- bzw. Aerosolbildung darstellt, wird empfohlen, dass SARS-CoV-2-positive Frauen beim Stillen die empfohlenen Hygieneregeln (inklusive Mund-Nasen-Schutz) einhalten und damit das Risiko einer Infektion reduzieren. connexiplus Abbildung 1: Insbesondere Schwangere mit Vorerkrankungen oder mit hohem Expositionsrisiko könnten von der Impfung profitieren. Allerdings fehlen belastbare Daten zur Anwendung dieser Impfstoffe in der Schwangerschaft. Daher kann eine generelle Impfung aller Schwangeren derzeit noch nicht empfohlen werden. Management der Neugeborenen Verschiedene kleinere Studien legen nahe, dass die Rate der Neugeborenen, die auf einer neonatologischen Intensivstation betreut werden mussten, bei Müttern mit COVID-19 erhöht ist. So wurden knapp 10 % der am Termin geborenen Kinder auf eine Intensivstation aufgenommen, wobei jedoch der Grund nicht spezifiziert wurde [19]. Auch im CRO- NOS-Register wurden 149 Neugeborene nach der Geburt auf der Intensivstation betreut, allerdings hatten lediglich 62 davon eine Atemunterstützung. Stillen des Neugeborenen In der Anfangsphase der Pandemie wurde kontrovers diskutiert, ob das Stillen durch SARS-CoV-2-positive Mütter für die Neugeborenen ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellt [27]. Mittlerweile konnte in verschiedenen Untersuchungen SARS-CoV-2 in der Muttermilch nachgewiesen werden [28–30]. Gleichzeitig fanden sich jedoch – bei etwas länger zurückliegender Infektion – auch SARS-CoV-2-Antikörper in der Milch. Ein kritischer Vergleich verschiedener Vorgehensweisen legt nahe, dass die Vorteile des Stillens potenzielle Risiken einer neonatalen Infektion deutlich überwiegen [21]. Dementsprechend empfehlen die meisten wissenschaftlichen Fachgesellschaften das Stillen auch für SARS-CoV-2-positive Mütter [24, 25, 31]. Impfung während der Schwangerschaft Zurzeit sind verschiedene COVID-19-Impfstoffe verfügbar und in Deutschland zugelassen. Diese Impfstoffe wurden bisher noch nicht ausreichend an Schwangeren getestet. Damit fehlen belastbare Daten zur Anwendung dieser Impfstoffe in der Schwangerschaft. Daher kann eine generelle Impfung aller Schwangeren derzeit noch nicht empfohlen werden, vielmehr liegt die Entscheidung über die Anwendung des Impfstoffs – in enger Absprache mit einem Arzt – bei der Schwangeren. Im persönlichen Beratungsgespräch ist auf die individuellen und schwangerschaftsspezifischen Risiken einer SARS-CoV-2-Infektion einzugehen, gleichzeitig sind aber auch das Fehlen von Langzeitstudien und die individuellen Risiken und Nutzen einer COVID-19-Impfung zu thematisieren. Dabei spielt das Abwägen individueller Risiken gegenüber potenziellen Risiken eine wichtige Rolle. Potenzielle Vorteile bzw. mögliche Nebenwirkungen Insbesondere Schwangere mit Vorerkrankungen und einem damit einhergehenden hohen Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 oder Schwangere mit hohem Expositionsrisiko gegenüber einer SARS-CoV-2-Infektion könnten von der Impfung profitieren. Tierexperimentelle Untersuchungen zu mRNA- Impfstoffen fanden keine nachteiligen Auswirkungen auf die weibliche Fertilität, die embryonale/ 52

COVID-19 UND SCHWANGERSCHAFT fetale oder die postnatale Entwicklung. Aktuell werden Beobachtungsdaten von geimpften Schwangeren gesammelt und ausgewertet. Eine Infektion der Schwangeren oder des Fetus mit SARS-CoV-2 durch die Impfung erscheint aktuell nicht möglich, da die verfügbaren Impfstoffe keine replikationsfähigen Viren enthalten. Auch eine Beeinflussung der embryonalen oder fetalen Entwicklung durch die applizierte mRNA ist nicht zu erwarten. Die mRNA ist überwiegend in der Einstichstelle selbst oder den drainierenden Lymphknoten zu finden und für circa 72 Stunden nachweisbar. Damit bleibt es fraglich, ob signifikante Mengen die Plazenta erreichen und sogar die Plazentaschranke passieren. Ein Einbau der mRNA in das fetale Genom ist nicht plausibel. Pathophysiologische Überlegungen lassen vermuten, dass bei schwangeren Frauen mit einer ähnlich hohen Wirksamkeit der Impfung zu rechnen ist, wie es für andere Erwachsene beschrieben wurde. Außerdem werden sich die Nebenwirkungen einer Impfung gegen COVID-19 bei Schwangeren nicht von den Nebenwirkungen Nichtschwangerer unterscheiden. Damit legen die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin nahe, dass „in informierter partizipativer Entscheidungsfindung nach Ausschluss allgemeiner Kontraindikationen … die Impfung schwangerer Frauen gegen SARS-CoV-2 möglich (ist). Um Schwangere indirekt zu schützen, sollen zudem enge Kontaktpersonen von Schwangeren, insbesondere deren PartnerInnen sowie Hebammen und Ärzte priorisiert geimpft werden.“ Impfungen bei Frauen mit Kinderwunsch Auch für Frauen mit Kinderwunsch scheint eine Impfung möglich zu sein, aktuell liegen keine Hinweise dafür vor, dass mRNA-Impfstoffe die Fertilität beeinträchtigen. Vielmehr kann eine rechtzeitige Impfung die Gefahren einer COVID- 19-Infektion während der Schwangerschaft minimieren. Aktuell gibt es keine Hinweise dafür, dass eine Schwangerschaftsverhütung nach einer Impfung indiziert wäre. Auswirkungen auf den Fetus Die – im Rahmen einer Infektion oder einer Impfung gebildeten – mütterlichen Antikörper stellen einen potenziellen Infektionsschutz des Säuglings dar. Dementsprechend fand sich eine Korrelation von mütterlichen und neonatalen IgG-Antikörpern gegen SARS-CoV-2. Demnach scheint auch für SARS-CoV-2 eine Nestimmunität einen Schutz für den Säugling darzustellen. Sonstige kurz- und langfristige Auswirkungen der Pandemie für Schwangere und deren Neugeborene Reduktion von Kontakten Die Einschränkungen von persönlichen Kontakten zur Reduktion der Ansteckung und Eindämmung der Pandemie hat vielfältige Nebenwirkungen, die sich auch bei Schwangeren bzw. jungen Familien bemerkbar machen. So wurden für Schwangere mehr Ängstlichkeit und Depressivität während der SARS-CoV-2-Pandemie beschrieben, wobei nicht nur SARS-CoV-2-positiv getestete Frauen betroffen waren. Daher sollte im Rahmen der Betreuung während der Schwangerschaft und des Wochenbettes ein besonderes Augenmerk auf psychische Besonderheiten gelegt werden. Außerdem scheint pandemiebedingt die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen, aber auch schwangerschaftsspezifischen Notfallkonsultationen rückläufig zu sein. Auch die Restriktionen bezüglich der Möglichkeit, das zu früh oder krank geborene Kind zu besuchen, wurde in den Auswirkungen umfangreich diskutiert [32]. connexiplus 53

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