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Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

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Fachmagazin zu COVID-19

SARS-CoV-2 Epidemiologie

SARS-CoV-2 Epidemiologie und Variants of Concern connexiplus Seit einigen Monaten gibt es immer wieder Berichte über neue Mutationen des Coronavirus Sars-CoV-2. Das ist nicht verwunderlich, denn Viren, insbesondere RNA-Viren, verändern sich fortlaufend. Erstaunlich ist, wie schnell sich manche Mutationen epidemiologisch durchsetzen. Ein Grund könnte der zunehmende Selektionsdruck in der Pandemie sein. So sind zum Beispiel Virusvarianten im Vorteil, denen es aufgrund einer Mutation besser gelingt, menschliche Zellen zu infizieren oder der Immunantwort des Wirtes zu entkommen (Escape-Mutationen). Virusverbreitung (Mitte März 2021) Will man wissen, wie verbreitet SARS-CoV-2 in Deutschland ist, ist man auf seroepidemiologische Daten angewiesen. Nur die Antikörperstudien geben Auskunft über den Anteil der Bevölkerung, der bereits eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hat und nur sie schließen den Dunkelzifferanteil der unerkannten Infektionen mit ein. Ein bekanntes Beispiel aus Deutschland ist die Covid-19-Case-Cluster-Study [1], die im März und April 2020 in Gangelt, einer von COVID-19 überproportional betroffenen Gemeinde im Landkreis Heinsberg, durchgeführt wurde. In der Studie entwickelten 15 % der Getesteten Antikörper, es hatten sich damit fünfmal mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als offiziell gemeldet (3,1 %). Sind wir demnach der herbeigesehnten Herdenimmunität doch schon näher, als wir denken? Wohl eher noch nicht. Dafür sprechen jedenfalls die Daten einer Zwischenauswertung der SeBluCo- Studie zur Seroprävalenz von Blutspenden für SARS-CoV-2-Antikörper, die das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte. Insgesamt wurden bis Mitte März 2021 93.488 Proben aus 28 Regionen in ganz Deutschland auf das Vorliegen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 getestet. Man sehe zwar inzwischen einen deutlichen Anstieg der Seroprävalenz, die mit 7,8 % im März auch einen Höchstwert erreiche [2], so das RKI. Aus Sicht der Autoren ist jedoch aufgrund der immer noch sehr niedrigen Seropositivität in der untersuchten Stichprobe vermutlich auch ein Großteil der deutschen Bevölkerung weiterhin ungeschützt. Besorgniserregende SARS-CoV-2- Varianten Besorgniserregende Varianten (variants of concern; VOC) des Pandemievirus SARS-CoV-2 breiten sich weltweit aus. Ihr Anteil ist in den letzten Wochen exponentiell angestiegen. Die im September 2020 in Großbritannien erstmals entdeckte Mutation B.1.1.7 ist in vielen europäischen Ländern bereits die dominierende Variante, so auch in Deutschland. Nach Angaben des RKI wird B.1.1.7 (Stand Mitte März 2021) in 72 % der untersuchten positiven Proben in Deutschland gefunden [3]. Das ist auch deshalb besorgniserregend, weil B.1.1.7 nach bisherigen Erkenntnissen nicht nur erheblich ansteckender ist als der Wildtyp, sondern vermutlich auch mit einer höheren Sterblichkeit einhergeht. Nach einer jüngst in nature veröffentlichten Studie [4], basierend auf ca. 5.000 Todesfällen mit bekanntem VOC-Status, war das mit B.1.1.7 assoziierte Sterberisiko nach Adjustierung u. a. für Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und Unterbringung in einem Pflegeheim um 55 % erhöht. Dies entsprach einem Anstieg des absoluten Sterberisikos für einen 55–69-jähri- 6

