Aufrufe
vor 5 Monaten

Leseprobe CONNEXIPLUS 2021-1 COVID-19 und Impfstoffe

  • Text
  • Nustendi
  • Novartis
  • Leqvio
  • Inclisiran
  • Vazkepa
  • Bempedoinsaeure
  • Covid
  • Hoxha
  • Cov
  • Covid
  • Ruediger
  • Mueller
  • Langer
  • Laufs
  • Plettenberg
  • Synlab
  • Maerz
  • Pandemie
  • Impfstoffe
  • Connexiplus
Fachmagazin zu COVID-19

NEUE DIGITALE WELT

NEUE DIGITALE WELT Einblicke in die Zukunftswerkstatt der „Künstlichen Intelligenz“ Teil 4 connexiplus KI Auf den folgenden Seiten setzen wir unsere neue Beitragsserie zum Thema „Künstliche Intelligenz“ mit Fokus insbesondere auf medizinisch interdisziplinäre Bereiche fort. In ihrem vierten Beitrag beschäftigen sich Dr. med. Tobias Gantner, HealthCare Futurists GmbH Köln, und Dr.-Ing. Christian Kauth, Health- Care Futurists GmbH Schweiz, mit neuen und KI-gekoppelten Konzepten der Telemedizin. Sie werfen einen Blick in die „Ohnearztpraxis“, besichtigen das „consultatorium.digitale“ und betrachten zukunftsträchtige Einsatzfelder der KI in der Medizin. In einer weiteren connexi plus-Ausgabe stellen sie sich einer Herausforderung aus dem Leserkreis, zu der sie eine KI aufbauen, im Beitrag die Funktionsweise erläutern und Ergebnisse interpretieren. Sie bitten darum, dass Sie als Leserinnen und Leser Fragestellungen aus Ihrem täglichen Umgang mit Daten einsenden, die die Autoren mit einer KI bearbeiten können. Reichen Sie gern per E-Mail an Dr. Gantner Ihre ganz persönliche Wunsch-KI ein: E-Mail: tobias.gantner@healthcarefuturists.com Dr. med. Tobias Gantner ist Arzt und Unternehmer. Der studierte Ökonom, Jurist und Philosoph ist Gründer und Geschäftsführer der Health- Care Futurists GmbH, einem Netzwerk von innovativen Unternehmen, Think-Tank und Make-Tank. Als Mediziner, Entrepreneur und Zukunftsgestalter ist der mehrfach ausgezeichnete frühere Chirurg mit Führungserfahrung bei DAX-Konzernen ein gefragter Gesprächs- und Umsetzungspartner bei Produktneuentwicklungen. Er ist Vortragender zu den Themen der digitalen Transformation des Gesundheitswesens und gegenwärtig besonders engagiert auf dem Gebiet der Technikfolgeabschätzung, Patientenbeteiligung und der Demokratisierung des Gesundheitswesens. tobias.gantner@healthcarefuturists.com Dr.-Ing. Christian Kauth ist ein kreativer Technologe im Gesundheitswesen. Nachdem er das Winzige erforscht (Elektronik für Nanosensoren) und das Große entwickelt hat (Software-Ingenieur bei Microsoft), kümmert er sich um das Gesunde (Algorithmen für medizinische Geräte) und macht es sich zur Aufgabe, Technologien zu demokratisieren, die das Potenzial haben, viele unserer alltäglichen Probleme und Sorgen zu lösen. Er tut dies als CEO der HealthCare Futurists Schweiz, als Freiberufler Kauthentech sowie als Dozent an der Universität Fribourg. christian.kauth@healthcarefuturists.com 68

DIE BERECHENBARKEIT DES UNBERECHENBAREN Wie vorhersagbar ist die Medizin? Tobias D. Gantner, Köln und Christian Kauth, Fribourg Wir verließen die Szene in Folge 3 der Serie in Heft 6/2020 nach einem Gang durch die Arztpraxis der Zukunft. Eine Praxis, die nach außen gar nicht digital daherkommt, da die Ästhetik der öffentlich zur Schau getragenen Technologie sich nur in vernachlässigbarem Umfang in Patientenheilung überführt. Es ist vielmehr der von ihr abstrahlende und durch sie vermittelte Nutzen, der beim Patienten ankommt. Ein Nutzen, der den Patienten in seiner Lebenswirklichkeit abholt, wo auch immer diese sich zutragen mag. Der Arzt braucht nicht mehr das Schneckenhaus des medizinischen Wirkens, die Arztpraxis. Unter Technologieeinsatz kann er seine Fähigkeiten und Fertigkeiten an jeden digital erschlossenen Ort auf diesem Planeten bringen. Telemedizin − Ohnearztpraxis nicht ohne Arzt Damit kommt die Telemedizin nach Hause. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass neue Spielarten der Arzt-Patienten-Interaktion Einzug halten. Eine davon wird demnach die Nutzung telemedizinischer Anwendungen sein. Sie ist allerdings als solches noch gar nicht richtig definiert. Sie ist mehr als ein Arzt, ein Patient und eine digitale Verbindung. Sie besteht manchmal nur aus einem Telefon, manchmal spielt sie sich zwischen zwei Ärzten ab, manchmal zwischen Arzt und Pflegekraft, manchmal im Krankenhaus, manchmal auch in Praxiskonstellationen, die wir als Ohnearztpraxis bezeichnen. Sie stellt uns vor Herausforderungen, nicht nur, weil sich stets neue Fragen zur Abrechnung stellen, weil sich juristisches Neuland auftut, sondern auch, weil wir uns über Datenschutz Gedanken machen müssen. Insbesondere aber haben wir Mediziner in unserer Ausbildung nicht gelernt, wie wir diese digitale Beziehung gestalten können. Noch haben wir uns später Gedanken dazu gemacht, wie sie uns gestalten wird. Stellen Sie sich vor, Fachärzte könnten zu digitalen Belegärzten in Allgemeinarztpraxen werden und in diesem „consultatorium.digitale“ oder Ohne-Facharzt-Praxis mit etwas weiterführender spezifischer und digital gestützter Diagnostik eine unverzügliche Patientenabklärung machen, die auf den erhobenen Daten basiert, auf der Interaktion mit einer entsprechend geschulten medizinischen Hilfskraft, die den Patienten vor Ort betreut und in der Verbindung und Absprache mit dem überweisenden Kollegen. Dem Patienten bleiben Wartezeiten, Fahrzeiten und Ungewissheiten erspart. Ein Anschluss der Behandlung ist gewährleistet, das Informationskontinuum zwischen Überweiser und Consiliarius ist hergestellt. Wir sind wieder bei der Nahtlosigkeit in deren Hintergrund die digitale, datengetriebene Infrastruktur läuft. Stellen Sie sich vor, Pflegedienste und Pflegeheimbetreiber beginnen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Facharztzeit für Ihre Heimbewohner − z. B. bei Neurologen, Rheumatologen oder Pulmologen − in deren digitalen Consultatiorien zu makeln, so wie heute Strompreise an einer Börse verhandelt werden. Die Arztzeit als Handelsgut. Wer Leerlauf hat, behandelt mit und nimmt somit teil an einem viel größeren Handlungs- und Behandlungsfeld. Die Qualitätskontrolle, beispielsweise nach Fachlichkeit (Outcome), Freundlichkeit (Evaluation des Patienten) und Pünktlichkeit (Einwahlzeitpunkt), besorgt wieder eine künstliche Intelligenz. Sie mögen jetzt einwenden, dass es gar nicht genug Arztkapazitäten dafür gibt. Dem aber widersprechen die aktuellen Zahlen, die eher auf eine Fehlverteilung der ärztlichen Valenzen hindeuten als auf einen Mangel daran. Das spielt aber in der digitalen Welt, wenn kein direkter persönlicher Kontakt zwingend nötig sein sollte, keine Rolle mehr. Und wenn die Ressourcenanforderungen im eigenen Land nicht zu decken sind, könnte das Modell spannend sein für Ärzte aus dem Europäi- connexiplus KI 69

Connexi - Leseproben