gen Mann von 0,6 % auf 0,9 % innerhalb von 28 Tagen nach einem positiven ambulanten Test auf SARS-CoV-2. Die gute Nachricht, alle derzeit verfügbaren Impfstoffe scheinen gegen die B.1.1.7- Variante sehr gut wirksam zu sein. Im Dezember 2020 wurde erstmals von einem vermehrten Auftreten einer SARS-CoV-2-Mutation in Südafrika (B.1.351) berichtet. Weltweit und auch in Deutschland ist deren Ausbreitung bislang noch gering, der Anteil von B.1.351 liegt in Deutschland (Stand Mitte März) bei ca. 0,8 % [3]. Die in Brasilien im Bundesstaat Amazonas erstmals nachgewiesene SARS-CoV-2-Mutation P.1 wurde bis dato nur vereinzelt in Deutschland nachgewiesen. Völlig anders stellt sich die Situation in den Ursprungsländern dar, in Südafrika (B.1.351) und in Brasilien (P.1) machen sie jeweils den größten Anteil der gefundenen Varianten aus. In Brasilien ist das Gesundheitssystem inzwischen weitgehend zusammengebrochen. Menschen sterben, während sie auf ein freies Intensivbett warten. Besorgniserregender Rückgang der Wirksamkeit Die Frage, inwieweit die aktuellen Corona-Impfstoffe gegen die VOCs B.1.351 und P.1 schützen, wird derzeit intensiv erforscht. Ausgerechnet für den breit einsetzbaren, weil kostengünstigen und bei normalen Kühlschranktemperaturen gut lagerbaren Impfstoff AZD1222 von AstraZeneca, gibt es mittlerweile Daten, die nicht sehr erfreulich sind. Nach einer aktuell im New England Journal of Medicine veröffentlichen Studie schützt AZD1222 nicht vor einem leichten bis mittleren Verlauf einer COVID-19-Infektion in Südafrika. Von 750 sero negativen Personen, die mit AZD1222 geimpft wurden, erkrankten 19 (2,5 %) an COVID-19 im Vergleich zu 23 von 717 Personen (3,2 %) in der Placebogruppe. Daraus ergibt sich eine Schutzwirkung des Impfstoffs von 21,9 % (95 %-KI –49,9–59,8, nicht signifikant). Von den 42 Teilnehmern mit Covid-19 gingen 39 Fälle (92,9 %) auf die Variante B.1.351 zurück; die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen diese Variante (sekundärer Endpunkt) betrug lediglich 10,4 % (95 % KI –76,8–54,8). Südafrika hat die Impfungen mit AZD1222 inzwischen eingestellt und seinen Vorrat von einer Million Impfdosen verkauft. Der Fairness halber muss jedoch erwähnt werden, es gibt bislang keine Evidenz, dass die derzeit zugelassenen Impfstoffe nicht vor den schweren Verläufen schützen. Fazit Variants of concern, bekannte und zukünftige, werden, das zeigen alle Daten, die Eindämmung der Pandemie erschweren. Impfstoffe sind die Hoffnungsträger in der Pandemie. Doch die WHO mahnt, der Kampf gegen COVID-19 wird nicht auf nationaler Ebene zu gewinnen sein. Erst wenn das Virus weltweit besiegt sei, kann es sich nicht erneut ausbreiten oder weitere besorgniserregende Mutationen entwickeln. Über UNICEF kann man sich mit einer Spende an der weltweiten Corona- Impfaktion (COVAX) beteiligen [5]. Bericht: Rüdiger Zart Referenzen 1. Streeck H et al. Nat Commun 2020; 11(1): 5829. 2. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_ Coronavirus/Projekte_RKI/SeBluCo_Zwischenbericht. html. [Letzter Zugriff 23.3.2021] 3. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_ Coronavirus/DESH/Bericht_VOC_2021-03-17.pdf?__ blob=publicationFile [Letzter Zugriff 23.3.2021]. 4. Davies NG et al. Nature 2021 Mar 15. [Epub ahead of print]. 5. UNICEF-Spendenaktion: https://www.unicef.de/informieren/projekte/unicefziele-110800/hygiene-111244/coronavirus-impfstoffe-fuer-die-aermsten-laender/235762 connexiplus 7

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